Verirrt im Maisfeld
Vorlese-Fassung · 3–8 Jahre„Ich kenne einen Weg, den keiner kennt!"
Benno Bohne stand vor dem großen Maisfeld und machte große Augen.
Der Mais war in diesem Sommer so hoch gewachsen wie noch nie. Viel höher als Benno. Viel höher als Bella. Sogar höher als Otto mit ausgestreckten Armen.
„Da geht man nicht rein", sagte Ida Ingwer. „Da sieht man ja nichts."
„Genau deshalb!", sagte Benno und klopfte auf seinen Rucksack. „Ich zeichne eine Karte davon. Dann kennt sich jeder aus."
Ida schaute noch einmal auf das riesige grüne Feld.
Dann grinste sie. „Also gut. Aber ich komme mit. Und erst sagen wir Bescheid."
Sie riefen zu Bella hinüber: „Wir gehen zum Maisfeld!"
„Zum Maisfeld!", rief Bella zurück und winkte.
Drinnen war es anders, als sie gedacht hatten.
Über ihnen: ein schmaler Streifen Himmel.
Um sie herum: grün, grün, grün.
Die Blätter raschelten leise. Sonst war es ganz still.
„Puh", flüsterte Ida. „Hier klingt sogar meine Stimme komisch."
Benno blieb stehen und zeichnete schnell. „Erst geradeaus. Dann nach rechts. Dann wieder geradeaus." Er malte einen Strich nach dem anderen auf sein Blatt.
Sie gingen weiter. Rechts. Links. Geradeaus. Wieder rechts.
Nach einer Weile blieb Ida stehen.
„Benno", sagte sie langsam. „Waren wir hier nicht schon mal?"
Vor ihnen lag ein alter Maiskolben im Gras. Genau so einer wie vorhin.
Benno schaute auf seine Karte. Dann schaute er auf den Maiskolben. Dann wieder auf die Karte.
„Das … kann eigentlich nicht sein", sagte er.
Sie gingen noch einmal los. Diesmal ganz genau.
Aber nach zehn Reihen kam wieder eine Kreuzung. Und die sah aus wie alle anderen Kreuzungen.
„Nach links", sagte Benno.
„Bist du sicher?"
„Nein", gab Benno zu.
Sie gingen nach links. Und standen wieder vor dem alten Maiskolben.
Ida schluckte. „Wir laufen im Kreis."
Benno rief: „Halloooo? Hört uns jemand?"
Sie lauschten.
Ganz weit weg bellte ein Hund. Aber niemand rief zurück.
„Wir sind zu weit drin", sagte Benno. „Wir rufen noch mal, wenn wir näher dran sind."
„Wir machen es anders", sagte Benno. „Wir gehen immer nur geradeaus. Immer geradeaus muss ja irgendwann rausführen."
Das klang gut. Sie gingen los und zählten die Reihen.
Zehn. Zwanzig. Dreißig.
Doch dann lagen umgeknickte Maisstangen kreuz und quer vor ihnen. Kein Weg mehr, nur dichtes Grün.
„Hier geht's nicht weiter", flüsterte Ida.
Da raschelte etwas Kleines rechts von ihnen. Ganz nah.
Beide standen ganz still.
Das Rascheln kam näher. Die Blätter teilten sich —
und heraus hoppelte ein kleiner Hase. Er schaute die beiden an, schnupperte kurz und war wieder weg.
Ida legte die Hand auf die Brust. „Mein Herz!"
Benno lachte. Ganz kurz. Dann war er wieder still.
„Vielleicht klettern wir hoch", sagte Ida. Sie packte einen Maisstängel und zog sich daran hoch.
Der Stängel bog sich. Er bog sich immer weiter.
Und dann — schwupp — lag Ida im Gras.
„Aua", sagte sie. „Also klettern geht auch nicht."
Und dann sahen sie etwas, das ihnen gar nicht gefiel.
Der Himmelsstreifen über ihnen war nicht mehr hellblau. Er war orange geworden.
„Benno", sagte Ida leise. „Es wird Abend."
Benno sagte nichts. Er drückte seine Karte fest an sich. Auf dem Blatt standen lauter Striche, die nirgendwohin führten.
„Meine Karte ist nichts wert", sagte er. Seine Stimme klang ganz klein. „Ich wollte doch, dass sich alle auskennen. Und jetzt kenne ich mich nicht mal selber aus."
Sie setzten sich in den Staub, Rücken an Rücken.
Ida spürte, wie ihr Herz schnell klopfte. Sie wollte nicht weinen. Sie wollte auch nicht, dass Benno merkte, dass sie fast weinte.
Also holte sie tief Luft. Einmal. Und noch einmal.
Da klopfte ihr Herz ein bisschen langsamer.
„Ida?", sagte Benno nach einer Weile.
„Ja?"
„Ich bin froh, dass du mitgekommen bist."
„Ich auch", sagte Ida. „Und Bella weiß, dass wir hier sind."
„Ja", sagte Benno. „Aber sie weiß nicht, wo genau."
Sie schauten beide in das große grüne Dunkel.
Ida wischte sich unter der grünen Brille über die Augen. Dabei schaute sie nach unten.
Da war eine kleine Rinne in der Erde. Ganz schmal. Feucht und dunkel.
„Benno", sagte sie. „Guck mal."
„Das ist nur Wasser."
„Ja!", rief Ida und sprang auf. „Wasser! Ich habe Otto mal gefragt: Und warum ist das so? Da hat er gesagt: Wasser läuft immer bergab. Immer. Und ganz unten am Feld — was ist da?"
Bennos Augen wurden groß. „Der Bach!"
„Und der Bach fließt am Weg entlang!"
„Aber wo ist unten?", fragte Benno.
Ida goss ein bisschen aus ihrer Flasche in die Rinne. Beide guckten ganz genau hin.
Das Wasser lief langsam los — nach links.
„Da lang!", rief Ida. „Da will das Wasser hin. Und wir auch."
Benno sprang auf. „Egal wie oft es abbiegt. Das Wasser kennt den Weg!"
Sie folgten der kleinen Rinne.
Sie ging nach links. Sie ging nach rechts. Sie machte einen großen Bogen. Manchmal war sie ganz schmal. Dann musste Ida auf die Knie, um sie überhaupt zu sehen.
„Noch da?", fragte Benno.
„Noch da!", rief Ida.
Am Himmel ging der erste Stern an. Aber die Rinne wurde breiter. Und dann hörten sie es.
Ganz leise erst. Dann deutlicher.
Ein Plätschern.
Sie rannten los. Die Blätter schlugen ihnen um die Ohren. Noch eine Reihe. Und noch eine.
Und dann standen sie draußen.
Vor ihnen der Bach. Daneben der Weg. Und auf dem Weg kamen Otto, Bella und Emil mit einer Laterne gelaufen.
„DA SEID IHR JA!"
Später saßen alle am Bach. Ida hatte eine Decke um die Schultern und einen Becher warmen Saft in der Hand.
„Wir haben euch überall gesucht", sagte Bella.
„Nächstes Mal", sagte Otto und reichte Benno einen Becher, „sagt ihr genau, wohin. Und einer bleibt draußen und wartet."
„Wir waren die ganze Zeit da", sagte Benno und zeigte auf das Maisfeld. „Nur eben … mittendrin."
Emil schaute auf Bennos zerknülltes Blatt. „Und? Hat die Karte geholfen?"
„Nein", sagte Benno.
Dann richtete er sich auf. „Aber jetzt weiß ich, wie eine richtige gehen muss."
Am nächsten Tag ging Benno noch einmal los — diesmal mit Otto, Bella und Emil.
Sie folgten der Wasserrinne von außen nach innen. Sie steckten kleine bunte Stöckchen an jede Kreuzung. Und Benno zeichnete alles auf, Strich für Strich.
Emil zählte die Reihen laut mit — und verzählte sich dreimal. Da mussten alle lachen.
„Und wenn der Mais nächstes Jahr wieder wächst?", fragte er.
„Dann zeichne ich eine neue", sagte Benno. „Das Wasser läuft ja immer gleich."
Am Ende hing am Eingang des Feldes eine große Karte. Ganz oben stand in dicken Buchstaben:
DER WEG DES WASSERS
Seitdem findet jeder durch das Maisfeld.
Und wenn Benno jemandem seine Karte zeigt, sagt er immer denselben Satz:
„Wenn du nicht weiterweißt — schau nach unten. Manchmal liegt der Weg direkt vor deinen Füßen."
Ende
🤖 Diese Geschichte wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz geschrieben und von einem Menschen geprüft. Mehr dazu