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Das Iglu

Vorlese-Fassung · 3–8 Jahre

Polly Pflaume hatte noch nie so viel Schnee gesehen.

Da, wo sie früher gewohnt hatte, gab es fast nie Schnee. Und wenn doch, war er am Mittag schon wieder weg.

Aber jetzt lag der Schnee in Gemüseland so hoch, dass Lara bis zum Bauch darin verschwand.

Polly holte ihr Lieblingsbuch aus dem Regal. Darin war ein Bild von einem Haus aus Schnee. Rund wie eine halbe Kugel. Mit einer kleinen Tür zum Reinkrabbeln.

„Ein Iglu", sagte Polly. „Ich baue ein Iglu. Heute noch."

Sie fing sofort an. Allein.

Sie schob Schnee zu einem Haufen. Sie klopfte ihn fest. Dann wollte sie oben ein Dach draufsetzen. Aus einem riesigen Schneeklumpen.

Sie hob ihn hoch. Hoch über den Kopf.

PLUMPS.

Der Klumpen fiel runter. Genau auf Pollys Stiefel. Und der ganze Haufen fiel gleich mit um.

Polly stand da, weiß bis zu den Knien, und pustete sich den Schnee aus dem Gesicht.

„Noch mal", sagte sie.

Da kam Willi Wirsing vorbei. Willi ist der Bademeister. Er ist groß und breit und passt auf, dass keinem was passiert. Im Sommer im Schwimmbad. Im Winter überall.

Er guckte auf den umgefallenen Haufen. Dann guckte er auf Polly.

„Ein Iglu?", fragte er.

„Ein Iglu", sagte Polly.

„Ein Iglu ist ein Haus", sagte Willi. „Und ein Haus muss halten. Ein Iglu baut man nicht aus einem Haufen. Man baut es aus Blöcken." Er drehte sich um und rief über den ganzen Platz: „GEMÜSEPOLIZEI!"

Bella Brokkoli und Emil Erbse kamen angerannt.

„Ihr zwei prüft jede Wand", sagte Willi. „Emil misst. Bella klopft. Und erst wenn ihr Ja sagt, darf einer rein."

„Keiner?", fragte Emil.

„Keiner", sagte Willi. „Auch ich nicht."

Willi zeigte Polly, wie man es richtig macht.

Zuerst mussten alle den Schnee festtrampeln. Alle Kinder aus Gemüseland trampelten. Till trampelte. Frida trampelte. Lara trampelte und fiel um und trampelte im Liegen weiter.

Dann stach Willi mit einem Spaten Blöcke aus dem festen Schnee. Große, eckige Blöcke. Wie Steine, nur aus Schnee.

Polly setzte die Blöcke im Kreis. Einen neben den anderen. Dann eine Reihe obendrauf. Und noch eine. Rundherum. Und jede Reihe ein bisschen kleiner.

Emil hielt seinen Messstab an jede Wand.

„So dick wie mein ganzer Arm", sagte er. „Gut."

Bella klopfte mit dem Handschuh dagegen.

TOCK.

„Klingt fest", sagte sie.

Aber Polly wurde immer schneller.

Es wurde schon dunkel, und das Iglu hatte noch kein Dach. Polly wollte fertig werden. Heute noch. Sie setzte die letzten Blöcke ganz oben drauf. Schnell, schnell, schnell.

„Warte!", rief Emil. „Die sind zu dünn!"

PLUMPS.

Das Dach fiel in das Iglu hinein. Zum Glück war keiner drin.

Polly setzte sich in den Schnee und hatte Tränen in den Augen.

„Ich wollte es doch heute fertig haben", sagte sie.

„Morgen ist es besser", sagte Willi. „Heute Nacht wird es kalt. Dann wird der Schnee ganz hart. Morgen baust du auf hartem Schnee."

Polly wischte sich die Nase ab.

„Morgen sage ich wieder: Warte", sagte Emil. „Und dann wartest du."

Polly nickte. „Dann warte ich."

Am nächsten Morgen war der Schnee hart wie ein Stein.

Polly baute das Dach neu. Langsam. Einen Block. Dann wartete sie. Emil maß. Bella klopfte. Dann der nächste Block.

Ganz oben kam der letzte Block drauf. Das Iglu war fertig. Rund wie eine halbe Kugel. Mit einer kleinen Tür zum Reinkrabbeln. Genau wie im Buch.

Alle Kinder standen davor und wollten hinein.

„Halt!", sagte Bella. „Erst die Probe."

Sie ging einmal ganz herum und klopfte an jeder Stelle.

TOCK. TOCK. TOCK. TOCK.

Und dann, an einer Stelle hinten links:

TONK.

Das klang anders. Leer. Wie eine Kiste, in der nichts drin ist.

„Hier ist es hohl", sagte Bella.

„Da ist gestern das Dach reingefallen", sagte Emil. „Das hat ein Stück abgeschubbert."

Emil hielt den Messstab hin. „Und hier ist die Wand nur so dünn wie meine Hand."

Er steckte einen Stock in den Schnee, genau an die Stelle.

„Hier nicht dagegenlehnen", sagte er. „Bis wir das repariert haben."

Polly holte Schnee und drückte ihn in die dünne Stelle. Viel Schnee. Immer mehr. Bis die Wand dort so dick war wie überall.

Bella klopfte noch einmal.

TOCK.

„Jetzt ist es fest", sagte sie.

Dann sagte die Gemüsepolizei das Wort, auf das alle gewartet hatten.

„Ja."

Polly krabbelte als Erste hinein.

Drinnen war es blau und weiß und ganz still. Und viel wärmer, als sie gedacht hatte.

Dann krabbelte Frida hinein. Dann Till. Dann Bella, dann Emil. Dann Lara, die gar nicht krabbeln musste, weil sie einfach aufrecht durch die Tür passte.

Sechs Kinder saßen im Iglu.

„Willi!", rief Polly. „Komm auch rein!"

Willi bückte sich. Er schob den Kopf durch die Tür. Dann die Schultern.

Dann steckte er fest.

„Äh", sagte Willi.

Er schob. Die Kinder drinnen zogen.

Das ganze Iglu wackelte.

Alle drinnen guckten auf die Stelle hinten links. Da, wo die Wand vorher hohl gewesen war.

Die Wand hielt. Polly hatte sie ja dick gemacht.

PLOPP.

Willi flutschte rückwärts in den Schnee.

Am Ende saßen die Kinder im Iglu und tranken warmen Tee.

Und Willi saß draußen. Er hatte nur den Kopf durch die Tür gesteckt, und Polly gab ihm seinen Becher.

„Ich bin auch drin", sagte Willi zufrieden. „Ein bisschen."

Ende

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