Der Faschingsbär
Vorlese-Fassung · 3–8 JahreTRÖÖÖT!
Am Faschingssonntag war ganz Gemüseland verkleidet.
Otto Oregano war ein Pirat mit Augenklappe. Willi Wirsing war ein Fisch. Fridolin war ein Schneemann mit einem Tannenzapfen als Nase. Und Stefanie Spargel war eine Hummel, mit gelb-schwarzen Streifen und kleinen Flügeln aus Draht.
Bella Brokkoli war ein Krokodil. Mit einem langen grünen Maul aus Pappe.
Und Emil Erbse war ein Schaf. Mit ganz viel weißer Wolle auf dem Kopf. Die Wolle hing ihm bis über die Augen.
„Ich sehe nichts", sagte Emil.
„Schafe sehen eben nicht viel", sagte das Krokodil. „Die gucken nur aufs Gras."
Nur einer war nicht verkleidet.
Rudi Rotkohl saß auf der Bank am Marktplatz, in seiner Latzhose und seinen großen gelben Gummistiefeln, und guckte zu.
„Verkleidest du dich nicht, Rudi?", fragte Stefanie.
„Ich?", sagte Rudi. „Ich bin schon uralt. Zweiundsiebzig! Da verkleidet man sich nicht mehr. Da guckt man zu."
Stefanie fand das ein bisschen schade. Aber dann ging die Musik los, und sie musste tanzen.
Und dann kam der Bär.
Er kam hinter dem Rathaus hervor. Ein riesiger brauner Bär mit langem Fell. Mit runden Ohren und einer großen Schnauze aus Stoff.
Alle blieben stehen.
„Wer ist DAS denn?", rief Till.
Der Bär sagte nichts. Er winkte nur mit seiner dicken Pfote.
Dann fing er an zu tanzen.
„Das ist Otto!", rief Frida.
„Ich bin hier!", rief Otto, der Pirat, und winkte mit seinem Säbel aus Pappe.
„Dann ist es Willi!", rief Hanna.
„Ich bin hier!", rief Willi, der Fisch, und blubberte.
„Dann ist es Fridolin!"
„Ich bin HIER!", rief der Schneemann.
Keiner wusste, wer der Bär war.
Emil schob seine Schafwolle zur Seite und holte einen Zettel aus der Tasche.
„Das ist ein Fall", sagte er. „Ich schreibe auf, wer es nicht ist."
Das Krokodil nahm ihm den Zettel weg.
„Heute nicht", sagte Bella. „Heute ist Fasching. Heute wird geraten. Nicht aufgeschrieben."
Emil guckte traurig auf seine leeren Hände.
„Das ist schwer für mich", sagte er.
Der Bär tanzte mit allen.
Er tanzte mit Frida. Er tanzte mit Hanna. Er nahm Lara auf die Schultern und trug sie einmal um den ganzen Platz. Lara hielt sich an seinen Ohren fest und quietschte.
Dann zog Lara an einem Ohr. Ganz fest.
Der ganze Bärenkopf rutschte nach hinten. Ein Stück. Noch ein Stück.
Alle hielten die Luft an.
Und Emil? Emil sah gar nichts. Er hatte ja die Schafwolle vor den Augen.
Der Bär hielt seinen Kopf mit beiden Pfoten fest. Er setzte Lara ganz vorsichtig ab. Und dann rannte er hinter den Kastanienbaum.
Als er wiederkam, saß der Kopf wieder gerade. Und ein bisschen fester.
Dann ging der Umzug los. Einmal ums ganze Dorf.
Vorne ging Otto, der Pirat, und trötete. TRÖÖÖT. Dahinter kamen die Kinder mit Rasseln. RASSEL-RASSEL. Rosa ging mit einem Korb nebenher und warf kleine Kekse in die Luft, und alle versuchten, sie zu fangen.
Und ganz hinten tanzte der Bär. Er fing keinen einzigen Keks. Aber er hob alle auf, die auf den Boden fielen, und gab sie den Kleinen.
Nach dem Umzug tanzte er mit Stefanie.
Stefanie ist die beste Tänzerin von Gemüseland. Der Bär war der schlechteste. Er drehte sich falsch herum. Er stolperte über seine eigenen Füße.
Und dann trat er ihr auf den Fuß.
„Au!", sagte Stefanie.
Sie guckte nach unten. Auf ihren Fuß.
Und auf den Fuß vom Bären.
Unter dem braunen Fell guckte etwas heraus.
Etwas Gelbes. Etwas Großes. Etwas aus Gummi.
Ein gelber Gummistiefel.
Stefanie guckte zur Bank.
Die Bank war leer.
Stefanie guckte wieder den Bären an. Ihre Augen wurden ganz groß.
„Ich weiß, wer du bist", flüsterte sie.
Der Bär legte seine dicke Pfote an seine Schnauze.
„Pssst", machte er.
Den ganzen Nachmittag behielt Stefanie das Geheimnis.
Das war sehr, sehr schwer.
Als Till rief: „Ist es vielleicht Christel?", musste Stefanie sich die Hand vor den Mund halten.
Als Hanna rief: „Ist es vielleicht Rosa?", musste Stefanie sich hinsetzen.
Dann murmelte Emil unter seiner Schafwolle: „Ich finde es raus. Ich finde es raus." Da musste Stefanie so lachen, dass sie von der Bank fiel.
Aber sie sagte nichts. Kein einziges Wort.
Als es dunkel wurde, war der Bär weg.
Keiner hatte gesehen, wohin.
Und auf der Bank am Marktplatz saß Rudi Rotkohl. In seiner Latzhose. In seinen gelben Gummistiefeln. Er pustete. Er war ganz außer Atem.
Stefanie setzte sich neben ihn.
„Rudi", sagte sie. „Du hast da was am Ohr."
Sie zupfte etwas ab. Ein bisschen braunes Fell.
„Du warst der Bär", flüsterte Stefanie.
„Pssst", sagte Rudi. Dann flüsterte er auch. „Ich wollte so gern einmal mittanzen. Nicht immer nur zugucken."
Und dann lachten beide.
Seitdem kommt in Gemüseland jeden Faschingssonntag ein Bär.
Er tanzt mit allen. Er trägt die Kleinen auf den Schultern. Und er tanzt ganz, ganz schlecht.
Keiner weiß, wer drinsteckt.
Nur Stefanie guckt jedes Jahr zuerst auf die Füße.
Ende
🤖 Diese Geschichte wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz geschrieben und von einem Menschen geprüft. Mehr dazu