Die Gemüsepolizei · Folge 37
Alle tauschen Kastanien, und Polly sagt zu allem Ja. Eine Geschichte über Streit, Tauschen und Nein-Sagen.
PLOCK.
Etwas fiel auf das Schaukelbrett unter dem großen Baum. Dann rollte es. Dann fiel es herunter ins Gras.
PLOCK.
Noch eins.
„Die Kastanien sind da!", brüllte Arvid Artischocke über den ganzen Marktplatz — und rannte los, als hätte jemand „Los!" gerufen.
Nach vier Schritten rutschte er auf einer aus. PLUMPS.
„Ich hab eine!", rief er vom Boden.
Der große Baum auf dem Marktplatz, der mit dem Schaukelbrett, ist ein Kastanienbaum. Einmal im Jahr, wenn es kalt wird, macht er PLOCK. Dann liegen überall die stacheligen grünen Kugeln, und wenn man draufdrückt, springt eine Kastanie heraus. Braun. Glatt. Glänzend wie frisch geputzt.
Man muss aufpassen: Die grünen Kugeln haben Stacheln. Arvid drückte eine mit dem Daumen auf, sagte „Autsch", und machte es ab da mit dem Schuh: draufstellen, vorsichtig drücken, fertig.
Jakob Jalapeño sammelte auch mit. Jakob sammelt langsam. Er hebt jede einzeln hoch und schaut sie an, so wie er es sonst mit Essen macht.
Nach einer Stunde hatte jedes Kind einen Korb voll. Emil Erbse zählte bei jedem Korb mit und schrieb es auf seinen Zettel.
Polly Pflaume hatte auch einen Korb voll.
Polly wohnt noch nicht lange in Gemüseland. Sie ist gern dabei, aber sie ist die, die als Letzte etwas sagt.
In ihrem Korb lagen einunddreißig Kastanien. Sie hatte jede einzeln gezählt.
Und dann war da noch eine, die lag nicht im Korb. Die steckte in ihrer Jackentasche: groß, fast rund, und obendrauf saß ein weißer Fleck, der aussah wie ein Stern.
„Die tausche ich nie", sagte Polly ganz leise.
Und dann zeigte sie sie stolz allen anderen.
Till Tomate hatte inzwischen eine Tauschbude aufgebaut. Das war ein umgedrehter Korb mit einem Brett darauf.
„Getauscht wird HIER!", rief er.
Und alle tauschten.
Es ging ganz schnell. Zwei kleine für eine große. Eine glänzende für drei ohne Glanz. Eine mit Beule für zwei ohne Beule, aber nur, wenn ein Blatt dazukam.
Emil stand daneben und machte Striche auf seinen Zettel. Bei so viel Tauschen kam er kaum hinterher.
Polly stellte sich an. Sie fand alles aufregend.
„Dein ganzer Korb gegen meine zwanzig ganz Glatten?", sagte Till.
„Ja", sagte Polly.
Ihr voller Korb war weg. Sie hatte zwanzig.
„Und jetzt die zwanzig gegen zehn richtig große?"
„Ja", sagte Polly.
Zehn.
„Und die zehn gegen vier mit Glanz?"
„Ja", sagte Polly.
Vier.
„Und die vier gegen zwei ganz Runde?"
„Ja", sagte Polly.
Zwei.
Jakob Jalapeño stand daneben. Seine grünen Schultern wurden langsam rot.
„Polly", sagte er. „Sag doch mal nein."
„Geht nicht", sagte Polly leise.
„Warum nicht?"
Polly zuckte mit den Schultern. „Dann bin ich die, die nicht mitmacht."
Dann kam der nächste Tausch.
„Deine Sternkastanie", sagte Till, „gegen drei kleine und ein halbes Blatt."
Polly schaute ihre Sternkastanie an.
Alle schauten Polly an.
„Ja", sagte Polly.
Die Sternkastanie war weg.
Jakob platzte los.
„DAS IST GEMEIN!", brüllte er und schlug mit der flachen Hand auf Tills Brett. Die Kastanien hüpften. Ein paar rollten über den Platz.
„Hey!", rief Till.
„DU NIMMST IHR ALLES WEG!"
Jetzt schrien beide. Alle anderen waren ganz still.
Da kam Bella Brokkoli dazu.
„Jakob", sagte sie. „Dreimal tief einatmen."
Jakob machte den Mund zu.
Dann atmete er dreimal tief ein und wieder aus. Und dabei sagte er leise seine Lieblingsessen auf: „Möhrensuppe. Kürbisbrot. Apfelkuchen."
Und langsam kam das Grün an seine Schultern zurück.
„Tschuldigung, dass ich auf dein Brett gehauen hab", sagte er zu Till. „Das war falsch."
Er hob zwei Kastanien auf und legte sie zurück.
„Aber guck dir bitte mal an, was Polly noch hat."
Polly machte ihre Hand auf.
Drin lagen fünf winzige Kastanien und ein halbes braunes Blatt.
Till schaute in seinen Korb. Der war so voll, dass oben welche herunterkullerten.
„Emil", sagte Bella. „Was sagt dein Zettel?"
Emil las vor.
„Polly hat einunddreißig Kastanien gesammelt", sagte er. „Und Till hat neun gesammelt."
Alle drehten sich zu Till um.
„Neun?", sagte Arvid.
„Ich hab nicht gesammelt", sagte Till. „Ich hab getauscht."
„Und wie viele hast du jetzt?", fragte Bella.
Emil schaute in den Korb und rechnete. „So um die hundert."
Till wurde ganz still.
„Ich hab nicht geschummelt", sagte er. „Ich hab immer gefragt. Und alle haben Ja gesagt."
„Das stimmt", sagte Bella ruhig. „Du hast gefragt."
Sie hockte sich zu Polly.
„Polly", fragte sie. „Wolltest du deine Sternkastanie hergeben?"
Polly schüttelte den Kopf.
„Nein", sagte sie leise. „Aber ich hab mich nicht getraut, Nein zu sagen."
Till schaute in seinen vollen Korb. Dann in Pollys leere Hand.
„Oh", sagte er. „Das wusste ich nicht."
„Dann machen wir das jetzt anders", sagte Bella. „Ab heute gilt beim Tauschen: Beide müssen Ja sagen. Und beide dürfen Nein sagen. Laut."
„Nein sagen kann ich nicht", murmelte Polly.
„Dann üben wir", sagte Jakob.
Jakob nahm eine Kastanie und hielt sie hoch. „Deine fünf gegen meine eine?"
„Ja", sagte Polly.
„Falsch", sagte Jakob. „Noch mal."
„Deine fünf gegen meine eine?"
„… nein?", sagte Polly. Es klang wie eine Frage.
„Noch mal", sagte Jakob.
„Deine fünf gegen meine eine?"
„NEIN", sagte Polly.
Es war so laut, dass zwei Tauben aus dem Kastanienbaum flogen. Polly bekam einen Schreck und hielt sich den Mund zu.
Dann fing sie an zu lachen.
Till stand auf, ging zu Polly und hielt ihr die Sternkastanie hin.
„Musst du nicht", sagte Polly.
„Doch", sagte Till. „Du wolltest sie ja gar nicht hergeben."
Polly nahm ihre Kastanie zurück. Sie steckte sie ganz tief in die Tasche und hielt die Hand drauf.
„Danke", sagte sie. Und dann, weil sie es gerade geübt hatte, sagte sie noch etwas: „Und beim nächsten Mal frag mich zweimal. Beim ersten Mal sage ich nämlich immer Ja."
Till lachte. „Abgemacht."
Dann schüttete Till die Hälfte aus seinem vollen Korb in Pollys Korb. „Die waren eh deine", sagte er.
Und dann tauschten sie noch einmal, alle zusammen, aber jetzt mit der neuen Regel. Es dauerte dreimal so lange. Es wurde dreimal so laut. Und am Ende hatte Polly wieder einen vollen Korb. Und Arvid hatte plötzlich vierundvierzig und wusste selbst nicht, wie.
PLOCK, machte der Baum.
„Fünfundvierzig", sagte Arvid.
Am Abend kam Arvid noch einmal zu Polly.
„Deine Sternkastanie", sagte er. „Ich will was ausprobieren. Ich lasse sie von der Rathaustreppe fallen und gucke, ob sie fliegt."
Polly machte den Mund auf.
Sie dachte an das Üben.
„Nein", sagte sie.
Arvid nickte. „War klar."
„Aber gucken darfst du", sagte Polly und machte die Hand auf.
Und Arvid guckte lange.
Ende
Erinnert ihr euch?
Tipp: Online gibt es die Fragen auch als Quiz – jede richtige Antwort schaltet ein Bild im Sammelalbum frei.
Die Gemüsepolizei · gemuesepolizei.de · Kostenlos für Kita, Schule, Bibliothek und Familie.
Die Geschichte wurde mit Hilfe von KI geschrieben und von einem Menschen geprüft.