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Die Gemüsepolizei · Folge 42

Was übrig bleibt

Am Morgen nach der Kürbis-Nacht sind alle Laternen verschwunden. Ein Fall für Bella und Emil, mit Kernspur, Spatzen und einer Spur aus Mehl.

  • 👧 Zum Vorlesen · 3–8 Jahre
  • ⏱️ ca. 7 Minuten
  • 💬 4 Gesprächsfragen
Zum Anhören und Mitlesen:
gemuesepolizei.de/geschichten/42_was-uebrig-bleibt.html

„Weg! Sie sind alle weg!"

Arvid Artischocke stand auf der Rathaustreppe und zeigte auf die Stufen.

Gestern Abend, nach der Kürbis-Nacht, hatten hier alle Laternen gestanden. Eine neben der anderen. Ganz viele böse Kürbisgesichter. Und einer, der lachte.

Jetzt war die Treppe leer.

„Heute Nachmittag wollten wir sie doch abholen", rief Arvid. „Jeder seine eigene!"

„Holt die Gemüsepolizei!", riefen alle.

Bella Brokkoli und Emil Erbse kamen sofort angerannt.

„Wir finden eure Laternen", sagte Bella. „Bis heute Nachmittag."

Emil holte seine Lupe heraus. Er kniete sich auf die unterste Stufe.

„Kerne", sagte er. „Kürbiskerne. Da. Und da. Und da."

Die Kerne lagen auf dem Boden, einer nach dem anderen. Wie eine Spur aus Brotkrumen. Sie führten über den Marktplatz.

Bella ging langsam die Treppe hinauf. Auf der obersten Stufe blieb sie stehen.

„Emil. Schau mal."

Da war ein Fußabdruck. Aber kein brauner aus Erde. Ein weißer. Ganz weich und fein, wie Puder.

Emil schrieb auf seinen Zettel: Kerne. Weiße Spur.

„Ich weiß, wer es war!", rief Arvid. „Rudi! Gestern hat er gesagt: Die kann man alle wegwerfen!"

Alle schauten Bella und Emil an.

Bella biss sich auf die Lippe. Dann nickte sie. „Wir schauen nach."

Rudi Rotkohl ist der Kürbisbauer. Hinter seinem Hof hat er einen großen Kompost. Da kommt alles hin, was nicht mehr gebraucht wird.

Bella und Emil rannten hin. Rudi stand mit der Mistgabel neben dem Kompost.

„Halt!", rief Emil. „Gemüsepolizei! Wo sind die Laternen?"

Rudi drehte sich langsam um. „Welche Laternen?"

„Die von der Rathaustreppe", sagte Bella. „Du hast gesagt, man kann sie wegwerfen."

Emil kletterte nicht auf den Kompost. Er beugte sich nur vor und schaute ganz genau hin. Laub. Kartoffelschalen. Ein alter Apfel.

Keine einzige Laterne.

Rudi stellte die Mistgabel ab. Er sah ein bisschen gekränkt aus.

„Gesagt hab ich es", brummte er. „Gemacht hab ich es nicht."

Bella wurde rot. „Tut mir leid, Rudi. Wir haben zu schnell gedacht."

Rudi nickte. Dann schaute er die beiden an. „Und jetzt? Wo sind sie dann?"

Bella und Emil liefen zurück zum Marktplatz. Zur Kernspur.

Aber die Kernspur war nicht mehr da.

Auf dem Platz hüpften Spatzen herum. Ganz viele. Sie pickten und pickten. Einer hatte gerade den letzten Kern im Schnabel.

„Nein!", rief Emil. „Das ist unsere Spur!"

Der Spatz flog weg. Mit dem Kern.

Emil setzte sich auf den Brunnenrand und ließ die Lupe hängen.

„Die Spatzen haben unsere Spur aufgefressen", sagte er leise. „Jetzt haben wir gar nichts mehr."

Da schlug die Rathausuhr.

BONG.

Mittag. Bald war Nachmittag. Bald kamen alle Kinder und wollten ihre Laternen haben.

Bella setzte sich neben Emil. Eine Weile sagten beide nichts.

Dann holte Emil seinen Zettel heraus. Er las ihn noch einmal.

Kerne. Weiße Spur.

„Die Kerne sind weg", murmelte er. „Aber die weiße Spur nicht. Die frisst kein Spatz."

Bella sprang auf. „Komm!"

Sie rannten zurück zur Rathaustreppe. Der weiße Fußabdruck war noch da. Emil hielt die Lupe ganz nah daran. Dann tippte er mit dem Finger hinein und roch daran.

„Das ist keine Erde", sagte er. „Das ist Mehl."

Bella schaute ihn an. „Wer hat immer Mehl an den Schuhen?"

Emil machte große Augen. „Wer immer Mehl auf den Wangen hat."

„Rosa!", riefen beide gleichzeitig.

Da merkten sie es auch. Über den Marktplatz zog ein Duft. Süß und warm. Er kam aus dem Schornstein von Rosas Backstube.

Bella und Emil liefen los. Und gleich hinter ihnen kam Rudi. Er wollte jetzt auch wissen, wo die Laternen sind.

Die Tür der Backstube stand einen Spalt offen. Warmes Licht fiel heraus.

Bella drückte die Tür auf.

Und da standen sie. Alle Laternen. In einer langen Reihe vor dem großen, warmen Backofen. Ganz viele böse Gesichter. Und eins, das lachte.

Rosa Rosenkohl stand mitten in der Backstube. Sie hatte Mehl auf den Wangen und lauter orange Flecken auf der Schürze.

„Oh", sagte Rosa. „Die Gemüsepolizei."

„Du hast die Laternen genommen", sagte Emil.

„Ja", sagte Rosa. „Ganz früh heute Morgen. Sie standen im Regen und waren nass und kalt. Und dann hab ich gehört, dass einer sie wegwerfen will." Sie schaute zu Rudi.

Rudi schaute auf seine Gummistiefel.

„Da hab ich sie geholt", sagte Rosa. „Hier am Ofen werden sie wieder trocken. Die Kinder sollen sie doch behalten."

„Und die Kerne auf dem Platz?", fragte Emil.

Rosa lachte. „Die sind mir aus dem Eimer gefallen. Ich hab auch das weiche Innere mitgenommen. Das, was die Kinder gestern ausgekratzt haben."

Sie zog die dicken Handschuhe an und machte den Ofen auf. Drinnen lag ein Blech mit orangen Stücken. Süß und weich und an den Ecken ein bisschen knusprig.

„Die Gesichter kommen natürlich nicht in den Ofen", sagte Rosa. „Die trocknen nur."

Am Nachmittag kamen die Kinder. Jedes holte sich seine Laterne. Trocken und ganz.

Und dann saßen alle draußen auf den Stufen der Backstube und aßen Kürbis aus dem Ofen.

Rudi saß ganz oben, den Teller auf den Knien.

„Ich hätte das alles weggeworfen", sagte er leise. „Und jetzt guck mal."

Rosa setzte sich neben ihn. „Es ist ja nicht weg", sagte sie. „Es ist nur was anderes geworden."

Emil zog seinen Zettel heraus. Ganz unten schrieb er: Fall gelöst. Laternen: alle trocken.

Bella schaute ihm über die Schulter.

„Und die Kerne?", fragte sie.

Emil schaute zu den Spatzen auf dem Platz.

„Die haben jetzt die Spatzen", sagte er. „Die zählen nicht mehr."

Ende

💬 Gesprächsrunde zu „Was übrig bleibt“

Erinnert ihr euch?

  1. Was war am Morgen nach der Kürbis-Nacht weg?Lösung: Alle Laternen von der Rathaustreppe
  2. Wer hat die Kernspur auf dem Marktplatz aufgefressen?Lösung: Die Spatzen
  3. Woran haben Bella und Emil gemerkt, dass Rosa die Laternen hatte?Lösung: An der weißen Fußspur aus Mehl
Und ihr? Was hättet ihr als Gemüsepolizei zuerst untersucht?

Tipp: Online gibt es die Fragen auch als Quiz – jede richtige Antwort schaltet ein Bild im Sammelalbum frei.

🖍️ Emil Erbse zum Ausmalen

Ausmalbild Emil Erbse

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Bella Brokkoli und Emil Erbse sind die Gemüsepolizei. Im Gemüseland lösen sie kleine Fälle und helfen ihren Freunden. Für Kitas gibt es dazu Material, mit dem ihr ohne Vorbereitung loslegen könnt.

Bella Brokkoli und Emil Erbse, die Gemüsepolizei

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