Licht im leeren Haus
Vorlese-Fassung · 3–8 JahreAm Bach steht ein Haus, in dem keiner wohnt.
Es ist klein und hat ein schiefes Dach. Durch die Fenster kann man kaum gucken, so staubig sind sie. Vor der Tür liegt der Schnee so, wie er gefallen ist. Da macht niemand den Schnee weg.
Am dritten Advent kam Hanna Hirse über die Brücke gerannt.
„Da ist Licht drin!", rief sie. „Im leeren Haus! Schon zwei Abende hintereinander!"
Rudi Rotkohl stellte sich hin, so wie er sich immer hinstellt, wenn etwas Wichtiges passiert.
„Das ist ein Fall für die Gemüsepolizei."
Emil Erbse holte seinen Zettel aus der Jacke.
„Wann war das Licht an?", fragte er.
„Beide Male, als wir gegessen haben", sagte Hanna.
Emil schrieb es auf. Und die Uhrzeit dazu. Die schreibt er immer dazu.
„Und jetzt gucken wir uns das Haus an", sagte Bella Brokkoli. „Zu zweit. Keiner geht allein zum Bach."
Vor der Tür war der Schnee platt gedrückt. Hin und her, viele Male.
Und da lag noch etwas: kleine dünne Locken aus Holz. So etwas fällt runter, wenn jemand mit einem Messer an einem Stück Holz arbeitet.
Emil legte eine auf seinen Zettel.
Bella klopfte. Niemand machte auf.
Sie legte das Ohr an die Tür. Drinnen war es still. Ganz still.
Und dann fiel drinnen etwas um. KLONK.
Bella und Emil rannten bis zur Brücke, ohne einmal stehen zu bleiben.
„Ich bin nur mitgerannt", sagte Emil.
„Ich auch", sagte Bella.
Am Abend saß das halbe Dorf bei Rosa in der Backstube.
Emil las vor, was auf seinem Zettel stand. „Licht am Abend. Spuren vor der Tür. Locken aus Holz. Und drinnen macht es KLONK."
Bella guckte zum Fenster. Draußen schneite es.
„Da wohnt einer", sagte sie. „Da drin sitzt einer, der kein Zuhause hat."
„Im Winter?", sagte Otto Oregano. „In einem Haus ohne Ofen?"
„Dann ist dem kalt", sagte Hanna.
Otto kochte Suppe, und zwar viel. Rosa packte Brot ein. Greta holte zwei Decken, Rudi holte drei. Dann gingen sie alle zusammen zum Bach, und alle klopften, und Hanna rief:
„Hallo? Wir haben Suppe!"
Im Fenster war Licht.
Dann war es aus.
Niemand machte auf.
Sie standen noch lange da. Die Suppe wurde kalt.
Am nächsten Abend blieb das Fenster dunkel.
Am Abend danach auch.
Und am Abend danach auch.
Bella saß auf der Treppe vorm Rathaus. Auf ihrem Schoß lag eine Decke. Eine von Rudis.
„Wir haben ihn verjagt", sagte sie.
Emil setzte sich neben sie und guckte auf seinen Zettel. Er guckte lange.
Dann stand er auf.
„Bella. Das Licht war immer um sechs an."
„Ja."
„Um sechs essen alle. Um sechs ist kein Einziger draußen. Und als wir alle kamen, ging es aus." Emil hielt den Zettel hoch. „Wenn man in einem Haus wohnt, macht man Licht an, wenn es dunkel wird. Der da macht Licht an, wenn keiner guckt."
Bella legte die Decke weg.
„Dann wohnt der da gar nicht", sagte sie.
„Nein", sagte Emil. „Der arbeitet da. Und keiner soll es sehen."
Am Nachmittag gingen sie zu Otto.
„Wir brauchen einen Großen", sagte Bella. „Es wird früh dunkel."
„Was habt ihr vor?", fragte Otto.
„Nichts", sagte Bella. „Genau das ist der Plan."
Diesmal nahmen sie keine Suppe mit und keine Decken. Emil schrieb nur einen Zettel. Einen einzigen Satz, ganz groß:
WIR GUCKEN NICHT.
Bella legte den Zettel auf die Stufe vor der Tür und einen Stein darauf, damit er nicht wegfliegt.
Dann setzten sich die drei auf die Mauer gegenüber. Mit dem Rücken zum Haus. Und sagten nichts.
Es wurde dunkel. Es wurde kalt. Emils Füße wurden kalt, und Emil zählte leise bis hundert und dann noch einmal.
Um sechs ging im Fenster das Licht an.
Hinter ihnen ging die Tür auf. Nur ein Stück.
„Ihr sitzt falsch herum", sagte eine Stimme. „Man sitzt nicht mit dem Rücken zu einem Haus."
Bella kannte die Stimme sofort. Und den langen dunklen Mantel mit der Kapuze auch.
„Dr. Dunkel!"
„Guten Abend", sagte Dr. Dunkel und guckte auf seine Füße.
Drinnen stand ein Tisch. Überall lagen Locken aus Holz. Und in der Mitte lag ein Haufen Sterne.
Sterne aus Holz, klein, mit fünf Spitzen, und in jeder Spitze ein Loch für ein Band.
„Für jedes Haus einer", sagte Dr. Dunkel. „Achtunddreißig."
Emil ging um den Tisch herum und zählte nach.
„Siebenunddreißig. Und der hier hat noch keine Spitze."
„Ich weiß", sagte Dr. Dunkel. „Der wird nichts mehr."
„Warum machst du das hier?", fragte Bella. „Und nicht bei dir im Wald?"
Dr. Dunkel zog die Kapuze ein bisschen nach vorn.
„Ihr habt gesagt, ihr kommt bald wieder", sagte er. „Damals, im Wald. Da habe ich gewartet. Und dann habe ich gedacht: Dann komme ich eben ein Stück näher. Aber nur, bis die Sterne fertig sind."
Bella wurde ganz rot.
„Wir haben gesagt, wir kommen wieder", sagte sie leise. „Und dann haben wir dich nie besucht. Das tut mir leid."
Dr. Dunkel sagte nichts.
Emil zählte nicht weiter.
Dann fragte Bella: „Darf ich den halten? Den ohne Spitze?"
Dr. Dunkel gab ihn ihr.
„Kommst du mit auf den Marktplatz?", fragte Otto. „Morgen Abend ist da Feuer."
„Mal sehen", sagte Dr. Dunkel.
Und dann machte er die Tür wieder zu.
Sie gingen zu dritt über die Brücke zurück.
„Fall gelöst", sagte Emil.
Aber er sagte es ganz leise. Sonst sagt er es immer ganz laut.
Am nächsten Morgen hing an jeder Tür in Gemüseland ein Stern aus Holz an einem Band. An Hannas Tür. An Rosas Tür. An Rudis Tür.
Nur an Bellas Tür nicht. Ihr Stern hatte keine Spitze, und sie hatte ihn in der Tasche.
Am Abend brannte auf dem Marktplatz das Feuer. Otto hatte wieder Suppe gekocht, und zwar viel.
Bella legte ihren Stern auf die Bank am Brunnen.
„Der Platz ist frei", sagte sie. „Für einen, der vielleicht noch kommt."
Keiner setzte sich dahin.
Das Feuer wurde kleiner. Lara schlief auf Rudis Schoß ein.
Und dann setzte sich einer auf den freien Platz. Einer mit einem langen dunklen Mantel und Kapuze.
Dr. Dunkel.
Keiner sagte etwas. Otto gab ihm einen Teller Suppe.
Diesmal war sie heiß.
Ende
🤖 Diese Geschichte wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz geschrieben und von einem Menschen geprüft. Mehr dazu