← Alle Vorlese-Mappen Zur Geschichte

Die Gemüsepolizei · Folge 31

Der Drachen, der nicht steigen wollte

Fridas Drachen fällt immer wieder herunter. Eine Herbstgeschichte über Geduld und Hilfe holen.

  • 👧 Zum Vorlesen · 3–8 Jahre
  • ⏱️ ca. 9 Minuten
  • 💬 4 Gesprächsfragen
Zum Anhören und Mitlesen:
gemuesepolizei.de/geschichten/31_der-drachen-der-nicht-steigen-wollte.html

Freddy Fenchel machte seinen großen Rucksack auf. Darin lagen drei Sachen — und eine davon war so groß wie ein Tischtuch.

Er holte sie einzeln heraus und legte sie auf den Tisch.

Ein paar Kräuter für Otto Oregano.

Eine Rolle dünne Schnur.

Und ein großes Stück Papier.

Frida schaute mit großen Augen. „Was ist das?"

„Das", sagte ihr Papa, „ist noch gar nichts. Das kann alles werden."

Frida wusste sofort, was. Draußen bog der Wind die Bäume, und die Blätter flogen über den Hof.

„Ein Drachen", sagte sie.

Sie bauten ihn am Küchentisch.

Frida holte zwei dünne Stäbe aus dem Schuppen. Freddy legte sie übereinander. Das war ein Kreuz. Dann klebten sie das Papier darauf, ganz vorsichtig, damit es nicht riss.

Ganz zum Schluss schnitt Freddy einen Streifen Papier ab und klebte ihn hinten an.

„Und das?", fragte Frida.

„Der Schwanz", sagte Freddy. „So macht man das."

Er war so lang wie Fridas Hand.

Und dann malte Frida.

Sie malte einen großen grünen Kreis in die Mitte. Rundherum malte sie Sonnenstrahlen. Und in jeden Strahl malte sie einen kleinen Punkt.

„Der ist wunderschön", sagte Freddy.

„Der schönste, den es gibt", sagte Frida.

Am Nachmittag gingen sie hinaus auf die große Wiese hinter dem Feld. Bella Brokkoli und Emil Erbse waren schon da. Emil hielt einen Finger in die Luft und drehte ihn langsam.

„Wind von da", sagte er. „Guter Wind. Nicht zu viel."

Bella nahm den Drachen und hielt ihn hoch über den Kopf. „Ich lasse los, wenn du rufst!"

Frida packte die Schnur. „LOS!"

Der Drachen stieg. Ungefähr so hoch, wie Frida groß ist.

Dann drehte er sich einmal um sich selbst, kippte zur Seite und klatschte ins Gras.

„Zu langsam gelaufen", sagte Frida. „Noch mal!"

Sie liefen schneller. Frida rannte, bis sie ganz außer Atem war. Das Papier knatterte hinter ihr. Der Drachen stieg, wackelte, drehte sich — und klatschte wieder ins Gras.

„Noch mal!", rief Frida. Ihre Stimme wurde ein bisschen dünn.

Freddy lief diesmal mit. Er hielt den Drachen an, so lange er konnte, und ließ ihn erst los, als er zog.

Und da hörten sie von der anderen Seite der Wiese jemanden jubeln.

Frida wollte nicht hinschauen.

Beim dritten Versuch riss das Papier an einer Ecke ein.

Frida blieb stehen. Sie sagte nichts. Sie schaute nur auf den schönen Drachen mit dem kleinen Riss.

„Wir kleben das", sagte Freddy schnell.

„Er fliegt doch trotzdem nicht", sagte Frida.

Und dann setzte sie sich einfach ins Gras.

Bella setzte sich neben sie. Emil hockte sich auf die andere Seite.

„Frida", sagte Bella. „Sollen wir rausfinden, warum er nicht fliegt?"

Frida nickte. Ganz klein. „Ja. Das ist ein Fall."

Emil holte seinen Zettel heraus. Er hielt noch einmal den Finger in die Luft.

„Am Wind liegt es nicht", sagte er und schrieb es auf.

Bella schaute auf den Drachen im Gras. Dann machte sie die Augen zu und dachte an die drei Versuche.

„Er dreht sich", sagte sie langsam. „Jedes Mal. Erst dreht er sich. Dann fällt er."

Emil schrieb: Dreht sich.

„Und warum dreht er sich?", fragte Frida.

Das wusste keiner.

Auf der anderen Seite der Wiese jubelte es wieder. Das war Arvid Artischocke.

Über Arvid hing ein Drachen. Hoch oben. Ganz still stand er da im Himmel, als ob ihn oben jemand festhielt.

Und dieser Drachen war das hässlichste Ding, das Frida je gesehen hatte. Er war aus einer alten braunen Tüte. Er war schief. Auf einer Seite klebte Klebeband.

Frida guckte auf ihren wunderschönen Drachen im Gras. Dann auf die braune Tüte im Himmel.

„Das ist gemein", sagte sie.

Freddy stand lange da und schaute hoch.

Dann tat er etwas, das Frida noch nie bei ihm gesehen hatte.

Er ging zu Arvid hinüber, hockte sich neben ihn und fragte:

„Arvid — wie hast du das gemacht?"

Arvid schaute ihn überrascht an. „Du fragst MICH?"

„Ich frage dich", sagte Freddy. „Ich weiß es nämlich nicht."

Frida machte den Mund auf. Ihr Papa war groß. Ihr Papa war überall gewesen. Und ihr Papa sagte einfach: Ich weiß es nicht.

Arvid grinste über das ganze Gesicht und zeigte nach oben.

„Der Schwanz", sagte er.

Alle schauten hoch.

Unter Arvids brauner Tüte hing eine lange Schnur. Daran waren kleine Stücke Stoff festgeknotet, eins nach dem anderen, bis ganz nach unten. Sie hingen im Wind und zappelten leise.

Emil kam sofort mit seinem Messstab angelaufen. Er maß Fridas Drachen. Dann schaute er nach oben und rechnete.

„Deiner hat einen Schwanz, so lang wie deine Hand", sagte er. „Seiner ist so lang wie drei Emils hintereinander."

„Und wozu?", fragte Frida.

„Der Schwanz zieht hinten", sagte Arvid. „Dann kann der Drachen sich nicht mehr drehen. Der hält ihn ruhig."

„Drehen", sagte Bella. Sie schaute Emil an.

Emil schrieb unter Dreht sich: Schwanz zu kurz. Gelöst von Freddy und Arvid.

Frida schaute ihren Drachen an.

„Wenn etwas wackelt, braucht es hinten Gewicht", sagte sie.

Sie fingen an zu knoten.

Arvid holte sein Klebeband aus der Hosentasche und klebte den Riss zu. Von vorne und von hinten.

„Muss nicht schön sein", sagte er. „Muss halten."

Frida gab ihre beiden Haarbänder her. Bella hatte einen alten Schal dabei und riss ihn in Streifen. Freddy band die Streifen an die Schnur. Einen nach dem anderen. Er machte Knoten, die er auf seinen Reisen gelernt hatte.

Der Schwanz wurde lang. Dann noch länger.

„Ist das nicht zu viel?", fragte Frida.

„Weiß ich nicht", sagte Freddy. „Probieren wir es aus."

Bella hielt den Drachen hoch. Emil hielt den Finger in den Wind.

„Jetzt", sagte Emil.

„LOS!", rief Frida.

Der Drachen stieg.

Er kippte kurz zur Seite. Da zog der lange Schwanz ihn zurück. Ganz sanft, wie eine Hand.

Dann stieg er weiter.

Höher als die Bäume. Höher als das Rathausdach. So hoch, dass der große grüne Kreis nur noch ein Punkt am Himmel war.

Und dann stand er still da oben. Genau so still wie Arvids brauner Drachen.

Fridas Arme zitterten. Die Schnur zog.

„Papa", sagte sie, „er ist so stark."

Freddy legte seine Hände über ihre. Zusammen hielten sie die Schnur.

Lange sagten sie nichts. Der Wind blies. Der Drachen stand.

„Weißt du", sagte Freddy irgendwann, „wenn ich weg bin, dann bin ich wie der da oben. Weit weg und ganz klein."

Frida schaute hoch.

„Und du hältst unten die Schnur", sagte Freddy. „Die ist manchmal lang. Aber sie reißt nie."

Frida lehnte sich an ihn.

Als es dunkel wurde, holten sie den Drachen ein.

Dabei blieb Fridas Drachen in den Zweigen einer Weide am Wiesenrand hängen. Arvid wollte schon hochklettern. Dann hielt er an, sagte „Leiter" und holte die Leiter.

Frida hielt Arvids braune Tüte fest, bis er wieder unten war.

„Deiner ist übrigens gar nicht hässlich", sagte sie. „Deiner ist klug."

Arvid strahlte. „Beides", sagte er.

Der Drachen von Frida bekam einen Namen. Sie nannten ihn Der Lange, weil sein Schwanz so lang war.

Er hängt seitdem im Schuppen an der Wand, gleich über der alten Samenkiste von Opa Otto. Jedes Kind in Gemüseland baut jetzt Drachen. Und jedes geht vorher hin und misst nach, wie lang der Schwanz sein muss.

So kurz wie eine Hand ist er nie.

Ende

💬 Gesprächsrunde zu „Der Drachen, der nicht steigen wollte“

Erinnert ihr euch?

  1. Warum ist Fridas schöner Drachen immer wieder heruntergefallen?Lösung: Sein Schwanz war viel zu kurz
  2. Was hat Freddy getan, als er nicht weiterwusste?Lösung: Er hat Arvid gefragt
  3. Wie heißt Fridas Drachen jetzt?Lösung: Der Lange
Und ihr? Wen fragt ihr, wenn ihr allein nicht weiterkommt?

Tipp: Online gibt es die Fragen auch als Quiz – jede richtige Antwort schaltet ein Bild im Sammelalbum frei.

🖍️ Frida Fenchel zum Ausmalen

Ausmalbild Frida Fenchel

Die Gemüsepolizei · gemuesepolizei.de · Kostenlos für Kita, Schule, Bibliothek und Familie.
Die Geschichte wurde mit Hilfe von KI geschrieben und von einem Menschen geprüft.