Es war zu still.
Hanna Hirse stand auf dem Hof vor Opas Schuppen. Irgendetwas fehlte. Sie hörte ganz genau hin.
Kein Zwitschern. Kein Sausen über den Kopf.
Hanna schaute nach oben. Unter dem Dach kleben die Schwalbennester. Sie sind aus Erde und sehen aus wie halbe Tassen.
Hanna zählte. „Eins. Zwei. Drei. Vier."
Alle vier Nester waren leer.
„Opa!", rief sie. „Opa, komm schnell!"
Otto Oregano kam mit der Gießkanne aus dem Garten. Otto ist Hannas Opa. Er hat einen großen Schnurrbart und keine Eile.
„Die Schwalben sind weg", sagte Hanna.
„Ich weiß", sagte Otto. „Seit Dienstag."
„Und wenn ihnen was passiert ist? Die Katze vom Nachbarn war auf dem Dach!"
„Da kommt keine Katze ran", sagte Otto. „Sie sind weggeflogen. Im Frühling kommen sie wieder."
„Das sagst du nur so", sagte Hanna.
Und dann lief sie los und holte die Gemüsepolizei.
Bella Brokkoli und Emil Erbse kamen sofort.
„Ich will was melden", sagte Hanna. „Vier Nester. Alle leer."
Emil holte seinen Zettel heraus und schrieb: Vier Nester. Leer.
Bella guckte nicht auf die Nester. Bella guckte auf Hanna. Dann fragte sie:
„Wer hat sie zuletzt gesehen?"
Über den Zaun schaute der Nachbar. Er hatte alles gehört.
„Ich", sagte er. „Am Dienstag. Sie saßen alle zusammen auf dem Draht. Und dann sind sie losgeflogen. Alle auf einmal. Da lang, über die großen Pappeln."
Er zeigte über die Bäume.
Emil schrieb alles auf. Dann las er vor:
„Dienstag. Alle zusammen. Alle in dieselbe Richtung."
„Alle zusammen", sagte Bella langsam. „Das klingt nach einer Reise."
„Oder sie sind vor etwas weggeflogen", sagte Hanna leise.
Emil gab ihr den Zettel. „Für dich", sagte er. „Du hast es gemeldet."
Da sah Emil etwas.
Unten an der Schuppenwand lag etwas Braunes im Gras. Er bückte sich.
Es war ein Nest. Es war heruntergefallen und in drei Stücke zerbrochen. Daneben lag eine kleine graue Feder.
Hanna setzte sich auf die Erde. Ihre Augen wurden heiß.
„Siehst du", flüsterte sie. „Es ist doch was passiert."
Otto kam und setzte sich neben sie. Das dauerte ein bisschen. Otto setzt sich nicht mehr so schnell hin.
Emil holte seine Lupe heraus. Er schaute sich das Stück ganz genau an.
„Das ist grau", sagte er. „Und ganz bröselig. Das ist alt."
Dann schaute er mit der Lupe nach oben. Ganz oben unter dem Dach klebte ein Nest, das war viel heller als die anderen.
„Und das da oben ist neu", sagte Emil.
Hanna schaute nach oben. „Sie haben sich ein neues gebaut", sagte sie. „Weil das alte kaputt war."
„Nester sind aus Erde", sagte Otto. „Erde hält nicht ewig. Und Federn verlieren sie jeden Tag."
Hanna wischte sich die Augen. „Aber sicher weiß das keiner. Dass sie wiederkommen."
Otto schaute sie lange an. Dann stand er auf.
„Doch", sagte er. „Komm mit."
Bella zupfte Emil am Ärmel. „Das ist jetzt was für die beiden", flüsterte sie. Und sie gingen leise nach Hause.
Im Schuppen war es dunkel. Es roch nach Holz und nach Kräutern.
Otto nahm die Lampe. Er stellte einen Hocker unter die Tür. „Stell dich da drauf", sagte er.
Hanna stieg auf den Hocker. Otto hielt die Lampe hoch und leuchtete an den dicken Balken über der Tür.
Hanna machte den Mund auf.
Der ganze Balken war voller Striche. Kleine Striche im Holz. Immer zwei nebeneinander. Dann eine Lücke. Dann wieder zwei.
„Was ist das?", flüsterte Hanna.
„Das sind die Schwalben", sagte Otto. „Der erste Strich ist der Tag, an dem sie wegfliegen. Der zweite ist der Tag, an dem sie wiederkommen. Im Frühling."
Er zeigte ganz nach links. „Die da hat mein Opa gemacht."
Hanna fing an zu zählen. Sie zählte und zählte. Es waren so viele, dass sie nicht fertig wurde.
Jedes Jahr weg. Jedes Jahr wieder da.
„Warum hast du mir das nie gezeigt?", fragte sie.
Otto kratzte sich am Kopf. „Ich hab immer nur gesagt: Sie kommen wieder", sagte er. „Sagen ist einfach. Ich hätte es dir zeigen sollen."
Dann gab er Hanna die Lampe. Er holte sein Messer.
„Der Strich von diesem Jahr fehlt noch", sagte Otto. „Zeig mir, wo er hinkommt."
Hanna leuchtete auf das Holz. Sie zeigte mit dem Finger auf die Stelle, gleich neben dem letzten Paar.
„Hier", sagte sie.
Otto machte einen kurzen Strich ins Holz. Kratz. Genau da, wo Hanna hinzeigte.
„So hat es mein Opa auch gemacht", sagte er. „Er hat geschnitzt, und ich durfte die Stelle zeigen."
Draußen wurde es dunkel. Sie setzten sich vor den Schuppen auf die Bank. Otto legte eine Decke über Hannas Knie.
„Wo sind sie jetzt gerade?", fragte Hanna.
„Weit weg", sagte Otto. „Da, wo es noch warm ist. Sie fliegen und fliegen."
„Auch nachts?"
„Auch nachts."
Hanna holte Emils Zettel aus der Tasche. Sie konnte ihn im Dunkeln nicht mehr lesen. Aber sie wusste, was draufstand.
„Da lang", sagte sie und zeigte über die Pappeln.
„Und der zweite Strich?", fragte sie.
„Den machen wir im Frühling", sagte Otto. „Du merkst es zuerst. Dann ist es nämlich wieder laut auf dem Hof."
Hanna stand auf. Sie ging noch einmal in den Schuppen und stieg auf den Hocker. Ganz vorsichtig klemmte sie Emils Zettel hinter den Balken. Gleich neben den neuen Strich.
„Damit ich nicht vergesse, wann sie weg sind", sagte sie.
Dann setzte sie sich wieder zu Opa auf die Bank und schaute in den Himmel. Und wartete auf den Frühling.
Ende
🤖 Diese Geschichte wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz geschrieben und von einem Menschen geprüft. Mehr dazu
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