Die Kürbis-Nacht
Vorlese-Fassung · 3–8 Jahre„Was ist denn das?", fragte Polly Pflaume.
Vor ihr auf dem Tisch stand ein Kürbis. Ein riesiger. Er hatte zwei spitze Augen und einen Mund mit spitzen Zähnen.
„Das", sagte Freddy Fenchel, „ist eine Kürbis-Laterne."
Polly machte einen Schritt zurück.
„Der guckt aber böse."
„Ja", sagte Freddy. „Das soll er auch."
Heute war Kürbis-Nacht. Alle Kinder saßen auf dem Marktplatz und machten sich eine Laterne. Sie kratzten das weiche Innere mit großen Löffeln heraus. Sie malten mit dem Stift ein Gesicht auf. Und dann schnitt Freddy das Gesicht aus.
„Das Messer hat nur ein Großer", sagte er. „Das ist die Regel."
Wenn es dunkel wird, gehen alle mit ihrer Laterne einmal um das ganze Dorf. Für Polly war es die allererste Kürbis-Nacht. In ihrem alten Dorf hatte es so ein Fest nicht gegeben.
Freddy setzte sich neben sie.
„Weißt du, warum wir das machen?", fragte er. „Im Herbst wird es früh dunkel. Da ist einem manchmal ein bisschen mulmig. Darum bauen wir uns ein Licht mit Gesicht. Und dann ist das Dunkle nur noch halb so dunkel."
Er nahm einen kleinen Kürbis und schnitt ihm eine schiefe Nase.
Polly musste ein bisschen lachen.
Aber ihr eigener Kürbis blieb ganz glatt.
Am Nachmittag standen überall fertige Laternen. Lauter böse Gesichter.
Polly ging hinter den Brunnen, wo keiner sie sah. Sie setzte sich auf die kleine Bank und schaute auf ihre Füße.
Vielleicht bleibe ich heute Abend einfach zu Hause, dachte sie.
„Da ist sie", sagte Emil Erbse.
Bella Brokkoli und Emil setzten sich rechts und links neben sie. Eine Weile sagte keiner etwas.
Dann fragte Bella: „Wovor genau hast du Angst? Vor dem Dunkeln?"
Polly überlegte.
„Nein", sagte sie. „Vor den Gesichtern. Die gucken alle so böse. Und heute Abend sind sie überall."
Bella nickte. „Und dein Kürbis? Wie guckt der?"
„Der hat noch gar kein Gesicht."
Polly schaute zu den Laternen hinüber. Zähne. Spitze Augen. Böse Münder.
Und dann hatte sie eine Idee.
„Ich mach einen, der lacht", sagte sie.
Polly lief zurück zum Tisch. Bella und Emil kamen mit.
Polly nahm den Stift. Sie malte einen Mund auf den Kürbis. Einen riesigen, breiten Mund, von einem Ohr bis zum anderen.
„Und die Augen?", fragte Bella.
„Rund", sagte Polly. „Ganz rund."
„Das kann ich", sagte Emil.
Er legte seine Lupe auf den Kürbis. Ganz vorsichtig fuhr er mit dem Stift einmal rundherum. Dann noch einmal, auf der anderen Seite. Zwei Kreise, ganz genau gleich groß.
„Perfekt", sagte Emil.
Freddy kam mit dem Messer. Er schnitt ganz langsam, immer am Strich entlang. Polly hielt den Kürbis fest, und Bella hielt den Deckel.
Damit keiner das Gesicht vorher sah, stellte Polly einen Korb davor.
Als es langsam dunkel wurde, war ihr Kürbis fertig.
Alle Kinder trafen sich am großen Baum. In jeder Laterne brannte ein kleines Licht. Hinter den bösen Gesichtern zitterte es.
„Wo ist Polly?", fragte Bella.
Da kam Polly. Sie trug ihre Laterne mit beiden Händen vor sich her.
Alle drehten sich um.
Denn ihr Kürbis war der einzige, der nicht böse guckte.
Er lachte. Mit einem riesigen Mund und zwei runden Augen. Er sah aus, als hätte ihm gerade jemand einen Witz erzählt.
„Der ist ja gar nicht gruselig", sagte ein Kind.
„Nein", sagte Polly. „Vor dem hab ich keine Angst."
„Ich will auch einen, der lacht!", rief ein anderes Kind.
„Nächstes Jahr", sagte Freddy. „Nächstes Jahr darf jeder schnitzen, was er will."
Dann gingen sie los. Einmal um das ganze Dorf. Vorne ging Freddy mit der großen Laterne. Dahinter eine lange Reihe kleiner Lichter, immer zwei Kinder Hand in Hand. Polly ging neben Bella.
Es war gar nicht so dunkel, wie Polly gedacht hatte. Wenn viele Laternen zusammen leuchten, wird die Nacht ziemlich hell.
Und ungefähr auf halbem Weg merkte Polly etwas.
Sie hatte gar keine Angst mehr.
Sie hatte sie unterwegs verloren und nicht einmal gemerkt, wo.
Zurück auf dem Marktplatz stellten alle ihre Laternen auf die breite Treppe vor dem Rathaus. Eine neben der anderen.
Ganz viele böse Kürbisse.
Und einer, der lachte.
„Meiner ist der Ordentlichste", sagte Emil.
„Das ist keine Kategorie", sagte Bella.
Polly setzte sich unten auf die Stufe und schaute hinauf zu ihrem Kürbis.
„Und?", fragte Freddy. „Wie war deine erste Kürbis-Nacht?"
Polly überlegte lange.
„Nächstes Jahr", sagte sie dann, „mach ich zwei."
„Zwei?"
„Einen, der lacht", sagte Polly. „Und einen ganz gruseligen. Damit ich beides mal probiert habe."
Ende
🤖 Diese Geschichte wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz geschrieben und von einem Menschen geprüft. Mehr dazu