Die letzte Gießkanne
Vorlese-Fassung · 3–8 JahreIm Gemüseland war etwas los: Seit vielen Tagen war kein einziger Tropfen Regen gefallen. Die Sonne brannte heiß vom Himmel, und der Boden war ganz trocken und voller Risse.
Überall ließen die Pflanzen die Köpfe hängen. Die Blätter waren schlapp. Alle hatten Durst.
„Puh", stöhnte Emil Erbse und fächelte sich mit einem Blatt Luft zu. „Ist das heiß heute!"
„Die armen Beete", sagte Bella Brokkoli. „Sie brauchen ganz dringend Wasser."
Doch am Brunnen gab es ein Problem. Fast alle Gießkannen waren weg. Ottos Kanne hatte ein Loch. Rudi hatte seine mit zum Kürbishof genommen. Nur eine einzige stand noch da: eine grüne Kanne mit einem langen Hals.
Die allerletzte Gießkanne.
Greta Gurke stand in ihrem Beet und schaute zu Till Tomate hinüber. Tills Tomaten hingen ganz schlapp herunter.
„Oje", murmelte Greta. „Tills Tomaten sehen furchtbar durstig aus. Schnell — ich hole die Kanne und gieße sie für ihn. Was für eine schöne Überraschung!"
Im selben Moment stand Till Tomate in seinem Beet und schaute zu Greta hinüber. Gretas Gurken lagen ganz platt auf der Erde.
„Oje", murmelte Till. „Gretas Gurken sehen furchtbar durstig aus. Schnell — ich hole die Kanne und gieße sie für sie. Was für eine schöne Überraschung!"
Keiner sagte dem anderen ein Wort. Beide liefen los. Direkt zum Brunnen. Zur letzten Gießkanne.
Sie kamen genau gleichzeitig an. Greta griff nach der Kanne. Und Till griff nach der Kanne. Beide Hände packten dieselbe Kanne.
„Die brauche ich!", rief Greta.
„Nein, die brauche ich!", rief Till.
„Ich war zuerst da!", sagte Greta.
„Nein, ich!", sagte Till.
Sie zogen. Greta zog nach links. Till zog nach rechts. Die Kanne wackelte hin und her.
Und dann — platsch! — schwappte das ganze Wasser heraus. Es klatschte in den trockenen Staub und war weg.
Einen Moment schauten beide auf die leere Kanne. Greta wurde ganz still. Und Till wurde ganz still.
„Jetzt ist das Wasser weg", sagte Greta leise. „Und du bist schuld."
„Ich?", rief Till. „Du wolltest die Kanne doch ganz für dich allein!"
„Gar nicht!", rief Greta.
Beide waren traurig und ein bisschen wütend. Greta drehte sich um und stampfte davon. Till drehte sich um und stampfte in die andere Richtung.
Zum ersten Mal seit langer Zeit sagten Till und Greta kein einziges Wort mehr zueinander. Und ihre Beete hingen jetzt noch durstiger herunter als vorher.
Bella und Emil hatten alles von Weitem gesehen. Sie kamen zum Brunnen und schauten sich die leere Kanne an.
„Zwei Freunde, die sich streiten", sagte Bella. „Und die durstigen Beete werden immer schlimmer. Das ist ein Fall für die Gemüsepolizei."
Emil holte seine Lupe heraus — die hatte er als echter Ermittler immer dabei. Er suchte den Boden ab: nasse Flecken, ein paar Fußspuren. „Aber warum die beiden sich streiten", seufzte er, „das sehe ich durch die Lupe einfach nicht."
„Manche Spuren sieht man nicht mit den Augen", sagte Bella. „Die muss man erfragen. Wir fragen jeden einzeln", sagte sie. „Du fragst Till. Ich frage Greta. Dann treffen wir uns wieder hier."
Emil ging zu Till. Till saß ganz traurig unter einem großen Blatt.
„Till", fragte Emil vorsichtig, „warum wolltest du denn unbedingt die Kanne haben?"
Till seufzte. „Ich wollte doch nur Gretas Gurken gießen. Die sahen so durstig aus. Es sollte eine Überraschung sein." Er ließ den Kopf hängen. „Aber jetzt denkt Greta, ich bin gemein."
Zur gleichen Zeit fragte Bella die Gurke. „Greta, warum wolltest du denn unbedingt die Kanne haben?"
Greta schniefte. „Ich wollte doch nur Tills Tomaten gießen. Die sahen so durstig aus. Es sollte eine Überraschung sein." Sie ließ den Kopf hängen. „Aber jetzt denkt Till, ich bin gemein."
Bella und Emil trafen sich wieder am Brunnen. Sie schauten sich an. Und dann mussten beide lächeln.
„Emil", sagte Bella, „weißt du, was das Lustige ist? Greta wollte für Till gießen. Und Till wollte für Greta gießen."
Emil riss die Augen auf. „Sie haben sich gestritten — weil sie beide nett sein wollten!"
„Genau", sagte Bella. „Sie haben sich nur falsch verstanden. Komm, das müssen die beiden sofort erfahren!"
Bella holte Greta. Emil holte Till. Am Brunnen standen sie sich gegenüber und schauten zu Boden.
„Till", sagte Bella, „Greta wollte die Kanne gar nicht für sich. Sie wollte deine Tomaten gießen."
„Und Greta", sagte Emil, „Till wollte deine Gurken gießen."
Greta und Till schauten sich an. Ganz groß. „Wirklich?", fragte Greta.
„Wirklich", sagte Till. Und dann fingen beide an zu lachen. Sie lachten und lachten, bis ihnen fast die Tränen kamen.
„Wir haben gestritten, weil wir beide helfen wollten!", kicherte Greta. „So ein Quatsch."
„Das tut mir leid", sagte Till. „Ich hätte einfach fragen sollen."
„Mir auch", sagte Greta. „Vertragen wir uns wieder?"
„Na klar!", sagte Till.
Zusammen füllten sie die Kanne am Brunnen wieder auf. Doch jetzt zogen sie nicht mehr daran. Einer hielt, der andere goss.
Zuerst gingen sie zu Tills Tomaten. Gluck, gluck — das Wasser lief in die trockene Erde. Und wirklich: Ganz langsam hoben die Tomaten ihre Köpfe wieder.
Dann füllten sie die Kanne noch einmal und gingen zu Gretas Gurken. Wieder gluck, gluck. Auch die Gurken standen wieder gerade und wurden grün und froh.
Weil sie sich abwechselten, ging alles ganz leicht. Und weil sie zusammen halfen, machte es sogar Spaß.
„Weißt du was?", sagte Greta, als beide Beete genug Wasser hatten. „Eine Kanne reicht doch — wenn man sie teilt."
„Und ab jetzt", sagte Till, „gießen wir immer zusammen. Erst deins, dann meins."
Und so machten sie es von nun an an jedem heißen Tag. Greta und Till, Seite an Seite, mit einer einzigen grünen Gießkanne — und das war den beiden viel lieber als zwei.
Ende
🤖 Diese Geschichte wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz geschrieben und von einem Menschen geprüft. Mehr dazu