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Die verborgene Stadt der Minigurken

Vorlese-Fassung · 3–8 Jahre

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Es klopfte an der Tür vom Detektivbüro. Dreimal, ganz schnell.

Bella Brokkoli machte auf. Draußen stand Benno Bohne. Er hatte rote Wangen und etwas unter dem Arm. Eine Karte, zusammengeklebt aus drei Stücken.

„Bella! Emil! Guckt mal!"

Er legte die Karte auf den Tisch und strich sie glatt.

„Die hat mein Opa gezeichnet. Er hat immer von der verborgenen Stadt der Minigurken erzählt. Alle haben gesagt, die gibt es gar nicht." Benno schaute hoch. „Ich will da hin. Aber nicht allein. Kommt ihr mit? Als Gemüsepolizei?"

Emil war schon am Rucksack. „Lupe. Fernglas. Stifte. Brote."

„Dann ist das jetzt ein Auftrag", sagte Bella. „Und wir kommen alle wieder zurück. Das ist der wichtigste Teil."

Till Tomate kam gerade um die Ecke. Er fragte nicht mal, wohin. Er sagte einfach Ja.

Die Karte führte sie in den Karottenwald. Dort standen die Karottenbäume ganz dicht beieinander. Unter den Füßen knisterten die Blätter.

Sie kletterten über glatte Steine. Sie sprangen über einen kleinen Bach.

„Wer zuletzt drüben ist, ist eine matschige Tomate!", rief Till und sprang.

Immer wenn der Weg sich teilte, machte Emil einen Strich auf seinen Zettel. Links oder rechts. „Damit wir zurückfinden", sagte er.

Nach einer langen Wanderung standen sie vor einem riesigen Tor aus Stein. Es war größer als die große Scheune. Auf dem Stein standen große Buchstaben.

Benno las vor:

„Fangen kannst du mich nicht. Aber ich gehe überall mit dir mit. Wer bin ich?"

Alle überlegten.

Till sagte: „Ein Vogel?"

Benno sagte: „Regen?"

Emil sagte gar nichts. Er schaute auf den Boden. Da lag etwas Dunkles, genau in seiner Form. Es bewegte sich, wenn er sich bewegte.

„Der Schatten!", rief er.

Es rumpelte im Stein. Ganz langsam schwang das Tor auf.

Dahinter kam ein Gang. Und dann ein Raum, in dem alles glänzte.

Spiegel. Überall Spiegel. An den Wänden. An der Decke. Sogar auf dem Boden.

Bella sah sich selbst. Dann sah sie sich noch einmal. Und noch einmal.

„Da hinten geht es raus!", rief Till und rannte los.

BUMM.

Till saß auf dem Boden und hielt sich die Nase. „Das war kein Ausgang", sagte er.

Sie versuchten es links. Sie versuchten es rechts. Sie streckten die Hände vor sich aus und gingen ganz langsam.

Benno ging voran und zählte die Schritte. Bei zwölf stieß er gegen Glas. Beim nächsten Mal bei zwölf wieder.

„Ist das derselbe Spiegel?", fragte er. „Oder ein anderer?"

Keiner wusste es.

Nach ein paar Minuten standen sie wieder genau an der Tür. Da waren sie hereingekommen.

„Wir laufen im Kreis", sagte Benno. Er setzte sich hin. „Mein Opa hat das nie erzählt."

Emil schaute auf seinen Zettel. Aber hier teilte sich kein Weg. Hier gab es nur Spiegel.

Es wurde still. Irgendwo tropfte Wasser.

„Wir können uns nicht merken, wo wir waren", sagte Emil. „Hier sieht alles gleich aus."

Bella machte ihren Rucksack auf und holte die bunten Stifte heraus. „Dann schreiben wir es hin."

Sie malte einen dicken roten Pfeil auf den ersten Spiegel. Immer, wenn es nicht weiterging, malte Emil ein Kreuz. Immer, wenn es weiterging, malte Bella einen Pfeil.

Pfeil. Kreuz. Kreuz. Pfeil.

Till malte auch einen Pfeil. Er zeigte nach oben.

„Da geht es nicht lang", sagte Bella.

„Ich weiß", sagte Till. „Der ist nur schön."

Schritt für Schritt kamen sie weiter. Und plötzlich standen sie vor einer großen Steintür. Auch hier standen Buchstaben auf dem Stein.

Benno las:

„Nimm etwas von mir weg. Dann werde ich größer. Wer bin ich?"

Diesmal war es richtig schwer.

„Ein Berg?", sagte Till. „Nein. Ein Kuchen? Auch nicht."

Benno rieb sich die Augen. „Vielleicht war die Stadt doch nur eine Geschichte."

Bella hockte sich auf den Boden. Sie hatte den Stift noch in der Hand und schob den Sand hin und her. Dann grub sie ein bisschen.

Sie nahm eine Handvoll Sand weg. Das Loch wurde größer. Sie nahm noch eine Handvoll weg.

„Ein Loch!", rief sie und sprang auf. „Man nimmt etwas weg, und es wird größer!"

KLICK.

Die Tür ging auf. Dahinter war Licht, warm und grün.

Und da lag sie.

Die Stadt der Minigurken. Winzig klein und leuchtend grün. Häuser aus Gurkenscheiben, eine kleine Schule, ein Markt mit Dächern aus Blättern. Und überall liefen Minigurken herum, jede mit einem kleinen Hut.

Benno sagte kein Wort. Er stand nur da.

Dann sagte er: „Ich glaube, da winkt jemand."

Unten auf dem winzigen Marktplatz standen drei Minigurken und winkten mit beiden Armen nach oben.

Die Minigurken kamen von überall angelaufen. Sie freuten sich riesig über den Besuch. Sofort machten sie ein Fest.

Es gab Kernkugeln. Man musste einen dicken Gurkenkern über einen Weg aus kleinen Steinen rollen. Er durfte nicht aus der Spur kommen. Till gewann dreimal hintereinander und hob jedes Mal beide Arme.

Dann durften alle in der kleinen Schule sitzen. Till passte nur hinein, wenn er die Beine anzog.

Zum Schluss bekam jeder einen kleinen glitzernden Anhänger.

Als die Sonne tief stand, gingen sie zurück. Durch den Spiegel-Saal war es jetzt leicht. Sie gingen einfach ihren eigenen Pfeilen nach. Rückwärts.

Im Karottenwald las Emil seinen Zettel von unten nach oben vor. Wo links stand, gingen sie rechts.

Vor dem Dorf blieb Benno stehen und schaute auf seinen Anhänger.

„Mein Opa hat sich das alles gar nicht ausgedacht", sagte er.

„Nein", sagte Bella.

Emil holte seinen Zettel heraus und schrieb etwas darauf.

„Was schreibst du?", fragte Till.

„Minigurken", sagte Emil. „Ich habe versucht, sie zu zählen. Ich bin bis sechsundneunzig gekommen. Dann sind drei weggelaufen, und ich wusste nicht mehr, welche ich schon hatte."

„Und jetzt?", fragte Till.

Emil schrieb: „Sehr viele." Dann machte er den Zettel zu.

Ende

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