Gretas schiefes Erntedankfest
Vorlese-Fassung · 3–8 JahreGreta Gurke hatte eine Liste.
Die Liste war lang. Sie ging über Gretas Füße. Und dann noch weiter, bis auf den Boden.
„Bunte Fähnchen aufhängen", las Greta vor. „Tische aufstellen. Körbe füllen. Ganz oben auf jeden Korb der schönste Apfel. Alles um Punkt drei Uhr fertig."
„Punkt drei?", fragte Christel Chicoree.
„Punkt drei", sagte Greta. „Um vier kommen alle."
Es war der Morgen vor dem Erntedankfest. Auf dem Marktplatz roch es nach Äpfeln und nassem Laub. Der Wind war noch ganz ruhig.
Noch.
Zuerst lief alles genau nach Liste.
Rudi hielt die Leiter unten ganz fest. Christel kletterte hinauf und hängte die bunten Fähnchen auf. Greta stand daneben und sagte, wo sie hin sollten.
„Zwei Finger weiter links."
„So?"
„Ein Finger zurück."
Christel verdrehte die Augen und lachte. Aber sie schob das Fähnchen einen Finger zurück.
Die Tische standen. Die Körbe standen. In der Mitte war Platz für den großen Erntekorb — den schönsten von allen, mit dem größten Kürbis obendrauf.
Greta strich einen Punkt von der Liste. Dann noch einen.
„Wir sind sogar schneller als geplant", sagte sie zufrieden.
In diesem Moment kam der erste Windstoß.
Er war noch klein. Er nahm nur ein einziges Fähnchen mit.
„Kein Problem!", rief Christel und fing es in der Luft.
Der zweite Windstoß war größer.
Er zog an der ganzen Schnur. Die Fähnchen flatterten wie ein Schwarm bunter Vögel — und dann riss die Schnur mit einem leisen PLING.
Bunte Fähnchen flogen über den ganzen Marktplatz.
„Die Schnur!", rief Greta. „Schnell!"
Sie rannten hinterher. Christel sprang und schnappte. Greta hielt zwei Enden fest.
Sie knoteten die Schnur wieder zusammen. Sie hängten die Fähnchen wieder auf. Es dauerte eine ganze Stunde.
Greta schaute zur Sonne.
„Halb zwei", sagte sie. „Wir schaffen es noch."
Sie schafften es nicht.
Denn dann kam der dritte Windstoß, und der war ein richtiger.
Er kam von hinten über die Felder gefegt. Er fuhr unter die Tischdecke. Er hob sie hoch wie ein Segel.
Und die Tischdecke nahm alles mit.
RUMMS!
Der lange Tisch kippte zur Seite. Die Körbe rutschten. Und dann rollte die ganze Ernte von Gemüseland über den Marktplatz.
Äpfel. Birnen. Nüsse. Kürbisse. Kartoffeln, die in die Ritzen zwischen den Steinen hüpften.
Alles rollte. In alle Richtungen.
Greta stand mittendrin und rührte sich nicht.
Ihre Liste flatterte ihr aus der Hand und blieb in einer Pfütze liegen.
Christel kam angerannt.
„Greta! Wir sammeln alles wieder ein!"
„Das geht nicht", sagte Greta ganz leise.
„Doch, wir zwei —"
„Es ist zwei Uhr." Gretas Stimme war ganz dünn. „In zwei Stunden kommen alle. Und dann ist hier … nichts."
Sie setzte sich einfach auf den Boden, mitten zwischen die Äpfel.
„Ich hatte alles aufgeschrieben", sagte sie. „Jeden einzelnen Punkt."
Christel setzte sich neben sie. Der Wind zupfte an ihren weißen Blättern.
Eine Weile sagte keine von beiden etwas.
Dann hob Christel einen Apfel auf, der neben ihrem Fuß lag. Sie drehte ihn im Licht.
„Guck mal", sagte sie.
„Was denn?"
„Der ist schön."
Greta schaute sie an. „Christel. Es liegen zweihundert Äpfel auf dem Platz."
„Ja", sagte Christel langsam. „Genau."
Sie stand auf. Sie schaute über den ganzen Marktplatz.
Überall lag Obst und Gemüse zwischen den Steinen. Und die Sonne kam gerade unter den Wolken hervor und schien auf alles drauf.
Es leuchtete. Rot und gelb und orange, über den ganzen Platz verteilt.
„Greta", sagte Christel. „Was, wenn wir gar nicht aufräumen?"
Greta machte den Mund auf. Dann wieder zu.
„Wir legen es nicht in die Körbe", sagte Christel schnell. „Wir legen es aus. Auf den Boden. Als großes Bild."
„Als … Bild?"
„Guck doch! Die roten Äpfel hier. Die gelben Birnen da. Die Kürbisse in die Mitte. Wenn wir das nach Farben legen, wird das ein riesiger Teppich aus der ganzen Ernte."
Greta schaute auf den Platz.
Sie schaute auf ihre nasse Liste in der Pfütze.
Und dann sagte sie etwas, was Greta Gurke noch nie in ihrem Leben gesagt hatte:
„Die Liste ist mir jetzt egal."
Sie hatten noch eine Stunde und ein bisschen.
Und sie waren nicht allein. Till kam dazu, weil er wissen wollte, warum die beiden auf dem Boden herumkrochen. Dann kam Rudi mit der Schubkarre. Dann Otto. Dann Frida.
Und dann kamen Bella Brokkoli und Emil Erbse angerannt.
„Sollen wir die Liste holen?", fragte Bella. „Sie liegt in der Pfütze."
Greta schaute kurz hin.
„Lass sie liegen", sagte sie.
Bella und Emil sahen sich an. Emil zog die Augenbrauen hoch.
„Dann", sagte er, „muss das hier ja richtig gut werden."
Keiner fragte nach der Liste.
Am Anfang wusste keiner so richtig, wo er anfangen sollte.
„Nach Farben!", rief Christel. „Alles Rote hierhin, alles Gelbe dahin!"
Rudi hielt eine Kartoffel hoch. „Und wohin mit der?"
„Braun ist auch eine Farbe", sagte Greta.
Dann ging es los.
Sie legten die roten Äpfel zu einem großen Kreis in der Mitte. Um den Kreis herum die gelben Birnen. Dann ein Ring aus Nüssen. Dann die Kartoffeln. Die kullerten immer wieder weg, und immer wieder holte sie einer zurück.
Einmal trat Till aus Versehen mitten in den Birnen-Ring.
„TILL!", riefen alle.
„Ich mach's wieder!", rief Till und legte jede Birne einzeln zurück. Er machte es viel zu schnell. Dreimal fiel ihm eine Birne wieder heraus.
Ganz außen, wie eine Sonne mit Strahlen, legten sie die Kürbisse.
Einmal musste jemand über die schmale Lücke zwischen zwei Ringen. Greta ging einfach hinüber, einen Fuß vor den anderen, ohne zu wackeln. Balancieren konnte sie schon immer am besten.
Greta lief zwischendurch immer wieder ein Stück weg und schaute von der Seite. So sah man erst, ob die Ringe rund waren.
„Weiter nach links!", rief sie.
„Zwei Finger?", rief Christel zurück.
„Drei!"
Rudi hielt wieder die Leiter, und Christel hängte die letzten Fähnchen auf. Diesmal sagte ihr niemand, wo sie hin sollten.
Um Punkt vier Uhr waren sie fertig.
Um eine Minute nach vier kamen die Ersten auf den Platz.
Und blieben stehen.
Niemand sagte etwas. Alle schauten nur.
Der ganze Marktplatz war ein riesiges Bild aus der Ernte von Gemüseland. Ringe aus Rot und Gelb und Braun, mit einer Kürbis-Sonne außen herum. Die späte Sonne machte alles warm und golden.
„Wer hat das gemacht?", fragte jemand.
Greta wollte antworten. Aber sie konnte gar nichts sagen.
„Der Wind", sagte Christel. „Und dann wir."
Gegessen haben sie trotzdem. Sie fingen einfach in der Mitte an und aßen sich nach außen weiter.
Am Ende des Abends kam Rudi zu den beiden.
„Ich mache dieses Fest seit sechzig Ernten", sagte er. „So schön war es noch nie."
Greta wurde ganz rot.
„Das war nicht geplant", sagte sie.
„Ich weiß", sagte Rudi und lachte laut. „Deshalb."
Seitdem gibt es in Gemüseland jedes Jahr den Erntedank-Teppich. Alles wird auf dem Platz ausgelegt, nach Farben, mit der Kürbis-Sonne außen herum.
Greta schreibt immer noch Listen. Sehr lange Listen.
Aber ganz unten steht seit diesem Jahr immer derselbe letzte Punkt:
Und wenn alles schiefgeht: umgucken.
Ende
🤖 Diese Geschichte wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz geschrieben und von einem Menschen geprüft. Mehr dazu