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Das schwere Geheimnis

Vorlese-Fassung · 3–8 Jahre

KRACH!

Frida Fenchel stand ganz still. Sie traute sich kaum zu atmen.

Vor ihr auf dem Boden lag Pollys bunter Krug. In viele kleine Stücke zerbrochen.

„Oh nein", flüsterte Frida. „Oh nein, oh nein, oh nein."

Dabei wollte sie doch nur schnell auf den Ast hinauf.

Polly Pflaume hatte an diesem Morgen ihren kleinen Tisch am Markt aufgebaut. Becher, ein Korb voll Pflaumen — und mitten drauf ihr bunter Krug mit den kleinen Blumen.

Aus diesem Krug bekam jeder am Markt einen Becher süßen Saft. Und der Krug war das Einzige, was Polly von ihrem alten Zuhause mitgebracht hatte.

„Ich hole schnell Wasser", hatte Polly gesagt und war losgelaufen.

Über dem Tisch hing ein dicker Ast. Und Frida kletterte nun einmal überall hinauf.

Sie stellte einen Fuß auf den Tisch. Sie streckte sich. Und dann rutschte ihr Fuß weg.

Frida hielt sich an der Tischkante fest. Ihr passierte nichts. Aber der Tisch wackelte. Der Krug wackelte mit.

Und dann: KRACH!

Frida hörte Schritte.

Ganz schnell sammelte sie die Stücke ein. Sie wickelte sie in ihr Tuch. Dann rannte sie los, bis hinter den großen Holzstapel. Dort schob sie das Päckchen unter ein paar Bretter.

Ihr Herz klopfte bis zum Hals.

Und sie sagte niemandem etwas.

Am Nachmittag suchte Polly ihren Krug.

Sie schaute unter den Tisch. Sie schaute in jede Kiste. Sie schaute sogar im Brunnen nach.

„Mein Krug ist weg", sagte sie leise. „Einfach weg."

Bald suchten fast alle mit. Bella Brokkoli schaute hinter den Körben nach. Emil Erbse holte seine Lupe und suchte auf dem Boden.

Da sagte jemand: „Vorhin ist Arvid hier vorbeigerannt."

Alle wurden still.

Arvid Artischocke stolperte über jeden Stein. Das wusste im Gemüseland wirklich jeder.

„Ich war das nicht!", rief Arvid. „Ehrlich nicht!"

Aber die anderen schauten sich an. Und keiner sagte etwas.

Arvid wurde ganz rot. Dann setzte er sich auf die Bank und sagte gar nichts mehr.

Frida stand daneben. In ihrem Bauch drückte es. Sie machte den Mund auf.

Und machte ihn wieder zu.

Am Abend kletterte Frida auf ihren Lieblingsbaum.

Sonst war das ihre liebste Zeit. Ganz oben sitzen, über das Gemüseland schauen, die Beine baumeln lassen.

Heute nicht.

Emil kam unten vorbei und schaute hinauf. „Du bist so still", rief er. „Bist du krank?"

„Nein", rief Frida zurück. „Ich bin nur müde."

Das stimmte nicht. Frida schaute schnell in eine andere Richtung.

In der Nacht lag sie wach. Immer wieder hörte sie das KRACH in ihrem Kopf. Immer wieder sah sie Arvids rotes Gesicht.

Das Geheimnis war schwer. So schwer wie ein dicker Stein in ihrer Tasche. Und der Stein wurde immer schwerer.

Am nächsten Abend hatte Frida eine Idee.

Sie macht den Krug heimlich wieder heil. Dann ist alles gut!

Sie schlich hinter den Holzstapel. Sie holte das Päckchen hervor. Und sie setzte die Stücke zusammen, ganz vorsichtig, eins nach dem anderen.

Ein Stück klebte sie mit klebrigem Saft vom Baum fest. Und noch eins. Und noch eins.

Doch der Saft hielt nicht. Die Stücke rutschten wieder auseinander. Und dann sah Frida es: Ein Stück fehlte. Ein kleines Stück mit einer blauen Blume darauf.

Der Krug war kaputt. Und er blieb kaputt.

Frida setzte sich ins Gras.

Da rief jemand vom Marktplatz her. Schnell wickelte Frida die Stücke wieder ein. Dann schaute sie hinter dem Holzstapel hervor.

Es war Emil. Emil hatte den ganzen Tag weitergesucht. Jetzt hielt er seine Lupe hoch.

„Leute! Ich habe etwas gefunden!"

Zwischen den Steinen lagen ein paar winzig kleine bunte Stückchen.

„Der Krug ist nicht weg", sagte Emil. „Der Krug ist zerbrochen. Und jemand hat die Stücke weggeräumt."

Frida wurde ganz kalt.

Am Morgen war alles noch schlimmer.

Polly stand an ihrem Tisch und schaute auf die leere Stelle in der Mitte. Sie schenkte keinen Saft mehr aus. Sie summte nicht mehr.

Und Arvid? Arvid nahm seinen Ball unter den Arm.

„Ich geh dann mal", sagte er leise. „Alle denken sowieso, dass ich immer alles kaputt mache."

Er ging über den Platz davon. Ganz langsam.

Bella setzte sich neben Frida auf die Bank.

„Du siehst traurig aus", sagte sie freundlich. „Weißt du was? Manchmal wird etwas Trauriges kleiner, wenn man es jemandem sagt."

Frida schluckte. Fast hätte sie es gesagt.

Aber sie schüttelte nur den Kopf.

Dann sah sie Arvid am Ende des Platzes. Und Polly an ihrem leeren Tisch.

Und plötzlich wusste Frida: So ging es nicht weiter.

Sie stand auf. Ihre Beine fühlten sich weich an wie Pudding. Ihr Herz klopfte ganz laut. Bestimmt konnten alle es hören.

Ein Schritt. Noch ein Schritt.

Frida kletterte auf die höchsten Bäume. Aber dieser kurze Weg über den Marktplatz war der schwerste ihres Lebens.

„Ich … ich muss euch etwas sagen", sagte sie.

Alle drehten sich um. Emil. Bella. Polly. Und Arvid blieb stehen.

Fridas Stimme war ganz klein.

„Der Krug", sagte sie. „Ich war das. Ich habe ihn kaputt gemacht. Und dann habe ich die Stücke versteckt."

Auf dem Marktplatz war es ganz still. Man hörte nur den Wind in den Blättern.

Jetzt wussten es alle.

Polly sagte lange nichts. In ihren Augen standen Tränen.

„Warum hast du denn nichts gesagt?", fragte sie dann.

„Ich hatte Angst", sagte Frida. „Angst, dass du böse bist."

Polly atmete tief durch. Dann setzte sie sich neben sie.

„Ich bin traurig, weil der Krug kaputt ist", sagte sie. „Sehr traurig sogar. Er war von zu Hause. Aber ich bin froh, dass du es sagst."

Da sprang Arvid in die Luft. „Ich hab's ja gewusst! Ich war es nicht!"

Vor lauter Freude stolperte er über seinen eigenen Ball. PLUMPS! Er landete auf dem Po.

Frida lief zu ihm hin und hielt ihm die Hand hin.

„Es tut mir leid, Arvid", sagte sie. „Alle haben dich angeschaut. Und ich habe nichts gesagt."

Arvid grinste. „Dann hilfst du mir jetzt beim Aufstehen."

Und alle mussten lachen. Auch Polly. Ein kleines bisschen.

Danach holten sie das Päckchen hinter dem Holzstapel hervor.

Emil legte seine kleinen bunten Stückchen dazu. Bella hielt die Stücke fest. Arvid gab sie ihr. Und Frida klebte alles zusammen, langsam und ganz genau.

„Dir habe ich auch nicht die Wahrheit gesagt", sagte Frida leise zu Emil.

Emil nickte nur und gab ihr das nächste Stück.

Am Ende stand der Krug wieder auf dem Tisch. Man sah jede Linie, wo die Stücke zusammenkamen. Und da, wo das kleine Stück fehlte, war ein Loch.

„Warte", sagte Polly.

Sie holte Erde und eine winzig kleine Blume. Die Erde kam in den Krug. Die Blume kam obendrauf. Aus dem Loch schaute ein grünes Blatt heraus.

„Fertig", sagte Polly. „Jetzt sieht man, dass er etwas erlebt hat."

Am Abend war der Markt leer. Die Sonne machte alles ganz golden.

Polly und Frida saßen allein auf der Bank. Zwischen ihnen stand der geklebte Krug mit der kleinen Blume.

Polly gab Frida einen Becher Saft.

„Weißt du was?", sagte Frida und trank einen Schluck. „Der Stein ist weg."

„Welcher Stein?", fragte Polly.

„Der in meiner Tasche."

Polly verstand sie nicht ganz. Aber sie lächelte. Und Frida lächelte zurück.

Denn jetzt wusste sie es genau: Die Wahrheit zu sagen war schwer.

Aber ein Geheimnis zu verstecken war viel, viel schwerer.

Ende

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🤖 Diese Geschichte wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz geschrieben und von einem Menschen geprüft. Mehr dazu