Das Lebkuchenhaus
Vorlese-Fassung · 3–8 JahreKRACH!
Die Wand vom Lebkuchenhaus fiel um. Sie fiel genau auf das Dach. Und das Dach fiel vom Tisch.
Jakob Jalapeño stand davor und sah auf die Krümel.
„Das war schon das zweite Mal", sagte Matti Mais.
„Ich weiß", sagte Jakob.
Seine grünen Schultern wurden rot. Bald war kein bisschen Grün mehr übrig.
Es fing am Morgen an.
Rosa hatte gesagt: „Heute Abend ist der Lichterabend auf dem Marktplatz. Und in mein Fenster kommt dieses Jahr ein Lebkuchenhaus. Wer baut es?"
„Ich!", rief Jakob. Jakob kocht für sein Leben gern. Er trägt immer einen Holzlöffel in der Schürze.
„Ich auch!", rief Matti. Matti bastelt für sein Leben gern. Er baut alles, was man bauen kann.
Rosa gab ihnen fünf große Platten aus Lebkuchen. Dazu eine Schüssel mit weißem Zuckerguss. Der ist der Kleber.
„Um fünf Uhr gehen die Lichter an", sagte Rosa. „Dann muss das Haus im Fenster stehen."
Jetzt war es zwei Uhr.
Und das Haus lag auf dem Boden.
Der erste Versuch war schnell gegangen. Zu schnell.
Jakob hatte die vier Wände hingestellt und Zuckerguss an die Ecken geschmiert. Dann hatte er losgelassen.
Die Wände blieben stehen. Eine Sekunde lang.
Dann kippten sie nach außen, wie eine Blume, die aufgeht. KLACK, KLACK, KLACK, KLACK.
„Mehr Zuckerguss!", rief Jakob.
Beim zweiten Versuch nahmen sie doppelt so viel. Der Zuckerguss lief an den Wänden herunter wie Schnee, der schmilzt. Die Wände blieben stehen. Jakob legte das Dach drauf.
Das Dach rutschte.
Erst langsam. Dann schneller. Dann – KRACH!
„Du hast zu früh losgelassen", sagte Jakob.
„ICH?", rief Matti. „Du hast doch das Dach draufgelegt!"
„Weil du gesagt hast, es hält!"
„Ich hab gesagt, VIELLEICHT hält es!"
Matti drehte sich um. Dann ging er zur Tür.
„Bau es doch allein", sagte er. Und weg war er.
Die Tür ging zu. Es war ganz still in der Backstube. Nur der Ofen brummte.
Jakob sah auf die Tür. Dann sah er auf die Krümel.
Jetzt war Jakob von oben bis unten knallrot. Rosa stellte schnell ein Glas Wasser hin.
Jakob atmete dreimal tief. Und dann zählte er leise: „Möhrensuppe. Kürbisbrot. Apfelkuchen von Oma."
Da kam das Grün an seinen Schultern zurück. Die Wut war kleiner. Aber Matti war immer noch weg.
In diesem Moment kamen Bella Brokkoli und Emil Erbse herein.
„Ihr kommt genau richtig", sagte Rosa. „Ich brauche die Gemüsepolizei."
Emil zog sofort seinen Block aus der Tasche.
„Hier wird etwas gebaut, das nicht stehen will", sagte Rosa. „Ich will wissen, warum. Zählt alle Teile. Und dann passt auf: Keiner fasst etwas an, bis der Zuckerguss trocken ist. Auch nicht Jakob."
„Auch nicht ich?", fragte Jakob.
„Gerade nicht du", sagte Rosa.
Bella ging aber erst einmal zur Tür. „Ich hole Matti", sagte sie. „Ein Haus bauen ist was für zwei."
Emil zählte.
Er legte jedes Stück Lebkuchen auf den Tisch. Er zählte die ganzen und er zählte die halben. Dann zählte er noch einmal. Emil zählt immer zweimal.
„Eine Wand vorne", sagte er. „Eine Wand hinten. Zwei Wände an der Seite. Und ein Dach."
„Genau", sagte Jakob. „Das ist ein Haus."
„Ein Dach", sagte Emil. „Ein Stück."
„Ja, und?"
Da ging die Tür auf. Bella kam herein, und hinter ihr Matti. Er sah noch ein bisschen böse aus. Aber er war da.
Jakob holte Luft. „Tut mir leid", sagte er. „Ich hab gesagt, du bist schuld. Das stimmt nicht."
Matti nickte. „Aber diesmal machen wir es langsam", sagte er. Er setzte sich hin und sah auf Emils Zettel.
„Ein Dach-Stück?", fragte Matti. „Ein Dach braucht doch zwei Seiten. Wie ein Zelt. Eine nach links, eine nach rechts."
Jakob sah auf das eine große Stück. Es war ganz flach.
„Ein flaches Dach rutscht immer runter", sagte Matti. „Da ist ja nichts, woran es sich festhalten kann."
Jetzt war es drei Uhr.
Rosa schnitt das große Stück in der Mitte durch. Zwei Hälften. Zwei Dach-Seiten.
„Und jetzt?", fragte Jakob. Er wollte sofort loslegen.
„Erst gucken", sagte Matti. „Dann kleben."
Sie guckten. Matti hatte eine Idee. Sie stellten die Wände nicht hin. Sie legten sie flach auf den Tisch, wie ein großes Kreuz. Dann kam der Zuckerguss in einem dünnen Streifen an jeden Rand.
„Und jetzt", sagte Matti, „muss es trocknen. Eine Stunde."
„EINE STUNDE?", rief Jakob.
Bella stellte sich vor den Tisch. Emil stellte sich daneben.
„Dienst", sagte Bella. „Keiner fasst an."
Es war die längste Stunde des Jahres.
Arvid kam herein und wollte nur einmal mit dem Finger tippen. „Dienst", sagte Emil.
Lara krabbelte unter den Tisch und streckte die Hand nach oben. Bella hob sie sanft hoch und setzte sie auf ihren Schoß. „Dienst", sagte sie.
Jakob ging im Kreis. Einmal um den Tisch. Zweimal. Zehnmal.
„Wie lange noch?", fragte er.
Emil sah auf Rosas Küchenuhr. „Achtunddreißig Minuten."
„Und jetzt?"
„Siebenunddreißig."
Um vier Uhr sagte Emil: „Jetzt."
Ganz langsam stellten sie die Wände auf. Matti hielt links, Jakob hielt rechts. Die trockenen Ränder passten genau aneinander. Sie standen.
Dann die zwei Dach-Seiten. Sie lehnten sich oben aneinander, wie zwei Freunde, die sich festhalten.
Jakob ließ los.
Alle hielten die Luft an.
Das Haus stand.
Um zehn vor fünf trug Rosa es ins Fenster. Um fünf gingen draußen die Lichter an. Und im Fenster der Backstube stand ein kleines braunes Haus mit weißem Schnee auf dem Dach. Der Schornstein war ein bisschen schief.
„Den hab ich gemacht", sagte Jakob.
„Den hab ich gerade gerückt", sagte Matti.
„Er ist trotzdem schief", sagte Emil.
Das Lebkuchenhaus stand bis Weihnachten im Fenster.
Es war so fest geklebt, dass man es danach nicht mehr auseinanderbekam. Nicht mit den Händen. Nicht mit dem Löffel. Nicht einmal Otto mit seinem großen Messer.
„Gut gebaut", sagte Matti.
„Zu gut gebaut", sagte Rudi und biss sich beinahe einen Zahn daran aus.
🤖 Diese Geschichte wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz geschrieben und von einem Menschen geprüft. Mehr dazu