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Die Abenteuerreise im Blumenkohl-Ballon

Vorlese-Fassung · 3–8 Jahre

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An der Tür vom Detektivbüro hing eine Karte. Sie glitzerte im Licht.

Emil Erbse las sie laut vor:

„Kommt mit auf eine Reise im fliegenden Blumenkohl. Heute Nacht. Am alten Markt."

Bella Brokkoli drehte die Karte um. Hinten stand noch ein Satz:

„Eure Eltern wissen Bescheid. Zieht euch warm an."

„Das ist jemand, der uns gut kennt", sagte Bella.

„Ein Blumenkohl, der fliegt", sagte Emil. „Das will ich sehen."

In der Nacht war der alte Markt still. Der Mond stand dick und weiß über den Dächern.

Und da stand er: ein riesiger weißer Blumenkohl, so groß wie ein Haus. Unter ihm hing ein großer Korb. Daneben stand jemand und winkte.

„Christel!", riefen beide.

Christel Chicoree lachte. „Na, wer sonst? Steigt ein."

Sie kletterten in den Korb. Christel machte das Seil am Boden los.

Und dann hob der Blumenkohl ab. Ganz sanft, als würde ihn jemand hochheben.

Bella hielt sich am Rand fest und schaute hinunter. Die Häuser wurden kleiner. Die Wege wurden dünn wie Fäden. Der Brunnen auf dem Marktplatz war nur noch ein Punkt. Unter ihnen lag das ganze Gemüseland.

„Da ist unser Dach!", rief Emil. „Und da ist Rudis Feld!"

Das Salattal glänzte im Mondlicht. Die Maisfelder lagen da wie ein großes Puzzle. Ganz unten standen drei kleine Tomaten am Weg und winkten mit beiden Armen herauf. Bella und Emil winkten zurück.

Christel zog an einem Seil, und über ihnen fauchte es leise. FFFFF. Der Blumenkohl stieg höher.

Emil hielt sich mit beiden Händen am Rand fest und schaute nach unten. „Mir kribbeln die Füße", sagte er.

„Das machen alle beim ersten Mal", sagte Christel. „Das hört auf."

Es hörte nicht auf. Aber nach ein paar Minuten war es Emil egal.

„Wo fliegen wir hin?", fragte Bella.

„Bis zum Rand", sagte Christel. „Ich zeige euch, wo Gemüseland aufhört."

„Und was kommt danach?", fragte Emil.

„Noch mehr Land", sagte Christel. „Und ganz hinten das Meer. Aber so weit fliegen wir heute nicht."

Doch dann wurde der Mond blass. Vor ihm schob sich etwas Dunkles.

Wolken. Dicke, schwere Wolken.

Der Wind wurde stärker. Der Korb fing an zu schaukeln.

„Festhalten!", rief Christel. „Da kommt ein Sturm!"

Christel band sich ihren Hut fester. „Setzt euch hin", sagte sie. „Und haltet euch am Korb fest, nicht aneinander."

Bella und Emil rutschten auf den Boden vom Korb.

Der Regen kam von der Seite. Alle wurden in zwei Minuten ganz nass. Der Korb schwankte hin und her, und über ihnen knarrten die Seile.

Christel rief etwas. Aber der Wind war so laut, dass keiner sie verstand. Sie zeigte nach oben.

Dann machte es RATSCH.

Ein Seil riss sich los. Es flatterte wild über ihren Köpfen hin und her.

„Mein Lenk-Seil!", rief Christel. „Ich brauche beide Hände hier oben. Emil, es kommt gleich zu dir. Bleib sitzen und fang es! Bella, halt ihn fest!"

Das Seil flog über den Korb und wieder zurück. Es kam näher.

Emils Herz klopfte bis in den Hals. Seine Hände waren nass.

„Ich ... ich trau mich nicht", sagte er.

Bella rutschte dicht neben ihn und hielt ihn mit beiden Armen fest. „Ich halte dich", sagte sie. „Ich lasse nicht los. Ganz sicher nicht."

Emil atmete einmal tief ein. Beim nächsten Mal griff er zu. Seine Finger rutschten ab. Beim übernächsten Mal bekam er es zu fassen und hielt es fest.

„Ich hab's!", schrie er in den Regen. „Ich hab's!"

Bella hielt ihn. Christel zog mit beiden Händen an ihren Seilen.

Langsam drehte sich der Blumenkohl. Er hörte auf zu schaukeln. Er flog mitten durch die Wolke. Drinnen war alles grau wie Nebel.

Dann war es plötzlich still.

Über ihnen standen Sterne. So viele Sterne, dass man sie nicht zählen kann.

Emil band das Seil fest und schaute auf seine Hände. Sie zitterten noch.

„Das hätte ich mir nie zugetraut", sagte er.

„Ich schon", sagte Bella.

Weit weg, am Rand vom Himmel, leuchtete etwas Rotes. Das war ein Berg. Oben glühte er rot. Er spuckte Funken in die Nacht.

Emil machte große Augen. „Ist der gefährlich?"

„Für uns nicht", sagte Christel ruhig. „Wir sind weit weg, und wir fliegen einen großen Bogen. Ich fliege hier seit zwanzig Ernten. Ich gehe nie dichter ran."

Sie zog an einem Seil. Der Blumenkohl machte einen weiten Bogen. Sie schauten zu dem leuchtenden Berg hinüber, bis er wieder klein wurde.

Christel gab Emil eine Decke. Sie war trocken, weil sie ganz unten gelegen hatte.

„Du hast das gut gemacht", sagte sie. „Wirklich."

Emil zog die Decke bis ans Kinn und sagte nichts. Aber er grinste die ganze Zeit.

Dann kam die Sonne. Erst nur ein roter Streifen. Dann wurde der ganze Himmel hell. Unter ihnen leuchtete das Gemüseland. Rot, Gelb und Grün.

„Es sieht aus wie ein Spielzeugdorf", flüsterte Bella.

Auf der Wiese warteten schon Matti Mais und Hanna Hirse. Sie hüpften und winkten mit beiden Armen.

Christel machte oben eine Klappe auf. Es zischte. Der Blumenkohl sank. Tiefer. Noch tiefer.

Der Korb setzte auf, hoppelte zweimal über das Gras und stand still.

„Das war eine holprige Landung", sagte Christel.

„Das war die beste Landung der Welt", sagte Emil und kletterte heraus.

Matti und Hanna liefen auf sie zu. Alle redeten durcheinander. Hanna wollte alles wissen, und Emil erzählte vom Seil, dreimal hintereinander.

Christels Hut saß schief. Sie setzte ihn gerade. Dann saß er wieder schief.

Sie faltete das nasse Seil zusammen und schaute die beiden an.

„Also", sagte sie. „Nächsten Monat fliege ich wieder."

Emil machte sich ganz gerade. „Ich komme mit."

„Erst frühstücken", sagte Christel.

Ende

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