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Laras erstes Wort

Vorlese-Fassung · 3–8 Jahre
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Lara Linse war eine Ernte alt. Und sie sagte kein einziges Wort.

Nicht, weil sie traurig war. Lara war die fröhlichste Linse von ganz Gemüseland. Sie lachte, sie patschte in die Hände, sie zeigte auf alles, was ihr gefiel.

Nur reden — reden tat sie nicht.

„Bald sagt sie bestimmt was", sagte Bella Brokkoli eines Morgens.

Und dann fragte jemand etwas. Keiner weiß mehr, wer es zuerst gesagt hat. Aber danach redeten alle nur noch davon:

„Ob sie wohl meinen Namen zuerst sagt?"

Am nächsten Tag ging es los.

Christel saß auf der Bank daneben und passte auf. Bella setzte sich zu Lara auf die Decke und sprach ganz langsam und deutlich.

„Bel-la", sagte sie. „Beeel-laaa."

Lara schaute sie an. Lara lachte. Lara patschte in die Hände.

Lara sagte nichts.

„Vielleicht ist es zu lang", sagte Emil Erbse. Er hockte sich daneben. „E-mil. Das sind nur zwei Stücke. E-mil!"

Lara zeigte auf einen Vogel.

„Sie hat mich angeschaut", sagte Emil zufrieden. „Das ist schon mal was."

„Sie hat auf den Vogel geschaut", sagte Bella.

„Sie hat in meine Richtung geschaut", sagte Emil. „Und da war zufällig auch der Vogel."

Am Nachmittag wussten es alle im Dorf.

Und dann kamen alle.

Greta Gurke brachte einen bunten Ball mit und sagte dabei die ganze Zeit „Gre-ta". Rudi Rotkohl legte einen kleinen Kürbis vor Lara hin und sagte „Ruuudi", und noch einmal „Ruuudi", bis seine Stimme ganz kratzig war. Hanna Hirse machte sogar einen Handstand.

„Han-na!", rief sie kopfüber. „Han-na!"

Lara fand den Handstand großartig. Sie quietschte vor Freude.

Sie sagte trotzdem nichts.

Am schlimmsten war Arvid Artischocke.

Arvid stellte sich mitten auf den Marktplatz, hielt die Hände wie eine Tüte vor den Mund und brüllte, so laut er konnte:

„AAAR-VIIID!"

Es kam von allen Häusern zurück. Ein Vogel flog erschrocken auf.

Und Laras Unterlippe fing an zu zittern.

Christel war mit zwei Schritten bei ihr und nahm sie hoch.

„Arvid", sagte Christel.

„Ich wollte doch nur —"

„Ich weiß", sagte Bella. „Aber sie ist eine Ernte alt. Und du bist sehr laut."

Arvid schaute auf seine Füße. „Soll ich es noch mal leiser machen?"

„Nein", sagten Bella und Emil gleichzeitig.

Danach war es kurz still.

„Also", sagte Bella. „So geht das nicht."

„Wir machen es zusammen", sagte Emil. „Ordentlich. Einer nach dem anderen."

Am nächsten Morgen saßen sie alle im Kreis um Laras Decke. Bella, Emil, Greta, Rudi, Hanna, Arvid und noch ein paar mehr.

Und dann ging es reihum.

„Bel-la."

„E-mil."

„Gre-ta."

„Ruuu-di."

„Han-na."

„Arvid", sagte Arvid. Diesmal ganz leise. Bella hatte mit ihm geredet.

Alle schauten Lara an. Ganz viele Augen. Und keiner sagte ein Wort.

Lara schaute in die Runde.

Dann drehte sie sich um, legte sich auf den Bauch und schaute in die andere Richtung.

„Sie will nicht mehr", sagte Emil leise.

Niki Nuss hatte die ganze Zeit hinten an der Mauer gestanden und zugeschaut.

Jetzt kam sie nach vorne.

„Ich nehme sie ein bisschen mit", sagte sie.

„Und was machst du mit ihr?", fragte Greta.

Niki überlegte.

„Nichts", sagte sie.

Und dann nahm sie Lara auf den Arm und ging.

Niki musste an diesem Tag ihren Yoga-Raum aufräumen. Das war eine ruhige Arbeit. Sie setzte Lara auf eine dicke Decke in die Ecke, wo die Sonne hinschien.

Dann räumte sie auf.

Sie legte die Kissen zurecht. Sie füllte ein kleines Kissen mit Blüten und hängte es an den Haken. Sie brauchte einen Korb, der ganz oben stand — da kam Arvid vorbei, sah es und holte ohne ein Wort die Leiter.

Und dabei sagte Niki nichts. Kein einziges Mal ihren Namen. Kein einziges Mal „sag doch mal".

Sie summte nur leise vor sich hin.

Lara saß in ihrer Sonnenecke und schaute zu. Ihre Augen gingen immer mit Niki mit. Hin und her, hin und her.

Einmal hielt Niki ihr das Kissen hin.

„Riech mal."

Lara steckte die Nase hinein und musste niesen. Dann lachte sie so sehr, dass sie umfiel.

Niki lachte auch. Und band den nächsten Bund.

Nach einer Weile summte Lara mit.

Am Abend brachte Niki sie zurück. Alle warteten schon.

„Und?", fragte Emil sofort. „Hat sie was gesagt?"

„Nein", sagte Niki.

„Gar nichts?"

„Gar nichts." Niki lächelte. „Es war sehr schön."

Emil ließ die Schultern hängen.

„Vielleicht", sagte er, „dauert es einfach noch ein Jahr."

Dann gab es Abendessen.

Es gab Apfelmus. Warmes Apfelmus mit ein bisschen Zimt, aus Ottos letzten Äpfeln.

Lara saß auf ihrem Stuhl mit dem hohen Rand. Sie bekam einen kleinen Löffel voll. Sie machte den Mund auf. Sie machte den Mund zu.

Sie machte die Augen ganz groß.

Und dann klopfte sie mit beiden Händen auf den Tisch und rief, ganz laut und ganz deutlich:

„MEHR!"

Der Löffel fiel Christel aus der Hand.

Niemand sagte ein Wort. Alle starrten Lara an.

„Das …", flüsterte Emil, „das war kein Name."

„MEHR!", sagte Lara noch einmal und klopfte weiter.

Und dann fingen alle gleichzeitig an zu reden.

„Sie hat gesprochen!"

„Habt ihr das gehört?"

„Ich hab's gehört, ich saß direkt daneben!"

„Und keiner von uns war es!", rief Arvid. Er klang fast stolz darauf.

Später, als es ruhiger war, setzte sich Emil zu Niki auf die Bank.

„Ich verstehe das nicht", sagte er. „Wir haben zwei Tage lang geübt. Und dann sagt sie ‚Mehr'."

Niki schaute in den Abendhimmel.

„Ihr habt ihr gesagt, was sie sagen soll", sagte sie. „Aber sie wollte etwas ganz anderes sagen. Man muss warten. Bis ein Kind von allein anfängt."

Emil dachte nach.

„Und was wollte sie sagen?"

„Dass ihr das Apfelmus schmeckt", sagte Niki. „Das ist doch ein schöner erster Satz."

Seitdem redet Lara Linse.

Nicht viel. Aber sehr bestimmt.

Sie sagt „Mehr", wenn der Teller leer ist. Sie sagt „Mehr", wenn eine Geschichte zu Ende ist. Sie sagt „Mehr", wenn Hanna aufhört, Handstand zu machen.

Und einmal, an einem ganz normalen Dienstag, zeigte sie auf Niki Nuss und sagte „Ni".

Niki hat das niemandem erzählt.

Aber sie hat an diesem Tag den ganzen Nachmittag gesummt.

Ende

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🤖 Diese Geschichte wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz geschrieben und von einem Menschen geprüft. Mehr dazu