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Die Kartoffelernte

Vorlese-Fassung · 3–8 Jahre

„FERTIG? LOS!", rief Matti Mais — und rannte los, bevor jemand antworten konnte.

Es war Kartoffeltag. Auf dem Acker hinter dem Bach standen zwanzig braune Säcke in einer langen Reihe. Daneben lagen Eimer, Körbe und große Gabeln zum Graben.

Christel Chicoree klatschte in die Hände. „Jeder nimmt sich eine Reihe. Wir haben bis Mittag Zeit."

„Und wer den vollsten Sack hat, hat gewonnen?", rief Matti.

Christel lachte. „Es geht heute nicht darum, wer am schnellsten ist."

Aber Matti hörte das schon nicht mehr. Er war schon bei seiner Reihe.

Christel schaute ihm nach und schüttelte langsam den Kopf.

Matti Mais war der schnellste Läufer von Gemüseland. Er war der schnellste Fußballer. Und heute, das stand fest, wollte er auch der schnellste Kartoffelbuddler sein.

Er packte die große Gabel und stach sie in die Erde. RATSCH! Er zog. RUMS! Er warf. Eine Kartoffel flog in den Eimer.

RATSCH. RUMS. RATSCH. RUMS.

Neben ihm arbeitete Hanna Hirse ganz anders. Sie kniete sich hin. Sie machte die Erde vorsichtig locker. Dann holte sie die Kartoffeln mit den Händen heraus und legte sie in den Korb.

„Du bist ja lahm", rief Matti fröhlich.

„Ich bin genau", sagte Hanna und schob ihre Brille hoch.

Matti lachte. Hanna auch.

Am Ende der Reihe stand Emil Erbse mit einem Zettel. Bei jedem vollen Eimer machte er einen Strich.

„Matti: acht", murmelte er. „Hanna: fünf."

Matti jubelte. Acht zu fünf!

Die Sonne kletterte höher. Matti buddelte schneller. Sein Rücken tat weh, seine Hände waren braun, und in seinem Sack lagen die Kartoffeln immer höher.

Arvid Artischocke wollte einen vollen Sack auf den Wagen heben. Er stellte einen Eimer daneben. Er wollte gerade draufsteigen — und hielt mitten in der Bewegung an. „Nein", sagte er zu sich selbst. „Ich hole die Leiter." Und das tat er.

Bella Brokkoli ging langsam die Reihen entlang und schaute den Kindern zu. Bei Matti blieb sie stehen. Sie hob eine Kartoffel aus seinem Eimer hoch und drehte sie in der Hand.

„Matti", sagte sie. „Guck mal."

„Keine Zeit!", rief Matti. „Ich bin vorne!"

Bella legte die Kartoffel zurück. Aber sie schaute noch eine Weile hin.

Dann holte sie sich einen leeren Korb.

Bella ging Mattis Reihe ab. Ganz langsam, Schritt für Schritt. Immer wieder bückte sie sich und legte etwas in den Korb.

Matti sah das aus dem Augenwinkel.

„Die sammelt meine Kartoffeln ein!", sagte er böse. „Weil ich vorne bin!"

Und er machte weiter. Noch schneller als vorher.

RATSCH. RUMS. RATSCH. RUMS.

„Matti: elf", rief Emil vom Rand.

Bella sagte gar nichts. Sie hob nur den Korb ein Stück höher, damit Matti hineinsehen konnte.

Aber Matti sah nicht hin.

Der Korb war schon halb voll.

Um zwölf klingelte Christel mit der kleinen Glocke.

„Aufhören! Wir zählen!"

Alle schoben ihre Säcke zusammen. Mattis Sack war der dickste. Er stand da wie ein kleiner Berg.

„Ich hab gewonnen!", rief Matti und streckte beide Arme in die Luft.

Da stellte Bella ihren Korb mitten in den Kreis.

Darin lagen Kartoffeln mit tiefen Löchern. Manche waren mitten durch. Ein paar waren richtig zermatscht.

„Die sind alle aus einer einzigen Reihe", sagte Bella leise.

Es wurde still.

Matti schluckte. „Aus meiner?"

Christel nahm eine kaputte Kartoffel und hielt sie hoch, damit alle sie sehen konnten.

„Die hier wird in zwei Tagen schlecht", sagte sie ruhig. „Dann wird die daneben auch schlecht. Und dann die daneben. Und dann der ganze Sack."

„Dann …", sagte Matti langsam, „darf mein Sack gar nicht in den Keller?"

Christel schüttelte den Kopf.

Matti setzte sich auf die Erde. Sein Sack war der vollste von allen. Und er war der einzige, der nicht mit durfte.

„Ich wollte doch nur der Schnellste sein", sagte er. Seine Stimme war ganz klein.

Emil kniete sich neben den Korb und zählte mit dem Finger. Dann schaute er auf seinen Zettel.

„Also", sagte er. „Matti hat die meisten Kartoffeln geholt. Und die meisten kaputt gemacht. Beides."

„Danke, Emil", brummte Matti.

Emil merkte, dass das gerade nicht gut war. „War nicht gemein gemeint", sagte er leise und setzte sich neben ihn.

Bella hockte sich auf die andere Seite. „Sag mal", fragte sie. „Eine kaputte Kartoffel darf nicht in den Keller. Was macht man dann mit ihr?"

Alle schauten sie an.

„Dann muss man sie sofort essen", sagte Hanna.

„Genau", sagte Bella. „Sofort."

Christel richtete sich auf. In ihren Augen blitzte etwas. „Wie viele sind es denn?"

Emil zählte noch einmal. „Vierundsechzig."

Christel grinste. „Vierundsechzig kaputte Kartoffeln", sagte sie. „Weißt du, was das ist, Matti? Das ist ein Abendessen für das ganze Dorf."

Am Nachmittag stand auf dem Marktplatz eine große Pfanne über dem Feuer. Otto Oregano passte auf das Feuer auf. In Gemüseland macht nie ein Kind allein Feuer an. Das ist die Regel.

Hanna rieb die Kartoffeln klein. Christel drückte die Kartoffelpuffer flach. Und Matti trug. Er trug Wasser, er trug Holz, er trug Schüsseln, er trug die fertigen Puffer von Tisch zu Tisch. Er war den ganzen Abend unterwegs und wurde kein bisschen müde.

Das Fett in der Pfanne machte ZISCH. Die Puffer wurden am Rand ganz braun und knusprig. Der Rauch zog über den Marktplatz und roch nach Zwiebeln und nach Feuer.

Es roch so gut, dass sogar Rudi Rotkohl zweimal kam. Und beim zweiten Mal brachte er seinen Teller gleich mit.

„Die schmecken besser als die ganzen Kartoffeln", sagte Arvid mit vollem Mund.

„Das stimmt gar nicht", sagte Emil.

„Ja", sagte Arvid glücklich. „Und?"

Als fast alle satt waren, setzte sich Christel neben Matti auf die Bank.

„Und?", fragte sie. „Was hast du heute gelernt?"

Matti überlegte lange. Dann sagte er: „Erst gucken. Dann graben."

Christel nickte. „Merk dir den Satz."

„Mach ich", sagte Matti. Er sprang auf. „Und morgen bin ich der Schnellste beim Reiben! Ich schaffe bestimmt drei Kartoffeln in einer —"

„MATTI", sagten Christel, Hanna, Bella und Emil gleichzeitig.

Matti setzte sich wieder hin. „Ich weiß", seufzte er. „Erst gucken. Dann reiben."

Alle lachten.

Es schmeckte so gut, dass sie es im nächsten Jahr wieder machten. Am Abend nach der Kartoffelernte gibt es in Gemüseland jetzt immer Puffer. Aus den kaputten Kartoffeln.

Und kaputt machen muss die zum Glück keiner mehr extra.

Ende

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🤖 Diese Geschichte wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz geschrieben und von einem Menschen geprüft. Mehr dazu