und der Stern für Heiligabend
„! Schnell! Der Stern ist weg!"
Emil Erbse kam über den Schnee gerannt. Seine rote Kappe saß schief, und seine Nase war ganz rot vor Kälte.
Heute war Heiligabend in Gemüseland. Und heute war zu Besuch.
Bella Brokkoli hatte am Morgen am Dorfrand abgeholt. Sie hatte eine kleine Lupe an einem grünen Band dabei. „Die ist für dich", hatte Bella gesagt. „Wer heute bei uns ist, gehört zur Gemüsepolizei. Wenn du magst."
Und ob mochte.
Zusammen waren sie durch das Dorf gegangen. An fast jeder Tür hing ein kleiner Stern aus Holz. Nur an Bellas nicht. In Rosas Backstube roch es nach Zimt. Und auf der Wiese hinter dem Rathaus stand die große Tanne, geschmückt mit roten und goldenen Kugeln. Ganz unten, am untersten Zweig, hingen die Papiersterne der Kinder.
„Heute kommt noch der große Stern auf die Spitze", hatte Bella erzählt. „Der goldene. Um drei Uhr hängt Christel ihn auf. Dann ist es noch hell. Und heute Abend, wenn alle auf dem Marktplatz singen, leuchtet er über dem Rathausdach."
Und jetzt war er weg.
Christel Chicoree stand neben der Tanne und hielt eine leere Kiste in der Hand.
„Heute Morgen lag er noch hier drin", sagte sie. „Eingewickelt in ein Tuch. Ich wollte nur nachsehen, ob er heil ist. Dann bin ich kurz die Leiter holen gegangen. Und als ich wiederkam: weg."
„Das ist ein Fall für die Gemüsepolizei", sagte Bella. Sie sah an. „Für uns drei."
Emil zog seinen Block heraus. „Wie spät ist es?"
„Gleich zwölf Uhr", sagte Christel.
„Dann haben wir drei Stunden", sagte Emil. „Bis die Glocke dreimal schlägt."
Zuerst schauten sie sich alles genau an.
Die Kiste war leer. Das Tuch war weg. Und im Schnee daneben glitzerte etwas. Kleine goldene Punkte. Einer hier, einer da.
„Glitzer!", rief Emil. „Der Stern glitzert doch! Da hat jemand den Stern getragen, und dabei ist Glitzer abgefallen!"
Die goldenen Punkte führten über die Wiese. Am Rathaus vorbei. Über den Marktplatz.
Bis vor die Tür von Rosas Backstube.
„Rosa?", fragte Bella. „Rosa hat den Stern genommen?"
Sie gingen hinein. Rosa stand am Tisch und streute goldene Zuckerkrümel auf die Plätzchen. Ganz viele goldene Zuckerkrümel. Sie lagen auf dem Tisch, auf dem Boden, auf Rosas Schürze und auf ihren Schuhen.
„Ich war heute schon zehnmal draußen", sagte Rosa. „Plätzchen zu allen Häusern bringen. Ich war auch bei Willi, hinter der Wiese. Den Stern? Nein. Den hab ich nicht gesehen."
Emil sah auf Rosas Schuhe. Dann auf den Glitzer im Schnee. Dann ließ er den Kopf hängen.
„Das war gar keine Spur vom Stern", sagte er. „Das war Rosas Zucker."
Draußen war es schon eins.
Der Himmel wurde grau. Es fing ganz leise an zu schneien.
„Wir wissen nicht mehr weiter", sagte Emil.
Sie gingen zurück zur Tanne. Ganz langsam. Keiner sagte etwas.
kniete sich neben die leere Kiste in den Schnee und nahm die neue Lupe.
Da, ganz dicht an der Kiste, lag etwas. Kein Glitzer. Etwas Kleines, Helles, Krummes. Wie eine winzige Locke.
Und daneben noch eine.
„Da ist was", sagte .
Bella beugte sich darüber. Emil auch.
„Das ist Holz", sagte Bella langsam. „Eine Locke aus Holz. So was fällt ab, wenn jemand schnitzt."
„Gut gesehen, ", sagte Emil.
Bella richtete sich auf.
„Wer schnitzt denn in Gemüseland?", fragte sie. „Wer macht Sachen aus Holz?"
Bella sah auf die Tür vom Rathaus. Da hing ein kleiner Stern aus Holz. Genau wie an den Türen im Dorf.
„Dr. Dunkel", sagte sie.
Und Emil rannte los. Er rannte immer der Spur nach, Holzlocke für Holzlocke, bevor der neue Schnee sie zudeckte. Über die Wiese. Den Weg zum Bach hinunter. , Bella und Christel hinterher.
Die Spur hörte an einem kleinen schiefen Haus am Bach auf. Aus dem Fenster kam warmes Licht. Und von drinnen hörte man: KLONK. KLONK. KLONK.
Emil klopfte.
Die Tür ging auf. Da stand jemand in einem langen schwarzen Mantel mit Kapuze. Oben aus der Kapuze schauten ein paar kleine grüne Blätter heraus.
Dr. Dunkel.
In der einen Hand hielt er ein kleines Messer. In der anderen den goldenen Stern.
„Oh", sagte Dr. Dunkel. Er legte das Messer zur Seite. „Ihr seid schon da. Ich bin noch nicht ganz fertig."
„Du hast den Stern genommen!", sagte Emil.
„Ja", sagte Dr. Dunkel. Er wurde ein bisschen rot unter seiner Kapuze. „Ich hab ihn heute Morgen in der Kiste gesehen. Eine Spitze war abgebrochen. Ein Stern mit nur vier Spitzen auf dem Baum, an Heiligabend? Das wollte ich nicht. Also hab ich ihn mitgenommen. Und eine neue Spitze geschnitzt."
Er hielt den Stern hoch. Er hatte fünf Spitzen. Vier goldene und eine aus hellem Holz, ganz glatt.
„Ich wollte ihn heil zurückbringen, bevor es einer merkt", sagte er leise. „Das hat nicht geklappt."
„Darf helfen?", fragte Bella. Dr. Dunkel nickte und gab einen Pinsel. Und malte die neue Spitze golden an. Ganz vorsichtig. Bis man nicht mehr sah, welche die neue war.
Um drei Uhr schlug die Glocke. Einmal. Zweimal. Dreimal.
Von überall kamen sie zur Tanne. Rudi und Otto, Greta und Till, Rosa mit einem Korb voller Plätzchen, Christel mit ihrer Kindergruppe. Und ganz hinten Dr. Dunkel.
Otto stellte die Leiter an die Tanne und hielt sie mit beiden Händen fest. Unten an der Leiter fragte Christel: „Wer hat die Holzlocken gefunden?"
„", sagten Bella und Emil gleichzeitig.
Christel nahm den Stern mit hinauf. Ganz oben rief Christel: „, sag du, wann!"
Und als „Jetzt!" rief, setzte Christel den goldenen Stern auf die Spitze.
Der goldene Stern leuchtete über der Wiese.
Und am Abend, als alle mit ihren Laternen auf dem Marktplatz standen, sah man ihn über dem Rathausdach.
Später, als alle sangen, kam Dr. Dunkel noch einmal zu .
Er hatte etwas in der Hand. Einen kleinen Stern aus Holz. Genau wie die an den Türen.
Auf dem Stern stand ein Name. Ganz sauber hineingeschnitzt.
.
„Für deine Tür zu Hause", sagte Dr. Dunkel. „Damit du an Gemüseland denkst."
Bella legte den Arm um die Schulter. Emil machte in seinem Block einen dicken Haken.
„Frohe Weihnachten, ", sagte Bella. „Und danke. Du hast die Spur gefunden."