Eine Nacht bei Niki
Vorlese-Fassung · 3–8 JahreIn Nikis Haus gibt es keine Uhr.
„Ich brauche keine Uhr", sagt Niki Nuss immer. „Ich stehe auf, wenn ich wach bin."
Und trotzdem hat es in dieser Nacht getickt.
Bella Brokkoli durfte zum ersten Mal bei Niki schlafen. Ihre Tasche hatte sie schon am Montag gepackt.
Emil Erbse trug die Tasche bis zu Nikis Tür.
„Benno sucht seine Uhr", sagte er. „Seit gestern. Jetzt fragt er jeden, wie spät es ist."
„Morgen früh hol ich dich ab", sagte Emil. Dann ging er nach Hause.
Bella durfte im Yoga-Raum schlafen. Dort lagen überall Kissen. Rote, gelbe, blaue. Und ein dickes grünes Kissen, so groß wie ein Teddybär. Hinten hatte es einen Reißverschluss. Der stand ein kleines Stück offen.
„Das grüne Kissen ist das beste", sagte Niki. „Gestern hat Benno darauf gelegen. Ich habe ihm den Rücken geknetet."
Bella nahm das grüne Kissen in den Arm. Mit einem Kissen im Arm ist man mutiger.
Niki gab ihr eine Taschenlampe. „Falls du nachts aufs Klo musst." Dann sagte sie „Gute Nacht" und ging in ihr Zimmer nebenan.
Bella legte den Kopf auf das grüne Kissen. Es war ganz still.
Und dann hörte sie es.
TICK. TICK. TICK.
Bella setzte sich auf. Jetzt war es leiser. Aber es war noch da.
Sie nahm die Taschenlampe und das grüne Kissen. Sie ging in die Küche. Vielleicht war es der Wasserhahn.
Der Wasserhahn tropfte. PLIPP.
Das war kein Ticken. Das war ein Plipp.
Und irgendwo ganz nah tickte es weiter.
Bella ging zurück. Sie zog die Decke bis zur Nase. Ihr Herz klopfte fast so laut wie das Ticken.
Sie wollte Niki nicht wecken. Und Bella war doch von der Gemüsepolizei. Die hat keine Angst.
Aber Bella hatte Angst. Ganz viel.
Sie klopfte an Nikis Tür.
„Mmmh?", brummte es von drinnen.
„Niki? Ich hab Angst. Da tickt was."
„Bella", brummte Niki. „Es ist mitten in der Nacht." Und sie drehte sich um. Zur Wand.
Bella stand in der Tür. Keiner sagte etwas.
So war Niki sonst nie. Aber nachts, beim Aufwachen, war sie eine Brummel-Nuss.
Bella ging zurück und zog die Decke über den Kopf. Es tickte und tickte.
Da ging die Tür auf. Niki stand da. Ihr Stirnband war ganz schief.
„Tut mir leid", sagte Niki. „Ich war brummig. Gut, dass du mich geweckt hast. Also. Was tickt hier?"
Bella wollte das große Licht anmachen.
„Lass es aus", sagte Niki. „Im Dunkeln hört man besser."
Also leuchtete Bella nur mit der Taschenlampe.
Das Licht der Taschenlampe wurde ein bisschen dunkler.
Sie gingen in die Küche. Bella drückte das grüne Kissen fest an sich. Es tickte in der Küche. Sie gingen in den Flur. Es tickte im Flur. Sie gingen zurück in den Yoga-Raum. Es tickte im Yoga-Raum.
„Niki", flüsterte Bella. „Es kommt mit. Überall, wo wir hingehen."
Da wurde das Licht noch dunkler. Dann ging die Taschenlampe aus. Die Batterie war leer.
Dunkel. Ganz dunkel.
Und ganz nah bei Bella tickte es.
Bella wollte losrennen.
Aber Niki hielt ihre Hand. Ganz fest und ganz warm.
„Wir setzen uns hin", sagte Niki leise. „Wie beim Yoga. Und jetzt die Augen zu. Und nur noch hören."
„Aber es ist doch sowieso dunkel", flüsterte Bella.
„Mit Augen zu hört man noch besser."
Bella machte die Augen zu. Das war ganz schön schwer.
Sie atmete ein. Sie atmete aus. Und sie hörte.
Das Ticken war nicht links. Nicht rechts. Nicht hinter ihr.
Das Ticken war in ihren Armen.
„Niki!", rief Bella. „Es ist das grüne Kissen! Ich hab es die ganze Zeit mitgetragen!"
Niki machte das große Licht an. Bella zog den Reißverschluss ganz auf. Sie griff hinein. Ganz unten lag etwas Rundes und Hartes.
Eine Uhr mit einem braunen Band.
„Bennos Uhr!", rief Bella.
„Benno macht sie immer ab, wenn ich ihm den Rücken knete", sagte Niki. „Dann ist sie bestimmt durch den offenen Reißverschluss gerutscht."
Bella hielt die Uhr ans Ohr. Es klang wie ein kleines Herz.
Niki guckte auf die Uhr und gähnte. „Drei Uhr. Siehst du? Darum habe ich keine Uhr. Jetzt weiß ich, wie spät es ist. Und jetzt bin ich noch müder."
Bella kicherte. Niki kicherte auch.
Am Morgen klingelte es. Emil und Benno standen vor der Tür, mit einer Tüte warmer Brötchen. Niki roch sie und war sofort wach. Ohne Uhr.
„Weiß jemand, wie spät es ist?", fragte Benno.
Bella hielt ihm die Uhr hin.
„Wo war sie?", fragte Benno mit großen Augen.
„Im grünen Kissen", sagte Bella. „Ich hatte Angst. Und dann haben wir sie gefunden. Niki und ich."
„Du hattest Angst?", fragte Emil.
„Ganz viel", sagte Bella.
Emil nickte. „Ich hätte auch Angst gehabt."
Benno band die Uhr um. „Zehn nach sieben", sagte er zufrieden.
„Benno?", fragte Bella. „Darf ich sie heute Nacht noch einmal haben? Nur zum Zuhören."
Benno überlegte. „Eine Nacht. Aber morgen früh will ich wissen, wie spät es ist."
Am Abend lag Bella in ihrem eigenen Bett. Die Uhr lag neben ihrem Kopf.
Tick. Tick. Tick.
Bella machte die Augen zu und zählte mit. Eins. Zwei. Drei.
Bei sieben schlief sie schon.
Ende
🤖 Diese Geschichte wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz geschrieben und von einem Menschen geprüft. Mehr dazu