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Wer klaut die Schneemann-Nasen?

Vorlese-Fassung · 3–8 Jahre

„Mein Schneemann hat keine Nase mehr!", sagte Kalle Kürbis.

Kalle ist ein ganz gemütlicher Angler. Er regt sich eigentlich nie auf. Aber jetzt stand er vor der Gemüsepolizei und zeigte hinter sich.

Da stand sein Schneemann. Mit zwei Steinen als Augen. Mit einem Mund aus Kastanien.

Und da, wo die Möhre sein sollte, war ein Loch.

Es war nicht nur Kalles Schneemann.

In ganz Gemüseland standen Schneemänner, weil es so viel geschneit hatte. Und am Morgen hatten drei davon keine Nase mehr.

Am nächsten Morgen hatten vier keine Nase mehr.

Und am Morgen danach war auch Laras Schneemann dran. Lara stand davor, zeigte auf das Loch und sagte das neue Wort, das sie seit ein paar Tagen kann:

„NEIN!"

„Nasen-Alarm", sagte Bella Brokkoli. „Das ist ein Fall für die Gemüsepolizei."

Emil Erbse holte seinen Zettel und ging von Schneemann zu Schneemann.

Nach einer Stunde hatte er drei Sachen aufgeschrieben.

Erstens: Nur kleine Schneemänner haben keine Nase mehr. Die großen haben alle noch eine.

Zweitens: Um die kleinen Schneemänner herum sind Spuren.

Drittens: Bei Kalles Schneemann liegt noch ein Stückchen Möhre im Schnee. Da hat einer reingebissen. Man sieht zwei kleine Zähne.

Er malte die Spuren ab. Es waren immer vier Abdrücke zusammen. Zwei große vorne. Zwei kleine hinten.

„Pfoten", sagte Bella und guckte ihm über die Schulter. „Das ist ein Tier."

Und dann hatte Bella eine Idee.

„Die Katze!", rief sie.

Die Katze vom Nachbarn sitzt jeden Morgen unter Gretas Birnbaum.

„Die Katze ist nachts draußen", sagte Bella. „Sie hat Pfoten. Und sie kommt an kleine Schneemänner ran."

Also gingen sie zu Greta.

Die Katze saß unter dem Birnbaum und guckte nach oben.

Greta holte eine Möhre aus der Küche und hielt sie der Katze hin.

Die Katze schnupperte. Einmal. Dann drehte sie den Kopf weg. Sie stand auf, schüttelte die Pfote und ging langsam davon. Den Schwanz hielt sie ganz hoch. Als wäre sie beleidigt.

„Ich glaube", sagte Greta, „Katzen mögen keine Möhren."

„Vielleicht mag sie nur diese nicht", sagte Bella.

In der Nacht ließ der Nachbar die Katze im Haus. Die Tür blieb zu. Die ganze Nacht.

Und am nächsten Morgen fehlte fünf Schneemännern die Nase.

Bella setzte sich neben Laras Schneemann in den Schnee.

„Die Katze war es nicht", sagte sie. „Und ich weiß nicht, wer sonst."

Lara stand vor ihrem Schneemann. Er hatte schon wieder keine Nase. Sie hatten ihm am Abend eine neue gegeben.

„NEIN!", sagte Lara. Und diesmal weinte sie ein bisschen dabei.

Emil guckte auf seine Zeichnung. Zwei lange Abdrücke. Zwei kleine.

„Bella", sagte er. „Eine Katze hat vier gleiche Pfoten. Alle klein und rund. Das hier sind zwei große und zwei kleine."

Dann guckte er sich die Spur noch einmal ganz genau an. Und dann machte er etwas Komisches.

Er ging in die Hocke. Stellte die Hände vorne in den Schnee. Und hüpfte.

Hopp.

Seine Füße landeten vor den Händen.

„Guck!", rief Emil. „Die großen Füße landen vorne! Das Tier hüpft!"

Er hüpfte noch mal. Hopp. Und noch mal. Hopp. Hinter ihm im Schnee war jetzt eine Spur. Genau so eine wie die an den Schneemännern. Nur viel größer.

„Und zwei Zähne vorne", sagte Bella langsam. „Und es hüpft …"

„Ein Hase", sagten beide gleichzeitig.

Emil ging der Spur nach. Sie kam vom Feld. Und sie ging zurück zum Feld. Jedes Mal.

Am Nachmittag baute Bella am Feldrand einen kleinen Schneemann. Mit zwei Steinen als Augen. Und mit einer schönen dicken Möhre als Nase.

Als es dunkel wurde, saßen Bella, Emil, Lara und Kalle bei Otto Oregano in der Küche. Die hat ein Fenster zum Feld.

Alle guckten aus dem Fenster. Keiner sagte etwas.

Lara hielt die Luft an, bis sie ganz rot war.

Und dann kam er.

Aus dem Feld. Hopp. Hopp. Hopp.

Ein Hase. Braun, mit langen Ohren und einem weißen Puschelschwanz.

Er hüpfte zu dem kleinen Schneemann. Er stellte sich auf die Hinterbeine. Er schnupperte.

Und dann knabberte er dem Schneemann die Nase ab. Knusper, knusper, knusper.

Lara drückte die Nase an die Scheibe. Diesmal sagte sie gar nichts.

„Fall gelöst", flüsterte Bella.

„Der hat Hunger", sagte Otto. „Im Winter ist das Feld hart gefroren. Da findet ein Hase kaum was."

„Dann geben wir ihm alle Möhren!", rief Kalle. „Einen ganzen Sack!"

„Eine", sagte Otto. „Eine am Abend. Mehr nicht. Sonst tut ihm der Bauch weh. Den Rest findet er selber. Er ist ja ein wilder Hase."

„Und unsere Schneemänner?", fragte Emil. „Wenn wir dem Hasen die Möhren geben, haben die keine Nase mehr."

Alle guckten Lara an. Laras Schneemann hatte gerade eine neue Möhre bekommen. Ihre letzte.

Lara lief zum Korb neben Ottos Ofen. Da lagen Tannenzapfen fürs Feuer. Sie holte einen heraus und hielt ihn sich vor die Nase.

Am nächsten Morgen ging Otto mit ihr zu ihrem Schneemann. Lara zog die Möhre aus seinem Gesicht und steckte den Tannenzapfen hinein.

Am Abend brachte sie die Möhre zum Feldrand. Otto ging mit.

Seitdem ist das in Gemüseland so:

Die Schneemänner im Dorf haben Nasen aus Tannenzapfen.

Und am Feldrand steht ein kleiner Schneemann mit einer echten Möhre. Jeden Abend bekommt er eine neue.

Am Morgen ist sie immer weg.

Und Emil schreibt jedes Mal auf seinen Zettel:

Nase weg. Alles in Ordnung.

Ende

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