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Die Gemüsepolizei · Folge 43

Die Laterne, die nicht leuchten wollte

Wer pustet Mattis Kerze aus? Ein Laternen-Fall für Bella und Emil zu Sankt Martin.

  • 👧 Zum Vorlesen · 3–8 Jahre
  • ⏱️ ca. 7 Minuten
  • 💬 4 Gesprächsfragen
Zum Anhören und Mitlesen:
gemuesepolizei.de/geschichten/44_die-laterne-die-nicht-leuchten-wollte.html

Heute Abend war Martinsumzug.

In der großen Küche standen alle Kinder um einen langen Tisch und bastelten Laternen. Überall lagen Papier, Kleber und Draht. Es roch nach Kleister.

Am Ofen saß Otto Oregano. Er machte die Kerzen an, immer eine nach der anderen, und gab sie weiter. Kerzen macht in Gemüseland kein Kind allein an. Das ist die Regel.

Matti Mais war als Erster fertig. Matti ist immer der Schnellste.

Seine Laterne war rot und gelb und hatte Zacken wie eine Sonne. Matti war sehr stolz darauf.

Er holte sich bei Otto eine Kerze. Er stellte sie hinein. Er machte den Deckel zu.

Er zählte bis fünf.

PFFT.

Die Kerze ging aus.

Matti holte eine neue. Er stellte sie hinein. Er machte den Deckel zu. Und wieder ging die Kerze aus.

Matti sprang auf.

„Gemüsepolizei!", rief er. „Einer pustet meine Kerze aus!"

Bella Brokkoli und Emil Erbse kamen sofort an seinen Platz.

„Wir finden heraus, wer das war", sagte Bella. „Bis heute Abend leuchtet deine Laterne."

Emil holte seinen Zettel heraus. „Wann genau geht sie aus?"

„Na, gleich!", sagte Matti. „Ich mach den Deckel zu, und dann pustet einer."

Emil schrieb: Geht aus, wenn der Deckel zu ist.

Bella schaute sich in der Küche um. Wer pustet hier Kerzen aus?

Da merkte sie etwas. Ein kühler Hauch strich ihr über die Wange. Das Fenster neben Matti stand ein Stück offen.

„Da!", sagte Bella. „Der Wind! Der kommt durchs Fenster und pustet deine Kerze aus."

Matti machte große Augen. „Der Wind war es?"

Bella machte das Fenster zu. Ganz fest. Kein Hauch mehr.

„Jetzt probier noch mal", sagte sie.

Matti holte bei Otto eine neue Kerze. Er stellte sie hinein. Er machte den Deckel zu.

Alle schauten hin.

Eins. Zwei. Drei.

Die Kerze ging aus.

Bella biss sich auf die Lippe. „Dann war es nicht der Wind."

Emil machte einen Strich auf seinem Zettel. „Kerzen bis jetzt: drei."

Und da platzte Matti.

Er sprang auf, dass der Stuhl umfiel. Er schob das ganze Papier vom Tisch.

„Alle anderen haben eine, die leuchtet!", schrie er. „Und meine ist die einzige, die nicht geht!"

Jetzt war es ganz still in der Küche.

Matti stand da, rot im Gesicht. Ihm liefen fast die Tränen.

„Ich will die blöde Laterne gar nicht mehr", sagte er.

Das stimmte nicht. Er wollte sie sehr. Genau deshalb war er ja so wütend.

Draußen wurde es schon dunkelblau. Bald fing der Umzug an.

Da stand Jakob Jalapeño auf. Jakob kennt Wut. Jakob wird nämlich selber ganz schnell wütend.

„Komm mal mit raus", sagte er. „Nur bis zur Tür."

Draußen war es kalt. Man konnte den eigenen Atem sehen.

„Jetzt dreimal tief", sagte Jakob. „Einatmen. Und wieder raus."

Matti atmete dreimal tief ein und wieder aus. Beim dritten Mal wurde es schon ein bisschen leichter.

„Und jetzt drei Lieblingsgerichte."

Matti überlegte. „Nudeln. Kartoffelpuffer. Und Nudeln."

„Das sind zwei."

„Kartoffelpuffer zählen doppelt."

Jakob nickte ernst. „Geht in Ordnung."

Da musste Matti lachen. Nur ganz kurz, aber er lachte.

„Woher kennst du das?"

„Von meiner großen Schwester", sagte Jakob. „Als ich mal richtig sauer war."

Drinnen hob Matti das Papier auf und stellte den Stuhl wieder hin.

Emil saß am Tisch und las seinen Zettel. Ganz oben stand: Geht aus, wenn der Deckel zu ist.

„Wenn der Deckel zu ist", murmelte Emil. „Nicht vorher. Immer erst, wenn der Deckel zu ist."

Er holte seine Lupe. Ganz langsam fuhr er damit über Mattis Laterne. Unten. An den Zacken. Oben am Deckel.

„Hier ist alles zugeklebt", sagte er. „Kein einziger Spalt."

„Klar", sagte Matti stolz. „Damit es ordentlich aussieht. Bei mir kommt kein bisschen Wind rein."

Bella machte große Augen.

„Matti", sagte sie. „Dann pustet gar keiner deine Kerze aus. Eine Kerze braucht Luft. Und in deine Laterne kommt keine Luft rein."

Emil tippte auf den Deckel. „Da ist unser Täter."

„Der Deckel?", fragte Matti.

„Der Deckel", sagte Emil.

Matti wollte sofort losschneiden, ganz schnell, so wie immer. Dann machte er den Mund noch mal zu.

Er nahm die Kinderschere und schnitt ein rundes Loch in den Deckel. Nicht schnell. Sehr langsam.

Otto machte die Kerze an. Matti stellte sie hinein und machte den Deckel zu.

Emil zählte. „Eins, zwei, drei ..."

Bei zehn brannte sie immer noch.

Die Laterne leuchtete rot und gelb durch die Zacken, wie eine kleine Sonne mitten in der Küche.

„Da", sagte Matti leise.

Dann ging der Martinsumzug los. Alle Kinder gingen mit ihren Laternen einmal um das Dorf.

Unterwegs gingen zwei Laternen aus. Die Kinder blieben traurig stehen.

Matti ging zu ihnen hin.

„Guck erst mal", sagte er. „Nicht schnell. Guck erst mal oben drauf."

Die beiden guckten. Und dann fanden sie es selber.

Seitdem ist das in Gemüseland so: In jeden Laternendeckel kommt oben ein Loch. Sonst geht die Kerze aus. Manche Kinder nennen es das Mattiloch. Matti findet das toll.

Emil holte noch einmal seinen Zettel heraus. Ganz unten schrieb er: Fall gelöst. Täter: der Deckel.

Ganz hinten in der Reihe ging Matti neben Jakob.

„Das war dein Trick", sagte Matti. „Das mit dem dreimal tief."

Jakob dachte kurz nach.

„Nein", sagte er. „Der ist jetzt deiner."

Matti hielt seine Laterne hoch. Die Sonne mit den Zacken leuchtete immer noch.

Ende

💬 Gesprächsrunde zu „Die Laterne, die nicht leuchten wollte“

Erinnert ihr euch?

  1. Warum ist Mattis Kerze immer wieder ausgegangen?Lösung: Er hatte die Laterne oben ganz zugeklebt — ohne Luft geht die Kerze aus
  2. Was macht Jakob mit Matti, als der ganz wütend ist?Lösung: Dreimal tief atmen und drei Lieblingsgerichte aufzählen
  3. Was kommt seitdem in jeden Laternendeckel?Lösung: Ein Loch für die Luft
Und ihr? Was macht ihr, wenn beim Basteln etwas nicht klappt?

Tipp: Online gibt es die Fragen auch als Quiz – jede richtige Antwort schaltet ein Bild im Sammelalbum frei.

🖍️ Matti Mais zum Ausmalen

Ausmalbild Matti Mais

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