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Das Geschenk, das keiner wollte

Vorlese-Fassung · 3–8 Jahre

In dem Hut lagen siebzehn Zettel.

Auf jedem Zettel stand ein Name. Jeder zog einen. Und für den, den man zog, machte man ein Geschenk. Das heißt Wichteln.

„Und keiner sagt, wen er hat!", rief Bella Brokkoli. „Sonst ist es kaputt."

Stefanie Spargel griff in den Hut, ohne hinzuschauen.

Sie faltete den Zettel auf.

Und dann wurde sie ganz starr.

Auf dem Zettel stand: Willi Wirsing.

Stefanie ist sieben und tanzt. Sie ist dünn wie ein Spargel, weil sie einer ist.

Willi Wirsing ist der Bademeister. Willi ist so breit wie zwei Türen. Wenn Willi „ALLE MAL HERHÖREN!" ruft, hört man das bis zum Maisfeld.

Stefanie hatte in ihrem ganzen Leben ungefähr vier Sätze mit ihm geredet, und drei davon waren „Danke".

„Was schenkt man einem Riesen?", sagte sie zu sich selbst.

Sie fragte herum. Vorsichtig, ohne den Namen zu sagen.

„Was schenkt man jemandem, der schon alles hat?"

„Was schenkt man jemandem, der viel größer ist als man selbst?"

„Was schenkt man jemandem, den man gar nicht kennt?"

Emil Erbse hörte eine Weile zu und sagte dann: „Du hast Willi, oder?"

„NEIN!"

„Doch", sagte Emil.

„Emil!", sagte Bella.

„Ist ja gut", sagte Emil. „Ich hab nichts gesagt. Ich hab nur gedacht, und dann ist es rausgerutscht."

Stefanie versuchte es dreimal.

Beim ersten Mal wollte sie ihm etwas Großes schenken, weil er groß ist. Sie fing an, einen Schal zu stricken. Nach zwei Abenden war er so lang wie eine Hand und ganz krumm, und dreimal war ihr die Wolle von der Nadel gerutscht.

Beim zweiten Mal wollte sie ihm etwas schenken, das er brauchen kann. Sie schnitzte eine Pfeife aus Holz. Otto Oregano saß dabei am Tisch, so wie immer, wenn ein Messer im Spiel ist. Und sie schnitzte vom Körper weg, so wie man das macht.

Die Pfeife wurde schön.

Und dann machte die Pfeife kein Geräusch. Man konnte hineinpusten, so fest man wollte. Es kam nichts.

„Willi hat sowieso eine", sagte Otto. „So eine richtige. Die pfeift."

Beim dritten Mal wollte sie ihm etwas Schönes schenken. Sie malte ein Bild vom Teich im Sommer.

Sie schaute es lange an.

Dann legte sie es weg.

„Der ist jeden Tag am Teich", sagte sie. „Der braucht kein Bild vom Teich."

Am Abend vor dem Fest saß Stefanie auf ihrem Bett und hatte nichts.

Zwei Tage lang hatte sie gebastelt. Übrig waren: ein Schal, so lang wie eine Hand. Eine Pfeife, die nicht pfeift. Und ein Bild, das nicht passt.

Das war alles, was sie hatte, und morgen war das Fest.

Draußen fing es wieder an zu schneien.

Neben ihr auf dem Bett lagen die Sachen, die immer neben ihr liegen: der halbe grün-blaue Schal, den Kalle ihr im November gegeben hat. Ihre Tanzschuhe.

Und der Vogel.

Der Vogel ist aus Holz und ungefähr so groß wie ein Daumen.

Ihr Opa hat ihn geschnitzt, und er passt genau in eine Hand, wenn man die Hand zumacht.

Stefanie nimmt ihn immer mit, wenn sie tanzen muss und Angst hat. Sie hält ihn ganz fest, kurz bevor sie rausgeht. Dann macht sie die Hand auf, legt ihn hin und tanzt.

Ohne ihn geht es nicht so gut.

Sie schaute ihn lange an.

„Nein", sagte sie laut. „Den nicht."

Dann saß sie noch eine Weile da.

Sie nahm ihn in die Hand und machte die Hand zu, so wie immer.

Sie dachte an den Frühling und an das Tanzen und daran, wie das ist, wenn man rausgeht und die Hand leer ist.

Dann packte sie ihn ein. Ganz schnell, damit sie es sich nicht noch mal überlegt.

Am nächsten Abend wurden in der Backstube die Geschenke ausgepackt.

Alle packten aus, alle riefen durcheinander, Arvid bekam ein Springseil und war sofort damit im Weg.

Willi Wirsing wickelte ein winziges Päckchen aus. Es lag fast nicht in seiner Hand.

Er machte das Papier auf.

Ein Holzvogel, so groß wie ein Daumen.

Alle guckten.

Arvid hörte sogar mit dem Springseil auf.

Und Stefanie hätte am liebsten unter dem Tisch gesessen, weil es so klein aussah in dieser riesigen Hand.

„Das ist alles", sagte sie schnell. „Tut mir leid. Ich hab was Großes versucht und was Nützliches und was Schönes, und nichts davon ist was geworden."

Willi sagte erst mal gar nichts.

Er drehte den Vogel um. Er schaute sich den Schnabel an und die Flügel und den kleinen Fuß.

„Wer hat den gemacht?", fragte er.

„Mein Opa."

„Und wem gehört der?"

Stefanie schluckte. „Mir."

Willi hob den Kopf. „Und wofür brauchst du ihn?"

Da wurde es leise am Tisch, weil alle merkten, dass gerade etwas passiert.

„Zum Mutmachen", sagte Stefanie. „Vor dem Tanzen. Ich halte ihn fest, dann geht es."

Willi machte seine große rote Jacke auf.

Er steckte den Vogel in die Tasche oben an der Jacke, gleich über der Stelle, wo man das Herz hört. Der Vogel passte genau hinein. Es sah aus, als wäre die Tasche dafür gemacht.

„Weißt du, wann ich Angst habe?", sagte Willi.

Keiner hätte gedacht, dass Willi Wirsing überhaupt Angst hat.

„Jeden Morgen", sagte er. „Wenn ich aufs Eis gehe und gucke, ob es hält. Christel hält hinten das Seil, das ist die Regel. Aber vorne bin ich trotzdem allein, und unter mir ist Wasser."

Er klopfte auf die Tasche.

„Ab jetzt nicht mehr."

Stefanie machte den Mund auf und wieder zu.

„Aber der ist so klein", sagte sie.

„Er ist genau richtig", sagte Willi. „Ein Riese kriegt keine großen Geschenke. Ein Riese kriegt was, das in die Tasche passt. Und was drin ist, sieht keiner."

Dann klopfte er auf die Tasche.

„Und er wohnt hier nur", sagte er. „Wenn du tanzt, holst du ihn dir vorher. Dann gehört er wieder dir."

Stefanie machte ganz große Augen.

„Geht das denn?"

„Bei mir schon", sagte Willi.

„Und was ist mit dir?", fragte Bella leise. „Du brauchst ihn doch."

Stefanie schaute auf ihre Hände.

„Ich hab das schon mal gesehen", sagte sie. „Im November. Kalle hat mir seinen halben Schal gegeben, obwohl er ihn selber brauchte." Sie schaute Willi an. „Du hast ihn durchgeschnitten. Weißt du noch?"

Willi nickte langsam.

Sie zuckte mit den Schultern.

„Dann kann ich das jetzt auch."

Am Ende des Abends fand Emil, dass das nicht zusammenpasst.

„Sie hat jetzt keinen Vogel mehr", sagte er. „Und sie tanzt im Frühling."

„Ja", sagte Bella.

„Und?"

„Und im Frühling", sagte Bella, „steht Willi in der ersten Reihe. Guck ihn dir an. Der steht da."

Emil schaute Willi an.

Willi hatte die ganze Zeit die Hand auf der Tasche.

„Stimmt", sagte Emil und schrieb nichts auf. „Und ich sag ab jetzt keine Namen mehr aus. Ehrenwort."

Er hat sich daran gehalten.

Seitdem ist Wichteln in Gemüseland so:

Namen ziehen. Nichts verraten. Und das Geschenk muss nicht groß sein.

Das beste ist sowieso das, von dem man sich ein bisschen trennen muss.

Ende

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🤖 Diese Geschichte wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz geschrieben und von einem Menschen geprüft. Mehr dazu