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Der zweitgrößte Kürbis

Vorlese-Fassung · 3–8 Jahre
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Rudi Rotkohl hatte einen Plan, und er erzählte ihn jedem.

„Dieses Jahr", sagte er, „wiege ich den größten Kürbis vom ganzen Gemüseland."

Am Wiegetag im Herbst brachte jeder her, was bei ihm gewachsen war. Christel Chicoree hängte die große Waage in den Kastanienbaum. Emil Erbse schrieb alles auf. Am Ende wusste man, wer den schwersten Kürbis hatte.

Sechzig Mal hatte Rudi den Wiegetag schon mitgemacht.

Gewonnen hatte er nie. Nicht ein einziges Mal.

Im Frühling steckte er einen Kern in die Erde. Er goss ihn. Er klopfte die Erde sanft fest.

„So", sagte er. „Und jetzt wächst du."

Am nächsten Morgen war Rudi schon vor dem Frühstück am Beet.

Da war nichts. Nur braune Erde.

Am Tag darauf auch nichts.

Rudi ging jeden Morgen hin. Manchmal auch mittags. Und einmal in der Nacht, mit einer Laterne. Er blieb, bis die Laterne fast leer war.

Nach vielen Tagen schob sich ein winziges grünes Blatt aus der Erde.

„DA BIST DU!", brüllte Rudi so laut, dass zwei Tauben vom Dach flogen.

Aber dann ging alles wieder viel zu langsam.

Jeden Tag ein bisschen. Immer nur ein bisschen.

Rudi stellte sich neben das Beet und rechnete. Bis zum Wiegetag waren es noch vier Monate. Und die Pflanze war so hoch wie sein Daumen.

„Das wird nie was", brummte er.

Dann fasste er das Pflänzchen ganz vorsichtig an und zog ein kleines bisschen nach oben.

Die Pflanze wurde davon nicht größer. Sie wackelte nur.

Am nächsten Tag grub er ein bisschen in der Erde, um nach den Wurzeln zu gucken.

Bella Brokkoli und Emil Erbse kamen vorbei und blieben stehen.

„Rudi", sagte Bella. „Lass das."

„Ich helfe doch nur!", sagte Rudi.

Am Morgen darauf hingen die Blätter herunter.

Rudi stand davor und sagte kein Wort. Dann rannte er los und holte Otto Oregano.

Otto kniete sich hin. Er schaute die Blätter an. Er machte mit einem Finger die Erde auf und schaute die Wurzeln an.

„Du hast dran gezogen", sagte er.

„Ein bisschen", sagte Rudi.

„Und gegraben."

„Auch ein bisschen."

Otto drückte die Erde wieder fest und goss langsam Wasser darüber.

„Sie wächst weiter", sagte er. „Aber sie hat jetzt zwei Wochen verloren. Die kriegst du nicht zurück."

Rudi sagte nichts dazu.

„Und wie soll ich das jetzt aushalten?", fragte Rudi. „Vier Monate gucken und nichts machen?"

Otto stand auf und klopfte sich die Erde von den Knien.

„Geh weg vom Beet", sagte er. „Und nimm deine Hände mit."

Also machte Rudi etwas anderes.

Am ersten Tag half er Hanna Hirse beim Ernten, weil ihm sonst nichts einfiel. Sie standen den ganzen Vormittag im Feld, und Rudi redete ungefähr hundertmal von seinem Kürbis.

Am dritten Tag redete er nur noch fünfmal davon.

Am zehnten Tag strich er Emils Zaun, und Emil merkte erst am Abend, dass Rudi den ganzen Nachmittag kein einziges Mal „mein Kürbis" gesagt hatte.

Rudi schob Karren. Rudi trug Gießkannen. Rudi stapelte Körbe.

Und wenn seine Hand wieder zum Beet wollte, ging er einfach woanders hin.

Das Beet goss er jeden Morgen. Kurz. Dann drehte er sich um und ging.

Noch zwei Monate bis zum Wiegetag.

Einmal, mitten im Sommer, stand Rudi nachts doch wieder vor dem Beet.

Die Laterne in der einen Hand. Die andere Hand schon ausgestreckt.

Der kleine Kürbis war jetzt so groß wie eine Faust. Rudi schaute ihn lange an.

Dann steckte er die Hand in die Tasche und ging ins Bett.

Der Kürbis wurde erst so groß wie ein Apfel.

Dann so groß wie Rudis Kopf.

Dann so groß, dass Rudi ihn nicht mehr allein anheben konnte.

Er zog kein einziges Mal mehr daran. Nicht ein einziges Mal.

Der Wiegetag kam an einem hellen, kalten Morgen.

Auf dem Marktplatz war es voll und laut. Die große Waage hing im Kastanienbaum und quietschte bei jedem Kürbis. Emil saß daneben mit seinem Zettel und rief jedes Gewicht über den Platz.

Rudi schob seine Schubkarre heran, und alle drehten sich um. Sein Kürbis war riesig. Rund und leuchtend orange.

Emil hängte ihn ein. Die Waage ging tief nach unten.

Emil schrieb es auf. Dann wog er noch einmal nach, so wie immer.

„Der Größte bis jetzt!", rief er über den Platz.

Rudi machte sich ganz gerade. Jemand klatschte.

Dann kam Kalle Kürbis den Platz herauf und schob etwas, das er mit einer Decke zugedeckt hatte.

Es dauerte lange, bis vier Leute Kalles Kürbis in die Waage gehoben hatten.

Die Waage quietschte laut. Dann ging sie nach unten und blieb da.

Es wurde still auf dem Marktplatz.

Emil schaute auf seinen Zettel. Dann schaute er hoch zu Rudi.

„Kalle", sagte er leise.

„Was denn?", sagte Kalle. „Ich hab gar nichts gemacht. Der stand bei mir hinter dem Haus."

Alle lachten. Rudi lachte auch. Aber nur mit dem Mund.

Er hob seinen Kürbis wieder auf die Schubkarre.

„Ich muss noch Holz holen", sagte er und schob sie vom Platz.

Er hatte gar kein Holz zu holen.

Zu Hause stellte er den Kürbis neben die Stufe vor seiner Tür und setzte sich daneben.

Die Sonne wanderte von der einen Seite der Stufe auf die andere.

Dann kam Hanna Hirse den Weg entlang. Sie stellte einen Korb Hirse auf die Stufe.

„Für die Suppe", sagte sie.

Rudi schaute sie an. „Welche Suppe?"

Aber Hanna war schon wieder unterwegs.

Eine Weile später kam Emil und stellte einen Topf Sahne dazu. Dann Bella mit ein paar Kräutern. Dann Christel mit einem Sack Zwiebeln.

Keiner sagte, warum.

Rudi fragte auch nicht.

Fast als Letzter kam Otto. Er brachte nichts mit, sondern setzte sich einfach auf die andere Seite der Stufe.

„Zwei Wochen", sagte Rudi nach einer Weile.

„Ja", sagte Otto.

Mehr redeten die beiden nicht darüber.

Als Letzter kam Kalle. Er hatte auch nichts dabei.

„Meiner passt in keinen Topf", sagte er. „Viel zu groß."

Er setzte sich zwischen die beiden.

Als es dunkel wurde, war auf der Stufe kein Platz mehr.

Rudi holte den großen Topf aus dem Schuppen.

Der zweitgrößte Kürbis vom ganzen Gemüseland passte genau hinein.

Ende

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🤖 Diese Geschichte wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz geschrieben und von einem Menschen geprüft. Mehr dazu