Pieks und das Wasser
Vorlese-Fassung · 3–8 JahreÜber Nacht war es warm geworden.
Nicht richtig warm. Aber warm genug.
Der Schnee fing an zu schmelzen. Von den Dächern tropfte es. TIPP. TIPP. TIPP. In den Rinnen gluckerte es. Und überall auf den Wegen liefen kleine Bäche.
Kinder lieben Tauwetter. Man kann in jede Pfütze springen. PLATSCH.
Aber Fridolin Frühlingszwiebel liebte es heute gar nicht.
Fridolin stand in seinem Garten und guckte auf den Boden.
Das Wasser kam. Es kam den Weg herunter, immer mehr, und es lief quer durch den Garten. Genau auf die Hecke zu.
Und an der Hecke liegt der Laubhaufen. Mit den acht Tannenzweigen obendrauf.
Da drin schläft Pieks, das Igelkind. Den ganzen Winter lang.
„Oh nein", sagte Fridolin. „Oh nein, nein, nein."
Er rannte los. So schnell, wie man in Sandalen durch Matsch rennen kann. Fridolin trägt nämlich immer Sandalen. Auch heute.
„Bella! Emil! Schnell!"
Bella Brokkoli und Emil Erbse kamen in Gummistiefeln angerannt. Hinter ihnen kam Bruno Blumenkohl. Bruno ist Gemüsebauer, groß und stark, mit einem Kopf wie eine weiße Wolke. Er hatte einen Spaten über der Schulter.
„Ich hab eine Aufgabe für die Gemüsepolizei", sagte Fridolin, ganz außer Atem. „Findet raus, wo das Wasser herkommt. Und wo es hinläuft. Ganz schnell. Dann kann Bruno einen Graben graben. Einen, der das Wasser um Pieks herumführt."
„Und Pieks?", fragte Bella. „Holen wir ihn raus?"
„Nein", sagte Fridolin. „Pieks wird nicht angefasst. Nie. Er schläft. Wenn man ihn weckt, ist das ganz schlecht für ihn. Wir müssen das Wasser wegholen. Nicht den Igel."
Emil hatte sofort eine Idee.
Er sammelte kleine Stöckchen. Ganz leichte. Und setzte eins oben auf den Weg, da, wo das Wasser anfing zu laufen.
„Stöckchen-Boote", sagte er. „Die schwimmen genau da hin, wo das Wasser hinläuft."
Das erste Stöckchen fuhr los. Den Weg herunter. Durch das Gartentor. Quer durch den Garten.
Bella lief nebenher. Und überall, wo das Stöckchen vorbeifuhr, steckte sie einen Stock in den Boden. Einen nach dem anderen. Bald stand eine lange Reihe Stöcke im Garten.
Kurz vor der Hecke blieb das Stöckchen plötzlich stehen. Und drehte sich im Kreis. Einmal. Zweimal. Dann schwamm es weiter.
Da steckte Bella einen extra großen Stock in den Boden.
Und die ganze Reihe zeigte genau auf die Hecke.
„Da", sagte Bella. „Da will das Wasser hin."
„Ich weiß was!", rief Till Tomate, der am Zaun stand. „Wir bauen eine Mauer! Aus Steinen! Dann kommt das Wasser nicht durch!"
Alle Kinder holten Steine. Große, kleine, runde, eckige. Sie legten sie quer über den Weg, eine richtige kleine Mauer.
Das Wasser kam. Es stoppte an der Mauer.
„Es klappt!", rief Till.
Das Wasser wurde mehr. Und mehr. Es stieg an der Mauer hoch. Immer höher.
Und dann —
SCHWAPP!
Die Mauer kippte um. Und das ganze Wasser auf einmal schoss los. Viel mehr als vorher. Genau auf die Hecke zu.
„PIEKS!", rief Fridolin.
„Bruno!", rief Bella. „Hier! Beim großen Stock! Da hat sich das Stöckchen im Kreis gedreht!"
Sie zeigte auf die Stelle kurz vor der Hecke.
„Da ist der Boden wie eine kleine Schüssel", sagte Bella. „Grab von da zum Bach. Dann rutscht das Wasser da runter. Und nicht zur Hecke."
Bruno fragte nicht lange. Er grub.
Er grub so schnell, dass die Erde nur so flog. Ein Spatenstich. Noch einer. Noch einer. Ein langer Graben, vom großen Stock bis zum Bach.
Das Wasser kam.
Es kam bis zu Bellas großem Stock. Zu der Stelle, die wie eine Schüssel ist. Es blieb kurz stehen.
Und dann lief es in den Graben. Den ganzen Graben entlang. Bis in den Bach.
Emil setzte noch ein Stöckchen-Boot ins Wasser. Es fuhr durch den Graben. Und plumpste in den Bach.
„Bis zum Bach!", rief Emil. „Es geht! Es geht!"
Der Laubhaufen an der Hecke war nass an den Rändern. Aber nur an den Rändern. Die Tannenzweige obendrauf waren trocken.
„Und Pieks?", fragte Bella leise.
Keiner durfte ihn angucken. Keiner durfte das Laub wegmachen.
Also legten sich alle ganz leise hin. Auf den nassen Boden. Das Ohr ganz nah am Laubhaufen.
Und dann hörten sie es.
Ein ganz kleines Geräusch. Wie eine winzige Nähmaschine.
Pieks pustete.
Er hatte von dem ganzen Wasser nichts gemerkt. Er schlief einfach weiter.
Fridolin lachte so froh, dass er sich einfach in den Matsch setzte. PLATSCH.
Seitdem gibt es in Fridolins Garten den Pieks-Graben.
Er läuft vom großen Stock bis zum Bach. Jeden Winter, wenn das Tauwetter kommt, guckt Bruno nach, ob er noch frei ist. Und Emil setzt ein Stöckchen-Boot hinein. Nur um sicher zu sein.
Fridolin trägt übrigens immer noch Sandalen.
Auch beim Tauwetter.
„Meine Füße mögen Matsch", sagt er. Und wackelt mit den nassen Zehen.
Ende
🤖 Diese Geschichte wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz geschrieben und von einem Menschen geprüft. Mehr dazu