Die Laterne, die nicht leuchten wollte
Vorlese-Fassung · 3–8 JahrePFFT.
Die Kerze ging aus.
„Schon WIEDER!", brüllte Matti Mais und knallte seine Laterne auf den Tisch.
Um ihn herum wurde es kurz still. Dann bastelten alle weiter, so wie man weiterbastelt, wenn jemand neben einem laut wird.
Es war drei Tage vor dem Martinsumzug. In der großen Küche von Jakob und Ida standen zwölf Kinder um einen langen Tisch, und überall lagen Papier, Kleber, Draht und Scheren.
Am Ofen saß Otto Oregano. Otto machte die Kerzen an, immer eine nach der anderen, und gab sie weiter. Kerzen macht in Gemüseland kein Kind allein an. Das ist die Regel.
Es roch nach Kleister. Es klebte überall. Und aus dem Ofen kam warme Luft, weil es draußen richtig kalt geworden war.
Auf dem Fensterbrett standen fünf fertige Laternen und leuchteten.
Matti Mais ist der Schnellste von Gemüseland.
Seine Laterne war als Erste fertig gewesen. Sie war rot und gelb und hatte Zacken wie eine Sonne, und Matti war sehr stolz darauf.
Nur brannte sie nicht.
Er holte sich bei Otto eine Kerze. Er stellte sie hinein. Er machte den Deckel zu.
Er zählte bis fünf.
PFFT.
„Vielleicht ist die Kerze kaputt", sagte Matti.
Er holte eine neue. Er stellte sie hinein. Er machte den Deckel zu.
PFFT.
„Vielleicht ist der Faden in der Kerze zu kurz", sagte Matti und holte noch eine.
PFFT.
„Das sind jetzt drei kaputte Kerzen", sagte Matti. „DREI!"
Bella Brokkoli kam vom anderen Tischende herüber.
„Darf ich mal gucken?", fragte sie.
„Nein", sagte Matti.
„Okay", sagte sie und ging wieder. Aber sie ging langsam.
Emil Erbse machte einen Strich auf seinem Zettel. „Kerzen bis jetzt: drei", murmelte er.
„Emil!", sagte Bella.
„Ich zähle doch nur."
Matti riss den Deckel wieder ab, drückte eine vierte Kerze hinein und hielt sie Otto hin.
Diesmal zählte er nur bis drei.
PFFT.
Und dann platzte Matti.
Er stieß den Stuhl zurück, dass er umfiel, und schrie den ganzen Tisch an.
„Alle anderen haben eine, die leuchtet! Ich hab die schnellste gebaut! Und meine ist die einzige, die NICHT GEHT!"
Er schob die Schere vom Tisch. Sie fiel klappernd auf den Boden.
Jetzt war es wirklich still.
Matti stand da, ganz rot im Gesicht, mit hängenden Armen. Ihm liefen fast die Tränen, und das machte alles nur schlimmer.
„Ich will die blöde Laterne gar nicht mehr", sagte er.
Das stimmte nicht. Er wollte sie sehr. Genau deshalb war er ja so wütend.
Keiner sagte etwas. Ein Kind fing leise an zu weinen, weil geschrien worden war, und Bella ging schnell hin.
Jakob Jalapeño stand auf.
Jakob ist sieben und Idas kleiner Bruder. Jakob kennt Wut. Jakob wird nämlich selber ganz schnell wütend, und früher hat er dann auch Sachen geschmissen.
Er ging um den Tisch herum und hob die Schere auf. Er hob sie richtig auf, mit der Spitze nach unten, so wie man das macht.
Dann legte er sie zurück auf den Tisch und stellte sich neben Matti.
„Komm mal mit raus", sagte er.
„Ich will nicht raus."
„Nur bis zur Tür."
Matti ging bis zur Tür.
Draußen war es kalt und dunkelblau, und man sah den Atem. Über dem Feld stand schon der Mond, ganz dünn.
Matti machte die Arme zu. „Was soll das jetzt."
„So", sagte Jakob. „Jetzt dreimal tief."
„Was?"
„Dreimal tief einatmen. Und wieder raus."
Matti atmete dreimal tief ein und wieder aus. Beim dritten Mal wurde es schon ein bisschen leichter, aber das gab er nicht zu.
„Und jetzt drei Lieblingsgerichte", sagte Jakob.
„Das ist doch Quatsch."
„Drei", sagte Jakob.
Matti überlegte. „Nudeln", sagte er. „Und Kartoffelpuffer. Und … Nudeln."
Vom Fenster her rief Arvid Artischocke: „Ich hab aber sieben Lieblingsgerichte!"
„Du sollst nicht lauschen", riefen Jakob und Matti gleichzeitig.
„Das sind zwei."
„Kartoffelpuffer zählen doppelt."
Jakob nickte ernst. „Geht in Ordnung."
Und dann musste Matti lachen. Ganz kurz nur, aber er lachte.
„Woher kennst du das?", fragte er.
„Von Ida", sagte Jakob. „Die hat mir das mal gezeigt, als ich richtig sauer war. Ich hab damals auch was geschmissen."
„Du?"
„Ich", sagte Jakob. „Und dann hat sie sich neben mich gesetzt und nichts gesagt, bis ich wieder reden konnte."
Matti schaute auf seine Schuhe. „Ich hab die Schere runtergeschmissen."
„Ja", sagte Jakob. „Das sagst du ihr nachher."
Sie gingen wieder rein.
Matti stellte den Stuhl auf und hob die Schere auf. Zu Bella sagte er: „Tschuldigung. Und du darfst jetzt doch mal."
Bella nahm die Laterne.
Sie machte gar nichts Kluges. Sie guckte nur.
Sie drehte die Laterne einmal ganz herum. Sie hielt sie gegen das Licht. Sie schaute von unten hinein und dann von oben.
„Wie hast du sie gebaut?", fragte sie.
„Schnell", sagte Matti.
„Und dann?"
„Zugeklebt. Damit sie ordentlich aussieht. Ich hab jeden kleinen Spalt zugeklebt."
Bella hob den Kopf.
„Jede?"
„Jede", sagte Matti stolz. „Oben, unten, an den Zacken. Bei mir kommt kein bisschen Wind rein."
Bella stellte die Laterne ab.
„Weißt du, was eine Kerze zum Brennen braucht?", fragte sie.
„Feuer", sagte Matti.
„Und Luft", sagte sie. „Ohne Luft geht sie aus. Immer."
Matti schaute seine Laterne an. Ganz oben, ganz sauber zugeklebt, war der Deckel.
„Oh", sagte er.
Er wusste das ja alles. Er hatte es nur nicht gemacht.
Und dann sagte er den Satz, den er sich damals bei der Kartoffelernte selbst beigebracht hatte:
„Erst gucken. Dann graben."
Er nahm die Schere und schnitt ein rundes Loch in den Deckel. Nicht schnell. Sehr langsam.
Dann ging er zu Otto und hielt ihm die Kerze hin.
Otto machte sie an. Matti stellte sie hinein und machte den Deckel zu.
Er zählte bis fünf. Bis zehn. Bis zwanzig.
Die Laterne leuchtete rot und gelb durch die Zacken, wie eine kleine Sonne mitten in der Küche.
„Da", sagte Matti leise.
Er sagte es so leise, dass es fast keiner hörte. Aber alle zwölf Kinder guckten hin.
Zum Ausprobieren gingen alle zwölf einmal um den Garten, ganz langsam, mit den Laternen in der Hand.
Mattis Laterne war nicht die schönste.
Aber sie war die Einzige, die die ganze Runde durchhielt.
Zwei Laternen gingen unterwegs aus. Da blieb Matti stehen. Er wollte schon losreden, ganz schnell, so wie immer.
Dann machte er den Mund noch mal zu.
„Guck erst", sagte er zu den beiden. „Nicht schnell. Guck erst mal oben drauf."
Die beiden guckten. Und dann fanden sie es selber.
Und seitdem ist das in Gemüseland so:
In jeden Laternendeckel kommt oben ein Loch. Sonst geht die Kerze aus.
Manche Kinder nennen es das Mattiloch. Matti findet das großartig.
Ganz hinten in der Reihe gingen Jakob und Ida nebeneinander.
„Du hast ihm meinen Trick gegeben", sagte Ida.
„Ja", sagte Jakob. „War der noch deiner?"
Ida dachte kurz nach.
„Nein", sagte sie. „Der ist jetzt seiner."
Und weiter vorne rief Matti: „Meine brennt IMMER NOCH!"
Drei Tage später, beim großen Umzug, brannte sie auch die ganze Runde.
Ende
🤖 Diese Geschichte wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz geschrieben und von einem Menschen geprüft. Mehr dazu