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Ein Licht für alle

Vorlese-Fassung · 3–8 Jahre

Um vier Uhr am Nachmittag ging das Licht aus.

Nicht ein Licht. Alle.

Die lange Kette mit den kleinen Lampen hing quer über den ganzen Platz. Von der Rathaustreppe bis zum großen Baum. Eine Sekunde lang war sie noch da.

Dann war sie weg.

Und mit ihr der halbe Platz.

Rudi Rotkohl stand mitten drin und hielt das Kabel in der Hand.

Rudi hängt diese Kette seit sechzig Ernten auf. Immer am Morgen des vierundzwanzigsten. Immer dieselbe Kette.

„Sie war heute Mittag noch an", sagte er.

Ida Ingwer kam angelaufen. Ida ist acht und will alles genau wissen, und deshalb fragte sie sofort:

„Ist eine kaputt oder alle?"

„Alle", sagte Rudi.

„Dann ist es nicht eine Lampe", sagte Ida. „Dann ist es die Kette."

„Als Erstes", sagte Rudi, „kommt der Stecker raus. Immer. Solange der drinsteckt, fasst hier keiner was an."

Er ging zum Rathaus und zog den Stecker.

Dann suchten sie.

Zuerst dachten sie, es liegt an einer einzigen Lampe. Sie tauschten drei Stück aus. Es half nichts.

Dann dachten sie, der Stecker sitzt vielleicht nur schief. Rudi steckte ihn noch einmal rein, ganz kurz. Es blieb dunkel. Er zog ihn sofort wieder raus.

Also gingen sie zu zweit die ganze Kette durch, Meter für Meter, und Ida hielt jede einzelne Lampe hoch ins letzte Tageslicht.

An einer Stelle, oben am Baum, war das Kabel dunkelbraun und ganz weich, und es waren kleine Risse drin.

Ida griff danach.

Rudi hielt ihre Hand fest.

„Auch jetzt nicht", sagte er. „Der Stecker ist raus, und trotzdem fasst du das nicht an. Bei so was holt man immer einen Großen."

Dann schaute er sich das kaputte Stück selbst an.

„Die ist alt", sagte er. „So alt wie ich."

Draußen wurde es schnell dunkel. Am vierundzwanzigsten Dezember ist es schon um halb fünf so dunkel wie sonst um sieben.

Um fünf kamen die Ersten.

Am vierundzwanzigsten Dezember kommt in Gemüseland abends das ganze Dorf auf den Marktplatz. Es wird gesungen, es gibt heißen Saft, und über allem hängt die Lichterkette.

So war das immer.

Heute standen sie im Dunkeln.

„Kann man die nicht reparieren?", fragte jemand.

„Nicht heute", sagte Rudi.

„Und ein anderes Kabel?"

„Wir haben kein anderes."

„Dann machen wir eben Feuer auf dem Platz!", rief Arvid.

„Nein", sagten Otto und Christel gleichzeitig.

„Nicht mitten zwischen achtzig Leuten", sagte Otto. „Nicht heute Abend."

Es wurde nicht laut. Es wurde still, und das war schlimmer.

Er setzte sich auf die unterste Stufe der Rathaustreppe.

Er sagte lange nichts.

„Sechzig Mal", sagte er dann. „Sechzig Mal hab ich das gemacht. Und ausgerechnet heute."

Ida setzte sich neben ihn.

Sie wollte fragen, warum das Kabel ausgerechnet heute kaputtgegangen ist. Und wie lange so eine Kette überhaupt hält.

Sie fragte nichts davon.

Sie hatte im November gelernt, dass man auch etwas herausfinden kann, indem man länger guckt.

Also guckte sie.

Sie guckte auf den dunklen Platz.

Sie guckte die Leute an, die herumstanden und nicht wussten, ob sie wieder nach Hause gehen sollen.

Und dann guckte sie an ihnen vorbei, an den Häusern hoch.

In den Fenstern war Licht. In fast jedem Fenster.

Und in fast jedem Fenster stand etwas.

Die Papierlaternen vom Umzug im November. Bunt, ein bisschen zerknittert, und in jedem Deckel oben ein rundes Loch, seit Matti das herausgefunden hatte.

Ida stand so schnell auf, dass Rudi einen Schreck bekam.

„Rudi", sagte sie. „Wie viele Häuser haben wir?"

„Was?"

„Wie viele Häuser."

Er rechnete kurz. „Achtunddreißig."

„Und in fast jedem Haus", sagte Ida, „steht noch eine Laterne vom Umzug. Guck doch mal in die Fenster."

Er schaute sie an.

Dann stand er auch auf.

Bella Brokkoli stellte sich auf die oberste Stufe.

„Wer am Brunnen wohnt, geht die Brunnenseite!", rief sie. „Wer am Feld wohnt, die Feldseite. Und einer klingelt bei allen, die heute Abend nicht draußen sind."

So macht Bella das. Sie ordnet erst, und dann läuft es.

Es dauerte eine halbe Stunde.

Nicht alles ging sofort. Elf Laternen waren so zerdrückt, dass sie auseinanderfielen, als man sie hochhob. Und bei vielen war die Kerze ganz heruntergebrannt.

„Dann haben wir zu wenig", sagte Emil.

„Dann holen wir aus dem Schuppen die Papierlaternen dazu, die keiner abgeholt hat", sagte Ida.

Alle liefen los, jeder zu sich nach Hause, und keiner musste erklären, warum.

Sie kamen zurück mit Laternen unter dem Arm. Manche mit zweien. Arvid kam mit vier und ließ unterwegs eine fallen, aber die war aus Blech.

Otto Oregano ging von einem zum anderen und machte die Kerzen an. Feuer machen in Gemüseland die Großen, immer, und an diesem Abend hatte Otto sehr viel zu tun.

Christel stellte die Laternen auf. Nicht in einer Reihe.

Sie stellte sie so hin, wie sie kamen.

Und dann stand Ida auf der obersten Stufe und schaute nach unten.

Der ganze Marktplatz war voller kleiner Lichter.

Auf den Stufen. Auf dem Brunnenrand. Auf den Fensterbänken. Auf dem Boden im Kreis um den großen Baum herum, wo im Sommer das Schaukelbrett hängt.

Es war nicht so hell wie mit der Kette.

Es war ganz anders hell. Das Licht zitterte. Es kam von unten in die Gesichter, und alles sah größer aus, als es ist.

„Das ist schöner", sagte Ida leise.

„Sag das nicht so laut", sagte Rudi. „Sonst kaufe ich nie wieder eine Kette."

Sie sangen an diesem Abend länger als sonst.

Lara Linse saß auf Idas Schoß und zeigte auf jedes einzelne Licht, und bei ungefähr dem zwölften schlief sie ein.

Emil Erbse zählte natürlich.

„Vierundsechzig", sagte er irgendwann. „Vierundsechzig Laternen. Die Kette hatte sechzig Lampen."

„Vier mehr", sagte Bella. Sie hatte den ganzen Abend Laternen von Haus zu Haus getragen und ihre Jacke voller Wachsflecken.

„Vier mehr", sagte Emil zufrieden.

Als die Ersten nach Hause gingen, ging Otto herum und machte die Kerzen aus. Immer ein Großer, immer als Letztes, so wie es sich gehört.

Spät am Abend saß Rudi immer noch auf seiner Stufe.

Ida brachte ihm einen Becher.

„Weißt du, was ich gedacht habe, als sie ausgegangen ist?", sagte Rudi. „Ich habe gedacht: Jetzt fällt es aus."

„Und jetzt?"

Er schaute über den Platz mit den vierundsechzig Lichtern.

„Jetzt denke ich", sagte er, „ich hätte mal fragen sollen, was wir haben. Statt zu jammern, was kaputt ist."

Die alte Kette liegt seitdem im Schuppen. Rudi hat sie nicht weggeworfen.

Und am vierundzwanzigsten Dezember bringt in Gemüseland jetzt jeder seine eigene Laterne mit auf den Marktplatz.

Achtunddreißig Häuser, und immer ein paar mehr Lichter als Häuser.

Weil immer jemand zwei mitbringt.

Für den, der keine hat.

Ende

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🤖 Diese Geschichte wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz geschrieben und von einem Menschen geprüft. Mehr dazu