
Für Mia · von Oma Ute und Opa Klaus
Mia ermittelt mit der Gemüsepolizei
Heute war ein ganz besonderer Tag im Gemüseland. Denn heute war Mia zu Besuch.
Bella Brokkoli und Emil Erbse warteten schon vor dem kleinen Polizeibüro am Marktplatz. „Da bist du ja, Mia!", rief Emil und schwenkte seine rote Kappe. „Wir haben schon auf dich gewartet."
Bella hielt etwas Glänzendes hoch. Es war eine kleine Lupe an einem grünen Band. „Die ist für dich", sagte sie. „Heute darfst du einen ganzen Tag bei der Gemüsepolizei mitmachen. Wenn du magst."
Und ob Mia mochte! Die Lupe war ganz leicht und passte genau in die Hand.
„Dann fehlt nur noch unser Spruch", sagte Emil feierlich. Alle drei legten die Hände übereinander. „Gemeinsam sind wir stark!"

Kaum hatten sie das gesagt, kam Rudi Rotkohl über den Marktplatz gestapft. Seine großen gelben Stiefel machten platsch, platsch. Und sein Gesicht war ganz traurig.
„Gut, dass ihr da seid", seufzte Rudi. „Heute Morgen hatte ich einen ganzen Korb voll Erdbeeren. Für unser Picknick heute Nachmittag. Und jetzt ist der Korb fast leer!"
Emil machte große Augen. „Fast leer? Einfach so?"
„Einfach so", sagte Rudi. „Ich habe nur kurz die Blumen gegossen. Und als ich zurückkam, war fast alles weg."
Bella nickte ernst. „Das ist ein Fall für die Gemüsepolizei. Wir schauen uns das an. Kommst du mit, Mia?"

Rudis Korb stand neben der Gartenbank. Bella kniete sich hin und schaute ganz genau. Emil lief einmal um die Bank herum. „Nichts", murmelte er. „Keine Fußspuren. Kein Krümel. Hmm."
Mia hielt die neue Lupe ans Gras. Und da, zwischen den Halmen, war etwas. Ein winziges Pünktchen. Und daneben noch eins. Und noch eins.
„Da ist was!", sagte Mia.
Bella beugte sich darüber. „Tatsächlich! Gut gesehen, Mia." Sie lächelte. „Mit einer Lupe sieht man eben mehr."
Emil hüpfte vor Freude. „Eine Spur! Jetzt haben wir eine Spur!"

Bella ging voran, Schritt für Schritt, immer den Pünktchen nach. Emil und Mia blieben dicht hinter ihr. Die Spur führte an der alten Gießkanne vorbei. Dann um den dicken Kürbis herum. Dann unter dem Gartenzaun hindurch.
„Die Spur ist ganz schön klein", flüsterte Emil. „Wer auch immer das war, ist nicht groß."
Beim Apfelbaum blieb Bella stehen. Hier ging die Spur in zwei Richtungen. Eine nach links zum Teich. Eine nach rechts zum Busch.
„Hm", machte Bella. „Welchen Weg nehmen wir?"
Emil kratzte sich unter der Kappe. „Ich weiß es auch nicht."
Mia schaute noch einmal durch die Lupe. Auf der rechten Seite lag ein winziges Krümelchen. Genau so eins, wie es in Rudis Korb gelegen hatte.
„Hier", sagte Mia und zeigte nach rechts.
Bella schaute nach und nickte. „Das passt. Dann gehen wir zum Busch."

Vor dem Busch blieben alle stehen. Aus den Blättern kam ein leises Geräusch. Ein Tippeln. Ein Wispern. Und ein ganz leises Kichern.
Emil hielt die Luft an. Bella legte den Finger an die Lippen. Dann schob sie ganz vorsichtig ein paar Blätter zur Seite.
Und da mussten alle lachen.
Unter dem Busch saß eine Ameisenfamilie. Sie hatte eine kleine Tafel gedeckt, mit Blättern als Tellern und Eichelhütchen als Bechern. Und mitten auf der Tafel lagen Erdbeeren, in ganz, ganz kleinen Stückchen.

„Oh!", piepste die kleinste Ameise erschrocken. „Seid ihr die Polizei?"
„Die Gemüsepolizei", sagte Emil. „Wir wollten nur wissen, wo Rudis Picknick geblieben ist."
Die Ameisenmama wurde ganz verlegen. „Unser Kleinster hat heute Geburtstag", sagte sie leise. „Wir haben den Korb gesehen und gedacht, es fällt keinem auf, wenn wir ein bisschen was holen. Das war nicht richtig, oder?"
Bella ging in die Hocke, ganz nah an die Ameisen heran. „Nein, das war nicht richtig", sagte sie freundlich. „Rudi war sehr traurig. Aber wisst ihr was? Man darf fragen. Rudi teilt nämlich gern."
Also gingen alle zusammen zurück zu Rudi. Die Ameisen trugen, was übrig war. Bella trug den Korb. Und Mia trug die kleinste Ameise ganz vorsichtig auf einem Blatt.
„Entschuldigung, Rudi", piepste die Ameisenmama. „Wir hätten fragen sollen."
Rudi schaute die kleinen Ameisen an. Dann lachte er sein tiefes Rotkohl-Lachen. „Ihr habt Geburtstag? Warum sagt ihr das denn nicht! Dann feiern wir eben alle zusammen."
Und so wurde aus Rudis Picknick ein großes Fest. Otto Oregano brachte frisches Brot, und Hanna Hirse hängte bunte Fähnchen auf. Die Ameisen bekamen ihren eigenen winzigen Tisch. Und es gab Erdbeeren für alle.

„Fall gelöst", sagte Emil zufrieden und biss in sein Brot.
Bella nickte. „Und das Beste: Keiner musste schimpfen."
Dann schaute sie Mia an. „Danke für deine Hilfe. Ohne deine Lupe hätten wir die Pünktchen vielleicht gar nicht gesehen."
„Und den richtigen Weg am Apfelbaum auch nicht", sagte Emil. „Das war richtig gute Polizeiarbeit."
Mia lächelte und hielt die Lupe ganz fest.
Als die Sonne unterging, brachten Bella und Emil Mia zum großen Tor des Gemüselandes. „Die Lupe darfst du behalten", sagte Bella. „Damit findest du auch zu Hause kleine Spuren."
„Und wenn du wieder ins Gemüseland kommst", rief Emil, „dann ermitteln wir zusammen weiter!"
„Und alles Gute zu deinem 5. Geburtstag, Mia!", riefen Bella und Emil zum Abschied.
Ende