Der Tag der Kinder
Vorlese-Fassung · 3–8 Jahre„Heute", sagte Rudi Rotkohl ganz langsam und ganz wichtig, „bestimmen die Kinder."
Auf dem Marktplatz wurde es so laut, dass die Tauben vom Dach flogen.
„ALLES?", rief Till Tomate.
„Fast alles", sagte Rudi. „Zwei Regeln bleiben. Feuer macht nur ein Großer. Und keiner geht allein zum Bach."
„Und wie lange?", fragte Greta Gurke.
Rudi zeigte zum Himmel. „Bis die Sonne hinter dem Dach vom Rathaus ist."
Till schaute hoch. Die Sonne stand hoch und rund über allem. Ein ganzer Tag. Ein ganzer, langer Tag, an dem sie bestimmen durften.
„Das schaffen wir locker", sagte er.
Greta holte ihren Zettel und einen Stift.
„Ich schreibe auf, was wir machen", sagte sie. „Sagt einfach alles."
Und alle sagten alles.
„Ein Baumhaus!", rief Arvid Artischocke.
„Ein Wettrennen!", rief Till.
„Kuchen backen!", rief Frida Fenchel.
„Ein Zelt!"
„Eine Schatzsuche!"
„Und Musik!"
Gretas Stift flog über das Papier. Der Zettel wurde voll. Sie klebte einen zweiten daran. Dann einen dritten. Am Ende hing die Liste über den Tischrand bis auf den Boden.
Emil Erbse las von oben nach unten mit. Seine Augenbrauen wanderten immer weiter nach oben.
„Das sind einundzwanzig Sachen", sagte er. „So viele, dass man sie kaum zählen kann."
„Genau!", rief Till. „Los geht's!"
Es ging wirklich los.
Arvid trug Bretter unter den großen Baum. Till schlug einen Nagel in ein Brett. Dann dachte er an das Rennen. Und schon war er weg.
Greta und Frida rührten Teig an. Benno Bohne suchte eine Schatzkarte, die es noch gar nicht gab. Arvid schleifte eine Decke für das Zelt über den Platz.
Überall wurde etwas angefangen.
Nirgendwo wurde etwas fertig.
Die Bretter lagen kreuz und quer. Der Teig stand in der Sonne. Das Zelt war eine Decke über zwei Stöcken, die sofort wieder umfielen.
Frida wollte am Bach Steine holen. „Nicht allein!", riefen Bella Brokkoli und Greta gleichzeitig. Also gingen sie zu zweit — und kamen mit nassen Füßen und ohne Steine zurück, weil sie unterwegs vergessen hatten, warum sie losgegangen waren.
Und dann kam der Streit.
„Das Rennen ist jetzt dran!", rief Till.
„Nein, erst das Baumhaus!", rief Arvid und zog an einem Brett.
Till zog zurück. Das Brett rutschte. Arvid wackelte rückwärts, machte drei schnelle Schritte — und setzte sich mitten in die Schüssel mit dem Teig.
PLATSCH.
Einen Moment war es ganz still.
Dann wischte sich Arvid den Teig vom Po und sagte: „Der Kuchen ist auch aus."
Keiner lachte.
Till ging zu Arvid, gab ihm die Hand und zog ihn hoch.
„Tut mir leid mit dem Brett", sagte er.
„Passt schon", sagte Arvid. „Aber meine Hose nicht."
Dann setzte sich Till auf einen Baumstamm und schaute auf den Marktplatz.
Überall lag etwas herum. Nichts war fertig. Und die Sonne hing schon tief und golden über den Dächern.
„Der beste Tag des Jahres", sagte Till leise, „und wir haben nur Krach gemacht."
Bella setzte sich neben ihn. Sie sagte lange nichts. Dann fragte sie:
„Till — was davon willst du heute Abend deiner Mama erzählen?"
Till schaute sie an. „Wie meinst du das?"
„Na, von einundzwanzig Sachen", sagte Bella. „Welche willst du erzählen?"
Till machte den Mund auf. Und wieder zu.
Er dachte nach.
„Das Baumhaus", sagte er dann. „Und Stockbrot am Feuer. Und dass wir zusammen was gesungen haben."
„Drei Sachen", sagte Bella.
„Drei Sachen", sagte Till.
Und plötzlich stand er auf.
„LEUTE!", rief er, so laut er konnte. „Alle herkommen! Greta, bring die Liste!"
Sie kamen. Sogar Arvid, mit Teig an der Hose.
Greta legte die lange Liste auf den Boden. Till kniete sich hin und hielt die Hand auf. Greta gab ihm den Stift — aber sie ließ ihn nicht gleich los.
„Meine Liste", sagte sie.
„Ich weiß", sagte Till. „Wir schaffen nicht einundzwanzig. Wir schaffen drei. Aber die richtig."
Greta schaute auf ihre schöne lange Liste. Sie schluckte. Dann kniete sie sich neben Till.
„Dann streiche ich selber durch", sagte sie.
Und sie strich durch. Schatzsuche — weg. Zelt — weg. Musik — weg. Und Till strich sein eigenes Wettrennen durch, als Erstes, und das sahen alle.
Drei Sachen blieben übrig.
„Und wie machen wir das jetzt?", fragte Frida.
Da hockte sich Benno hin und zeichnete auf die Rückseite der Liste einen Plan. Große Kästchen. Dicke Striche. Zu jeder Aufgabe ein Bild. So konnte jeder ihn lesen, auch die Kleinen.
„Erst alle das Brett", sagte Benno. „Dann alle das Feuer. Dann alle singen."
Er schaute auf seine Armbanduhr. „Ihr habt noch eine Stunde. Und ein bisschen."
„Dann los", sagte Till.
Und jetzt ging alles anders.
Sie arbeiteten nicht mehr überall. Sie arbeiteten alle am selben Ding.
Acht Hände hielten das Brett. Arvid kletterte hoch und zog das Seil über den dicken Ast. Klettern konnte er am besten.
Dann kam der Schreck. Das Seil war zu kurz. Es reichte nur bis knapp über den Boden.
„Aus", sagte Arvid. „Das war's."
„Nein", sagte Greta. Und sie rannte los und holte die Wäscheleine ihrer Oma.
Frida machte die Knoten fest. Bella zog an jedem Knoten noch einmal. Hielt er? Beim zweiten rutschte es. Sie machten ihn noch einmal neu.
Die Sonne war schon fast am Dach.
Till hämmerte den letzten Nagel. RUMS. RUMS. RUMS.
Und als die Sonne das Dach berührte, hing unter dem großen Baum ein breites Schaukelbrett an zwei dicken Seilen.
Es hielt sogar Arvid. Beim ersten Mal.
Otto Oregano machte das Feuer an. Feuer macht nur ein Großer. Das war die Regel.
Freddy Fenchel saß daneben und drehte die Stöcke. Das Holz knisterte. Der Teig am Stock wurde außen braun und innen weich, und alle hatten klebrige Finger.
Hanna Hirse klatschte den Takt. Und sie sangen das Lied vom krummen Kürbis. Dreimal. Immer lauter.
Rudi kam vorbei und schaute sich alles an. „Und? Wie war der Tag, an dem die Kinder bestimmt haben?"
Till überlegte. „Schwer", sagte er ehrlich. „Bestimmen heißt nämlich auch, dass man Sachen durchstreichen muss."
Greta nickte. „Und dass die Liste kürzer wird, obwohl man sie so schön geschrieben hat."
Rudi lachte leise. „Das habe ich auch erst gelernt, als ich schon ganz alt war."
Seitdem gibt es in Gemüseland jedes Jahr einen Tag, an dem die Kinder bestimmen. Und es gibt eine Regel dazu, die Till und Greta zusammen erfunden haben.
Ganz unten auf Gretas langer Liste steht sie bis heute:
Drei Sachen. Mehr passt nicht in einen Tag.
Und darunter hat Arvid noch etwas dazugeschrieben, mit einem klebrigen Finger:
Und einer passt auf den Teig auf.
Ende
🤖 Diese Geschichte wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz geschrieben und von einem Menschen geprüft. Mehr dazu