Die Gemüsepolizei · Folge 40
Emils Uhr geht falsch, und Ida wartet ganz allein auf dem Marktplatz. Schuld ist die Zeitumstellung. Eine Herbstgeschichte übers Wiedergutmachen.
Emil Erbse wachte auf und schaute auf seinen Wecker.
Acht Uhr.
„Acht!", rief Emil und sprang aus dem Bett.
Heute war Herbstmarkt. Um acht Uhr macht der Markt auf. Und wer als Erster da ist, darf die Marktglocke läuten.
Emil wollte das so gern. Schon das ganze Jahr.
Er zog sich an, setzte die rote Kappe auf und rannte los. Draußen war es noch ein bisschen dunkel. Aber Emil hatte es eilig.
Vor Idas Haus blieb er stehen und klopfte ans Fenster.
Ida Ingwer machte das Fenster auf. Sie hatte noch die Haare im Gesicht.
„Ida! Schnell! Der Markt macht gleich auf!", rief Emil. „Lauf schon hin. Ich komme gleich nach."
Ida nickte. Sie zog ihre Jacke an und lief los. Zum Marktplatz.
Emil wollte hinterher. Da merkte er: Sein Schal fehlt. Schnell rannte er noch einmal nach Hause.
Auf dem Rückweg kam ihm Christel Chicoree entgegen. Sie trug einen Korb mit Äpfeln.
„Emil! Was machst du denn schon hier?"
„Ich bin spät dran", sagte Emil. „Es ist acht."
„Es ist sieben", sagte Christel.
„Acht", sagte Emil.
Christel hielt ihre Uhr hoch. Emil hielt seine Uhr hoch.
Bei Christel war es sieben. Bei Emil war es acht.
„Kaputt", sagten beide gleichzeitig. Und jeder zeigte auf die Uhr vom anderen.
Da kam Bella Brokkoli aus dem Haus. Sie gähnte.
„Warum seid ihr denn so früh wach?", fragte sie.
Bella guckte auf Christels Uhr. Dann guckte sie auf Emils Uhr. Dann guckte sie Emil an.
„Emil", fragte sie. „Wer hat deine Uhr heute Nacht zurückgedreht?"
„Keiner", sagte Emil. „Warum soll die einer zurückdrehen?"
„Heute Nacht dreht man alle Uhren eine Stunde zurück", sagte Bella. „Das macht man einmal im Jahr, im Herbst. Dann darf man eine Stunde länger schlafen."
Christel nickte. „Meine hab ich gestern Abend gedreht."
Emil guckte auf seine Uhr. Acht.
„Dann ist es erst sieben", sagte er leise. „Dann macht der Markt noch gar nicht auf."
Und dann wurde ihm ganz kalt im Bauch.
„Ida", sagte er. „Ida ist ganz allein auf dem Marktplatz."
Emil rannte los. So schnell wie noch nie.
Auf dem Marktplatz war es still. Kein Stand. Kein Korb. Kein einziger Apfel. Nur die Laterne am Brunnen brannte noch, und ein paar gelbe Blätter flogen über die Steine.
Ida saß ganz allein auf dem Brunnenrand, direkt neben der Marktglocke. Sie hatte die Knie hochgezogen und die Hände in den Ärmeln versteckt.
Als sie Emil sah, sprang sie auf.
„Da bist du ja!", sagte sie. „Wo sind denn alle?"
„Im Bett", sagte Emil leise.
„Meine Uhr war falsch", sagte Emil. „Es ist erst sieben. Ich hab dich viel zu früh losgeschickt."
Seine Ohren wurden ganz heiß.
„Bist du sauer?", fragte er.
„Ein bisschen", sagte Ida. „Es war dunkel. Und ganz leer. Ich hatte ein bisschen Angst."
Emil schluckte.
„Ich hab dir einfach geglaubt", sagte Ida leise. „Weil du es warst."
Emil sagte gar nichts mehr. Er nahm seinen Schal ab und wickelte ihn Ida um den Hals. Zweimal herum.
Dann setzte er sich neben sie auf den kalten Brunnenrand.
Und er blieb sitzen. Die ganze Stunde.
Langsam wurde es hell.
Bella kam mit Christel. Christel stellte ihren Korb ab und schenkte aus einer Kanne heißen Apfelsaft ein. Ida hielt den Becher mit beiden Händen.
Dann kamen die anderen. Einer brachte einen Tisch, eine andere Kisten voller Kürbisse. Überall wurden Stände aufgebaut.
Christel schaute auf ihre Uhr. „Acht", sagte sie. „Jetzt wirklich. Wer war denn als Erster da?"
Emil machte den Mund auf.
Er wollte so gern. Schon das ganze Jahr.
Dann machte er den Mund wieder zu und zeigte auf Ida.
„Ida", sagte er. „Ida war zuerst da."
Ida schaute ihn an. Dann griff sie nach dem Seil von der Marktglocke und zog. Ganz fest.
BIMM BAMM!
Der Markt war offen. Alle klatschten.
Ida klingelte gleich noch einmal, weil es so schön war. Und dann hielt sie Emil das Seil hin.
„Einmal du auch", sagte sie.
Emil zog. Es klang genau so schön.
Später saßen sie zu viert auf dem Brunnenrand. Ida hatte immer noch Emils Schal um.
„Nächstes Jahr", sagte Christel, „läutet am Abend vorher einer dreimal die Glocke. Dann wissen alle: Heute Nacht drehen wir die Uhren zurück. Wer macht das?"
„Ich", sagte Emil sofort.
Ida stupste ihn an.
„Emil", fragte sie. „Wie spät ist es?"
Emil guckte auf seine Uhr. Diesmal hatte er sie richtig gedreht.
„Neun", sagte er. Dann grinste er.
„Sagt meine Uhr."
Ende
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