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Die Rettung des Sonnenblumenfeldes

Vorlese-Fassung · 3–8 Jahre

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Die Sonnenblumen ließen die Köpfe hängen.

Sonst standen sie gerade wie Kerzen. Und drehten ihre großen gelben Blüten zur Sonne. Heute hingen sie schlapp nach unten. Sie sahen müde aus.

Matti Mais kniete am Rand vom Feld. Vor ihm lag das große Wasserrohr. Er klopfte dagegen. Es klang hohl.

„Kein Tropfen", sagte Matti. „Seit heute Morgen kommt kein Wasser mehr."

Bella Brokkoli und Emil Erbse kamen über den Weg. Sie hatten ihre gelben Westen an.

„Was ist denn hier los?", rief Emil.

„Die Sonnenblumen bekommen kein Wasser", sagte Matti. „Und schaut euch den Himmel an."

Alle schauten hoch. Keine einzige Wolke. Die Sonne brannte heiß auf das Feld.

„Bis heute Abend müssen sie Wasser haben", sagte Matti leise. „Sonst sind sie morgen ganz trocken. Dann gehen sie kaputt."

Bella holte tief Luft. „Dann fangen wir an."

Emil lief einmal am Rohr entlang und zählte die Reihen. „Vierzig Reihen Sonnenblumen", rief er. „Und ganz vorne hängen sie am tiefsten."

„Da fangen wir an", sagte Matti.

Zuerst wollten sie es mit Eimern machen. Bella holte Wasser vom Bach. Emil holte Wasser vom Bach. Matti auch.

Sie liefen hin und her. Und wieder hin und wieder her.

Bella schüttete ihren Eimer über die erste Reihe. Das Wasser war sofort weg. Die Erde hatte es geschluckt.

„Noch einen", sagte sie und lief zurück zum Bach.

Nach zehn Eimern schaute Emil auf das Feld. Vierzig Reihen. Und sie hatten noch nicht einmal eine einzige geschafft.

„So dauert es bis morgen früh", sagte Emil und pustete. „Und bis dahin sind sie kaputt."

Till Tomate kam den Weg entlang und blieb stehen. „Wollt ihr ein Feld mit Eimern gießen?", fragte er. „Seid ihr verrückt?"

„Hast du eine bessere Idee?", fragte Emil.

Matti stellte seinen Eimer ab. Er schaute auf seine Hände. Dann sagte er etwas ganz leise.

„Ich schaffe das nicht allein."

„Musst du ja auch nicht", sagte Bella. „Komm."

Sie rannten ins Dorf und holten Hilfe. Benno Bohne kam, weil er immer wusste, wo das Wasser hinläuft. Ida Ingwer kam, weil sie immer genau hinschaute. Till musste keiner holen. Der stand ja schon da.

Zu sechst standen sie am Rohr.

„Irgendwo steckt etwas drin", sagte Matti. „Wir müssen das große Rad aufdrehen. Dann drückt das Wasser wieder."

Alle packten das Rad. „Eins, zwei, drei!"

Sie zogen. Das Rad bewegte sich kein Stückchen. Sie zogen noch einmal, alle zusammen, bis sie rote Köpfe bekamen.

KNACK!

Der Griff brach ab. Benno saß im Gras und hielt ein Stück Eisen in der Hand.

Es wurde ganz still. Nur die Sonne brannte weiter.

Emil schaute auf das Feld. Die Sonnenblumen hingen jetzt so tief, dass ihre Köpfe fast die Erde berührten.

„Und jetzt?", fragte er.

„Jetzt geht gar nichts mehr", sagte Matti.

Ida sagte nichts. Sie ging los. Sie ging ganz langsam am Rohr entlang und klopfte dabei alle paar Schritte dagegen.

KLONG. KLONG. KLONG.

Dann klang es anders. Nicht mehr hohl. Da war etwas drin.

Sie ging weiter, bis zum Bach. Dort blieb sie stehen und beugte sich über das Wasser.

„Kommt mal her", rief sie.

Vorne ging das Rohr ins Wasser. Da steckte ein dicker Haufen aus Blättern und Zweigen. Dahinter noch einer. Und noch einer.

„Das Rohr ist nicht kaputt", sagte Ida. „Es ist voll."

Emil steckte den Arm hinein. „Ich komme nicht weit genug rein."

„Ich auch nicht", sagte Bella. Sie schaute Matti an. „Du hast die längsten Arme."

Till hielt seinen dünnen Arm hin. „Meiner passt!"

Er schob ihn hinein. Er kam ein Stück weit. Dann nicht mehr. „Zu kurz", sagte er.

Matti legte sich auf den Bauch ins Gras. Benno kniete sich neben ihn und hielt seine Füße fest. „Dann rutschst du nicht", sagte er. Er schob den Arm ins Rohr, bis zur Schulter. Er zog eine Handvoll Blätter heraus. Dann noch eine. Dann noch eine.

„Weiter", sagte Ida. „Da ist noch mehr."

Till reichte ihm einen langen Stock.

„Da ist was ganz Großes", rief Matti. „Es ... geht ... nicht ... raus."

Er zog mit beiden Händen.

PLOPP!

Ein alter Schuh voller Blätter flog heraus und landete im Gras.

Einen Moment passierte nichts.

Dann machte das Rohr ein Geräusch. Erst leise, wie ein Brummen. Dann lauter. Dann rauschte es.

Alle rannten am Rohr entlang zum Feld. Da schoss das Wasser heraus, mitten auf die erste Reihe. Es spritzte über alle. Till kreischte und sprang zur Seite. Benno hielt sein Gesicht hinein. Ida lachte und wischte sich das Wasser aus den Augen.

Und die Sonnenblumen tranken. Man konnte richtig hören, wie das Wasser in die trockene Erde lief. Es machte ein Geräusch wie ganz viele kleine Schlucke.

Matti stand mitten im Wasser und bewegte sich nicht. Sein Hemd war nass, seine Schuhe waren nass, und er grinste über das ganze Gesicht.

Bella und Emil liefen durch die Reihen. Reihe für Reihe. Nach einer Weile hob die erste Sonnenblume den Kopf. Dann die nächste. Dann das halbe Feld.

Am Abend saßen alle nass im Gras und schauten zu, wie die Sonne unterging. Das Feld war wieder golden.

Bella und Emil liefen noch einmal die Reihen ab. Bei jeder Reihe machte Emil einen Haken auf seinen Zettel.

„Vierzig Reihen", sagte er am Ende. „Alle nass."

Dann hielt er den alten Schuh hoch. „Wem gehört der eigentlich?"

Alle schauten auf den Schuh. Keiner wusste es.

„Der kommt an die Wand", sagte Matti. „In den Schuppen. Damit ich nächstes Jahr dran denke, vorher nachzuschauen."

Till schüttelte den Kopf. „Du hängst einen Schuh an die Wand?"

„Ja", sagte Matti. „Einen Schuh."

Dann saßen sie noch lange im Gras. Vierzig Reihen Sonnenblumen standen wieder gerade und guckten in die Abendsonne.

Ende

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