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Die große Festsuppe

Vorlese-Fassung · 3–8 Jahre

„Heute wird alles ganz wunderbar!", rief Otto Oregano und rieb sich die Hände.

Es war Erntefest im Gemüseland. Über dem Marktplatz hingen bunte Fähnchen im Wind. Überall roch es nach frischem Brot und süßen Äpfeln. Und mitten auf dem Platz stand der größte Suppentopf der Welt. Er war so groß, dass Otto auf eine Leiter klettern musste. Nur so kam er zum Rühren.

Jedes Jahr kochte Otto hier seine berühmte Kräutersuppe. Und jedes Jahr riefen alle: „Otto, das ist die beste Suppe der ganzen Welt!"

Otto schaute zum Himmel. „Wenn die Sonne untergeht, beginnt das Fest", sagte er. „Noch drei Stunden. Das schaffe ich mit links."

Er tauchte seinen großen Löffel ein und probierte einen Schluck. Und dann …

„PFFFH!" Otto wurde knallrot im Gesicht. Er hustete. Er pustete. Die Suppe war viel zu salzig! Und viel zu scharf! Und ganz matschig, weil sie viel zu lange gekocht hatte.

„Oh nein, oh nein!", stöhnte Otto. „In der Nacht ist mir alles schiefgegangen. So eine Suppe kann ich doch nicht anbieten!"

Zum Glück kamen gerade Bea Brokkoli und Emil Erbse über den Platz spaziert. Sie sahen Ottos trauriges Gesicht — und wussten sofort: Hier ist etwas faul.

„Keine Sorge, Otto", sagte Bea ruhig. „Das kriegen wir hin. Gemeinsam."

Emil schaute zur Sonne. Sie stand schon ein Stück tiefer. „Aber wir müssen uns beeilen", flüsterte er.

„Ich hab eine Idee!", rief Emil und hüpfte auf und ab. „Zu salzig? Dann geben wir einfach ganz viel Wasser dazu!"

Also schleppten sie Eimer um Eimer herbei. Platsch! Platsch! Platsch! Otto rührte, bis ihm der Arm wehtat. Dann probierten alle noch einmal.

Sie verzogen das Gesicht. Jetzt schmeckte die Suppe nach … fast gar nichts. Ganz dünn, wie warmes Regenwasser.

„Igitt", sagte Emil leise. „Das war wohl nichts."

„Dann muss eben mehr Geschmack rein!", rief Otto. Schnell warf er hinein, was er greifen konnte: eine Handvoll Pfeffer, scharfe Kräuter — und noch mehr Pfeffer.

Er probierte — und sprang in die Luft. „WASSER! Schnell, ich brauche WASSER!" Seine Ohren glühten fast. Jetzt war die Suppe so scharf, dass allen die Augen tränten.

Otto ließ den Löffel sinken und setzte sich müde auf die unterste Stufe der Leiter. Die Sonne war schon halb hinter den Hügeln verschwunden.

„Es ist zu spät", sagte er ganz leise. „Gleich kommen alle. Und ich habe keine Suppe. Dann ist das schönste Fest des Jahres kaputt."

Einen Moment lang sagte niemand ein Wort. Nur der Wind ließ die Fähnchen flattern.

Doch dann sprang Bea auf. Ihre Augen leuchteten. „Otto! Wir machen die alte Suppe gar nicht mehr heil. Wir kochen eine ganz neue — aber nicht du allein. Wir alle zusammen!"

„Zusammen?", fragte Otto.

„Jeder bringt das mit, was er am besten kann", sagte Bea. „Komm, Emil — wir holen alle!"

Und jetzt ging alles ganz schnell. Emil rannte von Tür zu Tür und rief: „Die Festsuppe braucht euch! Schnell, schnell!"

Da kam Rudi Rotkohl mit einem dicken Kürbis unter dem Arm. Matti Mais brachte einen Korb voll süßer Maiskörner. Hanna Hirse und Frida Fenchel schleppten ganze Bündel frischer Kräuter. Und die kleine Lara Linse kam angetrippelt und trug — ganz stolz — eine einzige runde Erbse.

„Auch die kommt rein!", lachte Bea. „Jede Kleinigkeit hilft."

Sie rollten einen sauberen, leeren Topf herbei. Nun packten alle mit an. Rudi schnitt den Kürbis in kleine Stücke. Matti streute die Maiskörner. Frida gab ganz vorsichtig die Kräuter dazu. Und Otto stand oben auf der Leiter und rief, was als Nächstes dran war.

„Umrühren!" — Bea rührte. „Probieren!" — Emil kostete. „Noch eine winzige Prise Salz?" — „Perfekt!"

Es zischte, es dampfte, es blubberte. Ein herrlicher Duft zog über den ganzen Marktplatz.

Aber die Sonne sank und sank. Bald leuchtete nur noch ein winziger Streifen über den Hügeln.

„Schneller!", rief Emil. „Sie kommen gleich!"

Otto tauchte den Löffel ein — zum allerletzten Mal. Alle hielten den Atem an. Emil biss sich auf die Lippe. Würde es reichen?

Otto schloss die Augen und probierte. Und langsam, ganz langsam, breitete sich ein riesiges Lächeln über sein Gesicht aus.

„Das", flüsterte er, „ist die allerbeste Suppe, die es je gab. Und ganz allein hätte ich das nie geschafft."

Genau in diesem Augenblick ging die Sonne unter. Und vom Dorfrand her kamen die ersten Gäste mit ihren Schüsseln.

Es hatte gerade noch gereicht!

Die Suppe schmeckte wunderbar. Alle stellten sich an, es dampfte und duftete, und jeder wollte gleich einen zweiten Nachschlag.

Da kam Arvid Artischocke angerannt. „Ich will die allererste Schüssel!", rief er — und rutschte natürlich aus. „PLUMPS!" Arvid segelte durch die Luft und landete weich in einem großen Haufen Heu. Seine Schüssel flog hoch. Sie drehte sich einmal um sich selbst. Dann landete sie wieder genau in seinen Händen — kein einziger Tropfen ging daneben!

Einen Moment war es ganz still. Dann lachten alle, und Arvid lachte am allerlautesten mit. „Seht ihr", grinste er, „ich hab doch gesagt, ich krieg die erste Schüssel!"

Und so feierte das ganze Gemüseland bis tief in die Nacht — mit der besten Festsuppe aller Zeiten.

Und wenn du Otto fragst, wie sie so gut geworden ist, dann zwinkert er und sagt: „Weil ganz viele Hände zusammen gerührt haben."

Ende