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Der verschwundene Schatz

Vorlese-Fassung · 3–8 Jahre

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🎧 Vorlesen lassen Gelesen von einer KI-Stimme

„Eine Schatzkarte! Eine echte Schatzkarte!"

Otto Oregano kam über den Marktplatz gerannt. In der Hand hielt er ein altes, gelbes Papier.

„Die lag ganz oben auf meinem Dachboden", rief er. „In einer Kiste von meinem Opa!"

Christel Chicoree ließ ihre Tasche fallen. Matti Mais kam mit dem Ball unter dem Arm. Bella Brokkoli und Emil Erbse drängelten sich nach vorne.

Auf dem Papier waren Wege zu sehen. Ein Bach. Ein Wald. Und ganz am Rand ein großes X.

„Gemüsepolizei", sagte Otto. „Ihr habt den Auftrag. Prüft die Karte und bringt uns sicher hin. Ich sehe nicht mehr so gut. Morgen früh gehen wir los."

Emil stand ganz still. Dann sagte er: „Jawohl."

Frida Fenchel stand hinten am Rand. „Ich kann morgen nicht mit", sagte sie. „Ich habe noch was vor." Dann lief sie los.

Am nächsten Morgen ging es los. Christel Chicoree kam mit, weil sie den Kürbiswald kannte. Greta Gurke kam mit, weil sie gut balancieren konnte. Und Matti Mais kam mit, weil er nichts verpassen wollte.

Otto ging in der Mitte. Die Karte konnte er nicht mehr lesen. Den Weg wollte er trotzdem sehen.

Emil ging voran und hielt die Karte wie ein Lenkrad vor sich. Bella lief neben ihm und sagte alle paar Schritte: „Langsam. Wir sind sechs."

Zuerst kam der Kürbiswald. Dort standen riesige Kürbisse dicht an dicht, wie Häuser ohne Fenster. Einer hatte oben eine dicke Beule.

Emil ging vor. Nach einer Weile stand vor ihnen wieder der Kürbis mit der Beule.

„Den kenne ich", sagte Greta.

„Wir sind im Kreis gelaufen", sagte Emil.

„Immer links an den dicken vorbei", sagte Christel. „Dann kommen wir durch."

Emil blieb trotzdem alle paar Schritte stehen und hielt die Karte schief ins Licht. „Hier ist ein Zeichen", sagte er. „Und da auch eins. Wir sind richtig."

Danach kam die wackelige Brücke über den Bach. Sie wackelte bei jedem Schritt.

„Einer nach dem anderen", sagte Greta. Sie stellte sich in die Mitte und hielt jedem die Hand hin. Sogar Christel, die sonst immer vorneweg lief, ging als Letzte.

Auf der anderen Seite machten sie Pause. Greta teilte Brote aus. Matti legte sich ins Gras und schaute in den Himmel.

Und da lag etwas neben ihm im Gras.

Noch eine Karte.

„Noch eine Schatzkarte!", rief Emil. „Und die zeigt in eine ganz andere Richtung. Schaut, da ist auch ein X!"

Bella beugte sich darüber.

Emil lief schon los. „Hier lang! Das ist bestimmt die Abkürzung!"

Alle liefen hinterher. Den Hügel hoch. Durch hohes Gras. Um einen Felsen herum.

„Ist das noch die Abkürzung?", rief Christel von hinten.

„Ganz bestimmt!", rief Emil.

Und dann standen sie vor einer Wand aus Stein. Links Stein. Rechts Stein. Oben Stein.

„Hier geht es nicht weiter", sagte Matti.

Emil schaute auf die Karte. Dann auf die Wand. Dann wieder auf die Karte.

„Das ... das kann nicht sein", sagte er leise.

Die Sonne stand schon über den Kürbissen. Der Bach war nicht mehr zu sehen. Greta setzte sich auf einen Stein. Christel schaute zurück und suchte den Weg, den sie gekommen waren.

Bella nahm die beiden Karten und legte sie nebeneinander ins Gras.

„Emil", sagte sie. „Guck mal."

Die alte Karte war gelb und weich. An den Rändern war sie eingerissen. Die zweite Karte war weiß. Ihre Ecken waren gerade geschnitten. Und das X war mit buntem Stift gemalt.

Emil beugte sich tief darüber. Dann hielt er die Nase an das Papier.

„Die riecht nach Kräutern", sagte er und hielt sie Otto hin.

Otto schnupperte. „Nach Fenchel", sagte er.

„Und die ist von heute", sagte Emil.

„Dann ist sie nicht von deinem Opa, Otto", sagte Bella.

Otto schüttelte den Kopf. „Ganz bestimmt nicht."

Emil stand auf. „Das war mein Fehler", sagte er. „Ich bin einfach losgerannt."

Er faltete die neue Karte zusammen und steckte sie ein. Dann nahm er die alte in beide Hände.

„Zurück zum Bach", sagte er. „Und diesmal gucke ich bei jedem Zeichen zweimal."

Sie gingen den ganzen Weg zurück. Emil blieb an jeder Gabelung stehen. Bella las vor, was auf der Karte stand. Matti zählte die Schritte.

Am Bach ging es weiter geradeaus, wie es die alte Karte zeigte. Und nach einer Weile standen sie vor einem riesigen alten Baum. Seine Wurzeln waren dick wie Arme.

Emil hielt die Karte hoch. „Das X", sagte er. „Genau hier." Er legte die Karte ins Gras.

Unter dem Baum lag ein großer Stein, ganz grün vom Moos. Alle schoben zusammen. Der Stein rutschte zur Seite.

Darunter war eine Kiste aus Holz.

„Vorsichtig", sagte Otto. „Die ist so alt wie die Karte."

Alle wurden still. Greta hielt die Luft an. Matti ging in die Hocke.

Bella hob den Deckel.

Kein Gold. Keine Münzen. In der Kiste lagen eine alte Kette, ein Löffel aus Holz und ein dickes Buch.

Otto nahm das Buch heraus. Er machte es auf und blätterte ganz vorsichtig.

Auf der ersten Seite war eine Zeichnung. Ein Marktplatz. Aber auf der Zeichnung standen nur drei Häuser.

Matti schaute lange darauf. „Wo ist denn unser Haus?"

„Das gab es da noch nicht", sagte Otto. „Das hier hat mein Opa gemalt. Als er so alt war wie ihr."

Dann musste er einmal schlucken. „Ich freue mich so, dass ich gleich weinen muss."

Da hörten sie ein Kichern aus dem Gebüsch.

Frida Fenchel kam heraus. Hinter sich zog sie einen Korb.

„Überraschung!", rief sie. „Die zweite Karte war von mir. Sie führt zu einem Picknick. Ich wollte euch eine Freude machen." Dann wurde sie leiser. „Ich wusste nicht, dass ihr euch verlaufen habt. Tut mir leid."

Emil zog die weiße Karte aus der Tasche und hielt sie hoch.

„Frida", sagte er. „Deine Karte war richtig gut gemalt."

„Wirklich?", fragte Frida.

„Viel zu gut", sagte Emil. „Ich habe wirklich gedacht, sie ist echt."

„Dann gibt es heute zwei Schätze", sagte Otto. „Setz dich."

Sie packten das Picknick aus, mitten zwischen den Wurzeln. Otto saß an den Baum gelehnt und las aus dem alten Buch vor. Von drei Häusern. Von einem Bach ohne Brücke. Von einem Wald, in dem noch keine Kürbisse standen.

Greta schaute sich um. „Und wer hat dann die Brücke gebaut?"

Otto blätterte um. Dann lachte er.

„Mein Opa", sagte er. „Da steht es. Und da steht auch, dass sie schon damals gewackelt hat."

Ende

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