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Der Vogel am Fenster

Vorlese-Fassung · 3–8 Jahre

TOCK.

Greta Gurke schaute auf.

TOCK. TOCK.

Es kam vom Küchenfenster. Draußen war es grau, und es war Ende November, und da klopft eigentlich niemand ans Fenster.

Greta ging hin. Ganz langsam, weil sie nichts kaputtmachen wollte.

Auf dem Fensterbrett saß ein Vogel. Er war klein und braun und ganz dick und rund, und er klopfte mit dem Schnabel gegen die Scheibe.

Als Greta näher kam, flog er weg.

Am nächsten Morgen war er wieder da.

TOCK. TOCK. TOCK.

Greta blieb diesmal stehen und rührte sich nicht. Der Vogel klopfte weiter. Er schaute dabei nicht einmal hin. Er klopfte einfach, als wäre das seine Arbeit.

Nach einer Weile flog er weg.

Und am Morgen danach war er wieder da.

Greta Gurke schreibt gern Listen. Also schrieb sie eine.

Montag: da. Dienstag: da. Mittwoch: da, zweimal.

„Er will was", sagte sie.

„Er hat Hunger", sagte Christel Chicoree, die gerade vorbeikam. „Draußen ist alles hart gefroren. Die Würmer sind tief unten, und Beeren gibt es auch keine mehr."

„Dann füttern wir ihn", sagte Greta.

„Dann füttern wir ihn", sagte Christel. „Aber richtig."

„Wieso richtig?", fragte Greta. „Man legt doch einfach was hin."

Christel setzte sich an den Tisch.

„Drei Sachen musst du wissen", sagte sie. „Erstens: Wenn du anfängst, machst du weiter. Bis zum Frühling. Er verlässt sich sonst auf dich. Und dann kommt er, und es ist nichts da."

Greta nickte langsam. Das war ihr vorher nicht eingefallen.

„Zweitens: nichts Salziges und keine Brotkrümel. Körner. Zum Beispiel Hirse."

„Und drittens?"

„Drittens ist das Wichtigste", sagte Christel. „Aber das zeige ich dir lieber draußen. Warte, bis ich vom Teich zurück bin, dann suchen wir zusammen die Stelle."

„Die Stelle?", fragte Greta.

„Die Stelle", sagte Christel und zog ihre Jacke an.

Greta hielt es nicht aus.

Christel musste noch zum Teich, und bis sie zurückkam, würde es dunkel sein. Und der Vogel hatte doch jetzt Hunger, nicht heute Abend.

Sie holte sich bei Hanna eine Schale Hirse — Hanna hat davon immer welche, das liegt am Namen — und stellte sie noch am selben Nachmittag auf einen alten Blumentopf unter dem Fenster.

Der Topf stand niedrig. Er stand schön. Man konnte vom Küchenfenster aus wunderbar zugucken.

Und er stand direkt neben der Hecke.

Am nächsten Morgen kam der Vogel.

Er setzte sich auf den Rand. Er pickte einmal.

Und dann schoss aus der Hecke etwas Graues heraus.

Es ging so schnell, dass Greta hinterher gar nicht mehr wusste, was sie zuerst getan hat.

Sie schrie.

Sie klopfte mit beiden Händen an die Scheibe, so laut, dass das ganze Fenster wackelte.

Der Vogel machte einen Satz nach oben. Eine Feder blieb liegen. Die Katze vom Nachbarn landete genau da, wo er gesessen hatte, und schaute sich um, als wäre nichts gewesen.

Greta stand am Fenster und zitterte.

Der Vogel war weg.

Und die Schale mit der Hirse stand immer noch da, genau so schön, wie sie sie hingestellt hatte.

Christel kam angerannt, weil sie den Schrei bis zum Gartentor gehört hatte.

Greta konnte erst gar nichts sagen.

„Ich hab ihn hingelockt", sagte sie dann. „Genau dahin, wo die Katze wartet. Ich hab ihm eine Falle gebaut. Ich wollte doch helfen."

Christel hockte sich neben sie.

„Und was war das Dritte?", fragte sie leise.

„Ich weiß es nicht", sagte Greta. „Du hast es mir nicht gesagt."

„Nein", sagte Christel. „Ich hätte es dir zuerst sagen sollen. Das war mein Fehler."

„Und ich hätte auf dich warten sollen", sagte Greta. „Das war meiner."

Sie schaute hinaus zu dem niedrigen Topf neben der Hecke.

„Das Dritte ist: Wo du es hinstellst, ist wichtiger als was drin ist."

Am selben Nachmittag bauten sie ein richtiges Futterhaus.

Bella Brokkoli sägte das Brett. Emil Erbse maß nach, ob das Dach überall gleich weit rausguckt. Es guckte nicht überall gleich weit raus. Also fing er noch mal von vorn an.

Und Greta schrieb wieder eine Liste. Aber diesmal keine Liste mit Tagen.

Eine Liste mit Fragen. Bella half ihr dabei, denn Fragen ordnen kann Bella am besten.

Kann die Katze hochspringen?
Kann sie von oben drauf?
Sieht der Vogel, wenn was kommt?

Sie gingen jede Frage einzeln durch.

Beim ersten Versuch hängten sie es zu dicht am Stamm.

Emil legte sich flach ins Gras und schaute von unten hoch. „Da komme ich mit drei Schritten hin", sagte er. „Und ich bin keine Katze."

Also noch mal.

Beim zweiten Versuch hängten sie es an den langen Ast vom alten Birnbaum hinter Gretas Küche, weit weg von der Hecke und weit weg vom Stamm.

Hoch genug, dass keine Katze hochspringt.

Weit genug vom Stamm, dass keine hinunterklettern kann.

Und frei genug, dass der Vogel von oben sieht, wenn etwas kommt.

Dann warteten sie.

Eine Stunde lang kam nichts.

Zwei Meisen kamen. Ein Spatz kam. Der Braune kam nicht.

Es wurde dunkel, und Greta stand immer noch am Fenster.

„Er kommt nicht wieder", sagte sie. „Er hat es sich gemerkt."

„Vielleicht", sagte Christel. „Vögel merken sich viel."

Am nächsten Morgen war das Fensterbrett leer. Kein TOCK. Nichts.

Greta ging nicht zur Schule, ohne noch dreimal hinauszuschauen.

Und dann, kurz vor acht, kam er doch.

Nicht sofort. Erst setzte er sich weit oben in den Birnbaum und schaute lange nach unten. Dann eine Stufe tiefer. Dann noch eine.

Und dann saß er im Futterhaus und fraß Hirse, als hätte er nie etwas anderes gemacht.

Greta stand am Fenster und rührte sich nicht, damit er nicht erschrickt.

„Nicht anfassen, nicht hingehen", sagte sie leise. „Nur gucken. Wie bei Pieks."

„Genau wie bei Pieks", sagte Christel.

Seitdem hängt an dem alten Birnbaum ein Futterhaus.

Es wird jeden Morgen aufgefüllt, den ganzen Winter durch, bis es draußen wieder weich wird. Wer anfängt, macht weiter — das ist die Regel.

Greta hat einen Plan geschrieben, wer wann dran ist. Emil hat ihn abgeschrieben, weil er ihn ordentlicher findet, und Greta hat ihn trotzdem wieder aufgehängt.

Der Plan hängt in der Küche, und ganz oben steht in großen Buchstaben:

NICHT NEBEN DIE HECKE.

Und die Katze vom Nachbarn?

Die sitzt jetzt jeden Morgen unter dem Birnbaum und schaut nach oben.

Und oben sitzt der Vogel und schaut nach unten.

Und beide finden, dass das für den anderen ziemlich blöd ist.

Ende

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🤖 Diese Geschichte wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz geschrieben und von einem Menschen geprüft. Mehr dazu