Was übrig bleibt
Vorlese-Fassung · 3–8 Jahre„Und das kann man jetzt alles wegwerfen", sagte Rudi Rotkohl.
Am Morgen nach der Kürbis-Nacht sah der Marktplatz traurig aus.
Auf der Rathaustreppe standen noch die Laternen. Aber die Lichter waren aus, und über Nacht hatte es geregnet. Die Gesichter hingen schief. Eine Laterne war zusammengefallen wie ein alter Ballon.
Daneben standen zwei große Eimer. Darin war das weiche Kürbis-Innere, das die Kinder gestern herausgekratzt hatten. Und ein Eimer voll Kerne.
Rudi schaute alles lange an. Rudi ist der Kürbisbauer. Diese Kürbisse hat er gezogen, jeden einzelnen, den ganzen Sommer lang.
Rosa Rosenkohl kam mit ihrem Schubkarren über den Platz. Rosa ist die Bäckerin. Sie hat immer ein bisschen Mehl auf den Wangen.
„Wegwerfen?", fragte sie.
„Wegwerfen", sagte Rudi.
Rosa schaute in die Eimer. Dann roch sie daran.
„Das ist nicht schlecht", sagte sie. „Das ist nur weich."
„Und was macht man mit weich?"
„Suppe", sagte Rosa.
Die Laternen lud Rudi auf seinen Karren. „Die kommen auf meinen Kompost", sagte er. „Da werden sie zu Erde. Für die Kürbisse im nächsten Jahr."
Die Eimer kamen in Rosas Schubkarren. Bella Brokkoli und Emil Erbse schoben mit, weil er so schwer war.
In Rosas Backstube war es warm. In der Wand war ein großer Backofen, rund wie eine Höhle. Er war schon seit dem frühen Morgen an.
Rosa stellte den größten Topf auf den Herd. Sie kochte und rührte. Rudi half beim Schneiden.
Dann bekam Bella den ersten Löffel.
Sie pustete. Sie probierte. Sie schluckte tapfer.
„Sag ehrlich", sagte Rosa.
„Es schmeckt nach nichts", sagte Bella leise. „Tut mir leid."
Rosa probierte selbst. Dann Rudi. Bella hatte recht. Die Suppe war dünn wie Wasser und ein bisschen grau.
„Salz", sagte Rosa.
Sie taten Salz hinein. Jetzt schmeckte die Suppe nach nichts und nach Salz.
„Mehr Salz?", fragte Emil.
„Nein", sagte Rosa. „Mehr Salz ist nie die Antwort."
Sie kochte länger. Da wurde die Suppe noch grauer.
Rosa setzte sich auf den Mehlsack und ließ die Arme hängen. Auf ihrer Schürze waren lauter orange Flecken.
„Ich hab es kaputt gemacht", sagte sie.
Draußen wurde es schon dunkel.
Bella schaute sich in der Backstube um. Sie schaute auf den Topf. Und dann auf die große Höhle in der Wand.
„Rosa", sagte sie. „Warum ist der Ofen den ganzen Tag warm? Da ist ja gar nichts drin."
Rosa schaute auf den Ofen.
Rudi schaute auf den Ofen.
„Meine Oma", sagte Rudi langsam, „hat Kürbis nie gekocht. Die hat ihn immer gebacken. Im Wasser wird er dünn. Im Ofen wird er süß. Kürbis ist Ofen."
Rosa stand ganz langsam auf.
„Rudi", sagte sie. „Ich bin eine Bäckerin. Und ich habe den ganzen Tag gekocht."
Jetzt ging alles schnell. Rosa holte die Bleche. Sie legte alles darauf, was noch in den Eimern war. Öl darüber. Ein bisschen Salz. Und an den Rand die Kerne.
Dann zog sie die dicken Handschuhe an und schob die Bleche in den Ofen.
„Wie lange?", fragte Emil.
„Bis es riecht", sagte Rudi. „Das hat meine Oma immer gesagt. Der Ofen sagt dir Bescheid."
Emil machte den Mund auf. Er wollte sagen, dass das keine richtige Zeit ist.
Dann machte er ihn wieder zu. Er setzte sich vor den Ofen, ganz nah, aber nicht zu nah. Und er wartete. Und schnupperte. Und wartete.
Und dann roch es.
Süß und warm und ein bisschen nach Rauch.
„Jetzt!", rief Emil.
Rosa zog die Bleche heraus. Der Kürbis war orange und weich und an den Ecken ein bisschen knusprig.
Der Duft zog aus dem Schornstein über den ganzen Marktplatz. Und dann kamen sie. Erst ein Kind, dann zwei, dann ganz viele. Die Nachbarn kamen auch. Jeder hatte einen Teller in der Hand.
„Ich habe nichts vorbereitet", sagte Rosa erschrocken. „Ich habe keine Tische, keine Becher ..."
„Guck erst mal", sagte Rudi.
Rosa guckte.
Einer brachte Brot. Eine brachte Becher. Jemand hatte eine Kanne Tee dabei und jemand eine Decke.
Die Backstube war viel zu klein. Darum setzten sich alle draußen auf die Stufen vor der Tür.
Bella bekam wieder den ersten Löffel. Alle guckten sie an.
Sie kaute lange. Dann machte sie die Augen zu.
„Jetzt", sagte Bella, „schmeckt es nach Kürbis."
Rudi saß auf der obersten Stufe, den Teller auf den Knien. Er schaute über den Platz.
Die Rathaustreppe war leer. Die Laternen lagen jetzt auf seinem Kompost.
„Sie sind ja nicht weg", sagte er leise. „Sie sind nur was anderes geworden."
Rosa setzte sich neben ihn.
„Ich habe den ganzen Tag mein Rezept gefragt", sagte sie. „Ich hätte den Kürbis fragen müssen."
Rudi lachte leise. „So kann man das auch sagen."
Die Kerne knackten zwischen den Zähnen. Sie waren als Erstes alle.
Emil hielt die leere Schale hoch und guckte hinein.
„Wie viele waren das?", fragte Bella.
„Ganz viele", sagte Emil. „Die zähle ich nächstes Jahr. Gleich am Anfang."
Ende
🤖 Diese Geschichte wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz geschrieben und von einem Menschen geprüft. Mehr dazu