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Wer nimmt die roten Sachen?

Vorlese-Fassung · 3–8 Jahre

„Mein roter Schwimmer ist weg!", rief Kalle Kürbis. „Der vom Angeln!"

Er hatte ihn auf die Bank vor seinem Haus gelegt. Beim Aufräumen von seinem Angelkasten. Nur ganz kurz.

Und jetzt war er weg.

Über den Platz tippelte Lara Linse mit ihrem kleinen Korb. Sie ist die Kleinste von ganz Gemüseland. Sie guckte in jede Ecke, so wie immer.

Am Mittag rief Jakob Jalapeño: „Mein Radieschen ist weg! Es lag auf der Treppe!"

Am Nachmittag rief Greta: „Mein roter Topflappen ist weg! Der lag vor der Tür zum Trocknen!"

Und am Abend rief Till: „MEIN SCHAL! Der lag doch eben noch auf dem Brunnenrand!"

Am nächsten Morgen standen alle vor der Gemüsepolizei.

„Das", sagte Bella Brokkoli, „ist ein Fall."

Emil Erbse schrieb die Liste.

Schwimmer — Kalle. Radieschen — Jakob. Topflappen — Greta. Schal — Till.

Er guckte lange auf die Liste.

„Alles ist rot", sagte er.

„Stimmt", sagte Bella. „Jemand nimmt rote Sachen."

Emil tippte mit dem Stift auf den Zettel.

„Keiner hat was gesehen", sagte er. „Das war bestimmt nachts!"

„Nachts?", fragte Bella.

„Ich glaube, nachts", sagte Emil. „Das prüfen wir. Wir halten Wache."

Am Abend legte Emil eine rote Mütze auf die Bank am Marktplatz. Als Falle.

Dann setzten sich Bella und Emil mit Otto Oregano an Ottos Fenster. Von da aus sieht man die Bank.

Sie guckten. Und guckten. Und guckten.

Um neun gähnte Bella.

Um zehn schlief Emil ein, mit der Nase an der Scheibe.

Um elf trug Otto beide ins Bett.

Am Morgen lag die rote Mütze noch auf der Bank.

Keiner hatte sie genommen.

„Siehst du", sagte Emil. „Er hat Angst bekommen. Er weiß, dass wir aufpassen."

Er steckte die rote Mütze in die Tasche und setzte sich auf die Bank. Die Kappe juckte. Er nahm sie ab und legte sie neben sich. Dann schrieb er auf seinen Zettel: Nacht eins: nichts.

Hinter der Bank tippelte Lara vorbei. Mit ihrem kleinen Korb.

Emil schrieb und schrieb. Dann guckte Emil neben sich.

Seine Kappe war weg.

Emil sprang auf. Er guckte unter die Bank. Hinter die Bank. Auf die Bank.

Keine Kappe.

„Das gibt es nicht!", rief er. „Es ist HELL! Ich saß DANEBEN!"

Er setzte sich wieder hin. Ohne Kappe. Seine braunen Haare standen in die Luft.

„Ein Detektiv ohne Kappe", sagte er leise. „Das ist ganz schlimm."

„Und es war nicht nachts", sagte Bella.

„Nein", sagte Emil. „Ich habe mich geirrt. Es passiert am Tag. Aber ich habe nichts gesehen. Gar nichts."

Bella setzte sich neben ihn.

Sie guckte auf Emils Liste. Dann guckte sie auf die Bank. Dann auf die Treppe. Dann auf die Tür von Greta.

„Emil", sagte sie. „Wo lag der Schwimmer?"

„Auf der Bank."

„Und das Radieschen?"

„Auf der untersten Stufe von der Treppe."

„Der Topflappen?"

„Vor der Tür. Auf dem Boden."

„Und Tills Schal?"

Emil guckte nach. „Auf dem Brunnenrand."

„Und deine lag auf der Bank", sagte Bella. „Alles lag ganz unten. Nichts lag hoch oben. Kein Ding auf einem Fensterbrett. Kein Ding an einem Haken."

Emil guckte sie an.

„Wer nimmt nur Sachen, die ganz unten liegen?"

„Einer, der nicht höher hinkommt", sagte Bella.

Emil wusste sofort, was zu tun war.

Er zog seinen rechten Turnschuh aus. Der ist rot. Knallrot. Er stellte ihn auf den Boden, mitten auf den Platz. Dann versteckte er sich mit Bella hinter dem Brunnen. Diesmal am hellen Tag.

Sie mussten nicht lange warten.

Tipp. Tipp. Tipp.

Ganz kleine Schritte kamen über den Platz.

Es war Lara Linse. Die Kleinste von ganz Gemüseland. Sie hatte ihren eigenen kleinen Korb am Arm.

Lara blieb vor dem Turnschuh stehen. Sie guckte ihn an. Sie hob ihn auf. Sie legte ihn in ihren Korb.

Und tippelte weiter.

Emil und Bella schlichen hinterher.

Lara tippelte zur Treppe vom Rathaus. Unter der Treppe ist ein kleines Loch, wo keiner hinguckt. Dort kniete sie sich hin.

Emil und Bella guckten um die Ecke.

Unter der Treppe lagen alle roten Sachen. Ordentlich in einer Reihe. Der rote Schwimmer. Das Radieschen. Der rote Topflappen. Tills Schal. Emils Kappe.

Und jetzt Emils Turnschuh.

„Sie sammelt", sagte Bella leise. „Wie Äpfel im Gras."

„Nur alles, was rot ist", flüsterte Emil.

Jetzt wussten sie es. Die Sachen waren alle da. Keine einzige fehlte.

Am Nachmittag bekam jeder seine Sachen zurück.

Kalle bekam seinen Schwimmer. Greta ihren Topflappen. Till seinen Schal. Emil seinen Turnschuh. Das Radieschen hatte Lara schon ein bisschen angeknabbert. „Macht nichts", sagte Jakob. „Ich hab noch drei."

Dann ging Emil zu Lara und streckte die Hand aus.

„Meine Kappe, bitte."

Lara drückte die Kappe fest an ihren Bauch.

„NEIN!", sagte Lara.

Emil guckte Bella an. Bella zuckte mit den Schultern.

Da ging Emil zu Rosas Backstube. Er kam wieder mit einem Apfel. Einem großen, runden, knallroten Apfel.

Er hielt ihn Lara hin.

Lara guckte den Apfel an. Dann die Kappe. Dann wieder den Apfel.

Dann legte sie die Kappe weg und nahm den Apfel mit beiden Händen.

Emil setzte sich seine Kappe auf. Jetzt sah er wieder aus wie Emil.

Und Lara tippelte davon. Zur Treppe. Mit dem Apfel in ihrem Korb.

„Den legt sie jetzt in die Reihe", sagte Bella.

Ende

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