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Freddys Stöcke

Vorlese-Fassung · 3–8 Jahre

Wenn Freddy Fenchel von einer Reise zurückkommt, rennt ganz Gemüseland zu seinem Rucksack.

Denn Freddy bringt immer etwas mit. Mal Samen, die keiner kennt. Mal ein Kraut, das nach Zitrone riecht. Einmal einen Stein, der aussah wie ein Frosch.

Im Januar kam er wieder. Mitten im Schnee. Alle standen um ihn herum.

Freddy machte den Rucksack auf und zog etwas heraus.

Fünf Stöcke.

Braun. Dünn. Ohne ein einziges Blatt.

„Stöcke?", sagte Till Tomate. „Stöcke haben wir selber."

Freddy lachte nur. „Wartet ab."

Er stellte die fünf Stöcke in ein großes Glas mit Wasser. Das Glas stellte er in Ottos Küche aufs Fensterbrett, wo es warm ist.

Hanna Hirse stand davor und guckte die Stöcke an.

Hanna sammelt Kräuter, seit sie laufen kann. Sie kennt jede Pflanze im Garten.

Aber diese Stöcke kannte sie nicht.

Hanna wollte fragen: Papa, was sind das für Stöcke?

Aber sie traute sich nicht. Sie kennt doch sonst alle Pflanzen! Da muss sie das doch wissen.

Also sagte sie gar nichts.

Am Abend kam Otto Oregano zur Gemüsepolizei.

„Ich habe einen Auftrag für euch", sagte er. „Einen richtigen."

Bella Brokkoli und Emil Erbse standen sofort gerade.

„Jeden Morgen geht ihr zu dem Glas in meiner Küche", sagte Otto. „Bella, du machst mit dem Stift einen Strich ans Glas. Genau da, wo das Wasser steht. Emil, du zählst die kleinen Knubbel an den Stöcken. Und alles wird aufgeschrieben."

„Wie lange?", fragte Emil.

„Bis etwas passiert", sagte Otto.

„Und wenn nichts passiert?"

„Dann schreibt ihr auf, dass nichts passiert. Und guckt am nächsten Morgen wieder."

Am ersten Morgen zählte Emil.

„Dreiundzwanzig Knubbel", sagte er und schrieb es auf.

Bella machte einen Strich ans Glas, genau am Wasser.

Am zweiten Morgen zählte Emil wieder. „Dreiundzwanzig."

Bella hielt ihren Stift ans Glas. „Guck mal. Das Wasser ist ein bisschen weniger."

„Hat jemand daraus getrunken?", fragte Emil.

Alle guckten Arvid an.

„Ich trinke doch kein Stockwasser!", rief Arvid.

Bella goss Wasser nach bis ganz oben und machte einen neuen Strich.

Am dritten Morgen: dreiundzwanzig Knubbel. Und das Wasser war wieder weniger.

Am vierten Morgen auch.

Am fünften Morgen auch.

Das Glas sah bald aus wie ein kleiner Zaun, so viele Striche waren dran. Und auf Emils Zettel stand immer dasselbe:

23. 23. 23. 23. 23.

Freddy war in der ganzen Zeit überall im Dorf. Und Freddy fragte. Er fragte alles und jeden. Sogar Quatsch.

„Rudi, wie alt sind deine gelben Stiefel?"

„Kalle, frieren die Fische im Winter an den Füßen?"

„Kalle, haben Fische überhaupt Füße?"

„Arvid, wie schmeckt eigentlich Stockwasser?"

„Das weiß ich doch nicht!", rief Arvid. „Ich hab's doch nicht getrunken!"

Hanna ging hinter ihrem Papa her und kicherte. Aber selber fragte sie immer noch nichts. Einmal machte sie den Mund auf. Und gleich wieder zu.

Am zwölften Morgen stand Till in Ottos Küche.

„Die sind tot", sagte er. „Guckt sie euch doch an. Braun. Hart. Kein Blatt. Tote Stöcke."

Freddy nahm das Glas in die Hand. Er guckte lange auf die Stöcke.

„Vielleicht hat Till recht", sagte er leise.

Er ging mit dem Glas zur Tür. Zum Kompost, wo die alten Blätter hinkommen.

„STOPP!", rief Bella.

Freddy blieb stehen.

Bella zeigte auf das Glas. Auf ihre vielen, vielen Striche.

„Jeden Morgen war das Wasser weniger", sagte sie. „Zwölf Tage lang. Und keiner hat es getrunken."

„Ich nicht!", rief Arvid von draußen.

Emil guckte auf Bellas Striche. Dann auf die Stöcke.

„Dann trinken die Stöcke", sagte er. „Und tote Stöcke trinken nicht."

Freddy stellte das Glas ganz vorsichtig zurück aufs Fensterbrett.

Da machte Hanna den Mund auf. Und diesmal machte sie ihn nicht wieder zu.

„Papa. Was sind das für Stöcke?"

Freddy setzte sich auf den Küchenstuhl.

„Zweige von einem Kirschbaum", sagte er. „Ein Sturm hatte sie abgebrochen, weit weg hinter den Hügeln. Sie lagen im Schnee. Und da habe ich gedacht: Vielleicht blühen die noch. Wenn man sie ins Warme holt."

„Im Januar?", fragte Hanna. „Geht das?"

„Keine Ahnung", sagte Freddy. „Darum habe ich sie ja mitgebracht. Ich will es rausfinden."

Hanna guckte ihn an.

„Das wolltest du schon am ersten Tag fragen", sagte Freddy. „Oder?"

Hanna nickte. „Ich dachte, alle wissen das. Nur ich nicht."

„Ich weiß es ja auch nicht!", sagte Freddy und lachte. „Ich weiß fast gar nichts. Deshalb frage ich doch dauernd. Sogar Arvid."

Am sechzehnten Morgen zählte Emil.

„Dreiundzwanzig", sagte er. Dann beugte er sich ganz nah ans Glas. „Aber sie sind dicker. Alle dreiundzwanzig."

Am neunzehnten Morgen war an einem Knubbel oben etwas Weißes zu sehen. Ganz, ganz klein.

Am einundzwanzigsten Morgen kam Emil in Ottos Küche und blieb in der Tür stehen.

Draußen lag Schnee. Drinnen auf dem Fensterbrett standen fünf braune Stöcke.

Und an den Stöcken waren Blüten. Weiß und ein bisschen rosa. Mitten im Winter.

Emil fing an zu zählen. „Eins. Zwei. Drei …"

Bei sieben hörte er auf, weil Hanna schon ins ganze Dorf rief.

Alle kamen gucken. Rudi, der Älteste, ging ganz nah ans Glas. Lara rief: „Mehr!" Mehr Blüten. Oder mehr Stöcke. Oder beides.

Hanna nahm eine kleine Blüte, die schon abgefallen war, und steckte sie sich hinters Ohr.

Und auf Emils Zettel stand ganz unten:

Tag 21: Blüten! Hanna hat eine hinterm Ohr.

Till stand lange vor dem Glas. Dann drehte er sich zu Freddy um.

„Hast du noch mehr tote Stöcke?"

Ende

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🤖 Diese Geschichte wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz geschrieben und von einem Menschen geprüft. Mehr dazu