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Wer war am Stiefel?

Vorlese-Fassung · 3–8 Jahre

Am Morgen des sechsten Dezember standen vor jeder Haustür in Gemüseland Stiefel.

Und in jedem Stiefel war etwas drin.

In Hannas eine Handvoll Nüsse. In Fridas ein Apfel. In Idas ein kleines Päckchen, in das jemand ein Band gebunden hatte. In Laras Stiefel lagen drei Kastanien, obwohl Lara Kastanien noch gar nicht essen darf.

Nirgendwo stand, von wem.

Um acht Uhr war das ganze Dorf auf der Straße, und alle stellten dieselbe Frage.

„Wer war das?"

Bella Brokkoli und Emil Erbse standen mitten auf dem Marktplatz.

Bella ist die Detektivin, die die Hinweise ordnet. Emil ist der, der misst und zählt. Zusammen sind sie die Gemüsepolizei, und ein Fall ist ein Fall.

„Wir kriegen das raus", sagte Emil und holte seinen Zettel heraus. „Vor dem Mittagessen."

Der Schnee lag frisch. In der Nacht hatte es geschneit und dann aufgehört, und das ist für einen Detektiv das Beste, was es gibt.

Denn in frischem Schnee sieht man jeden Schritt.

Sie fingen bei Hannas Tür an.

Da waren Spuren. Große Spuren, tief eingedrückt, von der Tür bis zum Weg.

„Das war ein Erwachsener", sagte Emil sofort. „Groß und schwer."

Dann hielt er an.

„Warte", sagte er. „Falsch. Die Spuren sagen, dass es ein Erwachsener war. Ob es einer war, weiß ich noch nicht."

So macht Emil das seit der Sache mit den Uhren im Oktober.

Bella grinste und sagte nichts.

Sie gingen den Spuren nach.

Über den Weg. Um die Ecke. An der Hecke entlang. Emil ging vorn und zählte die Schritte, Bella ging daneben und schaute nach links und rechts.

Die Spuren führten geradeaus über den ganzen Platz.

Und dann hörten sie mitten auf dem Marktplatz auf.

Einfach so.

„Das gibt es nicht", sagte Emil.

Er ging um die Stelle herum. Er kniete sich hin. Er maß nach.

Die Spuren gingen bis zum Brunnen. Dort war der Schnee ganz platt getreten. Zwanzig Leute hatten morgens Wasser geholt.

„Der Brunnen macht alles kaputt", sagte Emil ärgerlich.

„Dann nehmen wir andere Spuren", sagte Bella.

Sie nahmen andere Spuren. Die von Fridas Tür. Die von Idas Tür. Die von Mattis Tür.

Alle gingen zum Brunnen.

Alle hörten dort auf.

Sie versuchten es von der anderen Seite: erst zum Brunnen, dann rückwärts.

Am Brunnen sah alles gleich aus. Da waren Spuren von Stiefeln, von Schuhen, von einem Wagen und von Arvid, der dort morgens ausgerutscht war. Man konnte genau sehen, wo er gesessen hatte.

Aber welche Spur von wo kam, sah man nicht mehr.

Am Mittag hatte Emil siebzehn Türen abgelaufen und war nass bis zu den Knien.

„Ich hab nichts", sagte er, und das sagt Emil ungefähr einmal im Jahr.

Bella setzte sich auf den Brunnenrand.

„Dann machen wir es anders", sagte sie. „Wir fragen nicht: Wer war es? Wir fragen: Wer war es NICHT?"

Und sie fingen an zu fragen.

„Warst du das?"

„Nein."

„Warst du das?"

„Nein."

Siebzehnmal Nein.

„Einer davon lügt", sagte Emil.

„Oder", sagte Bella langsam, „keiner."

Aber sie kam noch nicht darauf, was das heißen könnte.

Und dann kam Emil auf etwas.

„Rudi", sagte er.

Alle drehten sich um.

Rudi Rotkohl ist der Älteste im Dorf. Rudi hat große Füße. Rudi hat große gelbe Gummistiefel. Und Rudi steht immer als Erster auf.

„Zeig mal deine Stiefel", sagte Emil.

Rudi zeigte seine Stiefel.

Sie passten genau in die Spuren vor Hannas Tür.

Es wurde ganz still auf dem Marktplatz.

„Du warst das!", rief Arvid. „Alle Stiefel! Du warst das!"

Till Tomate zog ihn am Ärmel. „Warte mal", sagte er. „Erst gucken, ob es überhaupt stimmt."

„Sag doch was, Rudi!", rief trotzdem jemand.

„Rudi! Jetzt sag es doch einfach!"

Rudi stand da, machte den Mund auf und wieder zu und wurde ganz rot im Gesicht.

Und dann drängelte sich Polly Pflaume nach vorn und stellte sich neben ihn.

„Er muss gar nichts sagen", sagte sie.

„Aber —"

„Nein", sagte Polly. Sie sagte es ganz laut, so wie sie es im Herbst geübt hat. „Er darf Nein sagen. Und ihr fragt trotzdem weiter."

Dann drehte sie sich zu Rudi um und sagte leiser: „Du darfst das wirklich. Einfach Nein sagen. Ich hab das geübt, das geht."

Es wurde noch mal still.

„Danke", sagte Rudi leise. „Aber ich sag es gleich sowieso. Ich brauch nur einen Moment."

Aber Bella hatte etwas gesehen, während vorne alle redeten.

„Ich guck kurz bei Rudi", hatte sie Emil zugerufen. Dann war sie losgegangen.

Und vor Rudis Haustür stand auch ein Stiefel.

Ein großer gelber. Und darin lagen ein Stück Kuchen, ein Tannenzweig und eine kleine Tüte mit gerösteten Kürbiskernen.

Bella kam zurück auf den Marktplatz und sagte nur einen Satz.

„Rudi hat auch was im Stiefel."

Und dann fingen alle an zu erzählen.

„Ich hab bei Rudi was reingetan", sagte Rosa Rosenkohl vorsichtig. „Den Kuchen."

„Ich den Zweig", sagte Otto.

„Und ich die Kerne", sagte Hanna. „Ich dachte, das merkt keiner."

„Und ich war bei Hanna", sagte Rudi endlich. „Nur bei Hanna. Mehr war ich nicht."

„Ich war bei Ida", sagte Frida.

„Ich bei Frida", sagte Ida.

„Ich bei Lara", sagte Niki.

„Ich auch bei Lara", sagte Christel.

„Deshalb waren es drei Kastanien", sagte Emil und schrieb mit.

„Und woher kommt das überhaupt?", fragte Frida.

„Bei uns hat man das früher so gemacht", sagte Polly. „Ich hab es letztes Jahr einmal erzählt. Mehr nicht."

Am Ende hatte Emil eine Liste, und auf der Liste war jeder einmal drauf.

Jeder hatte einen Stiefel gefüllt. Und jeder hatte einen vollen Stiefel gefunden.

Und keiner hatte gewusst, dass die anderen es auch tun.

Emil schaute lange auf seinen Zettel.

„Das ist kein Fall", sagte er.

„Doch", sagte Bella. „Es ist der beste, den wir hatten. Es war nur nie etwas Schlimmes."

Nur eine Sache blieb übrig.

In Bellas Stiefel lag am Morgen ein winziges Pferd aus Holz. Jemand hatte es geschnitzt. Es hatte eine ganz schiefe Mähne.

Auf Emils Liste stand niemand, der Bellas Stiefel gefüllt hatte.

Emil ging alles noch dreimal durch. Er zählte die Namen. Er zählte die Stiefel. Er fragte sogar Lara, was natürlich nichts brachte.

Es passte nicht.

„Ich finde es raus", sagte er. „Ich brauche nur noch ein bisschen."

„Emil", sagte Bella.

„Was?"

„Lass es."

Emil riss die Augen auf. „Aber es ist ein LOCH in meiner Liste."

„Ja", sagte Bella und steckte das Holzpferd in die Tasche. „Ein schönes."

Seitdem ist das in Gemüseland so:

In der Nacht auf den sechsten Dezember stellt jeder einen Stiefel vor die Tür.

Und jeder füllt heimlich einen anderen.

Und niemand sagt, welchen.

Emil hat übrigens nie herausgefunden, wer das Holzpferd geschnitzt hat.

Er sagt, er weiß es genau. Er sagt es nur nicht.

Wir glauben ihm kein Wort.

Ende

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🤖 Diese Geschichte wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz geschrieben und von einem Menschen geprüft. Mehr dazu