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Der große Laubhaufen

Vorlese-Fassung · 3–8 Jahre
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„Größer", sagte Till Tomate.

„Der ist schon riesig", sagte Frida Fenchel.

„Größer!"

Sie zogen die Blätter mit der Harke zusammen, den ganzen Vormittag. Rot, gelb, braun — das ganze Laub von Gemüseland wanderte auf einen Haufen hinter Fridolins Garten.

Es raschelte bei jedem Schritt. Es roch nach nasser Erde und ein bisschen nach Rauch.

Bauer Fridolin schaute über die Mauer.

„Harkt ruhig alles zusammen", sagte er. „Nur hinten an der Hecke lasst ihr das Laub liegen. Da wohnt Pieks."

„Klar!", rief Till.

Dann harkten sie weiter. Und dachten nicht mehr daran.

Am Mittag war er höher als Till.

Am Nachmittag war er höher als Frida mit ausgestreckten Armen.

Till kletterte auf die Mauer, breitete die Arme aus und ließ sich rückwärts fallen.

RASCHEL!

Er verschwand ganz. Nur ein Fuß guckte noch heraus.

„TILL?"

„Mir geht es gut", sagte der Laubhaufen.

Sie sprangen den ganzen Nachmittag. Und als es dunkel wurde, standen sie oben auf der Mauer. Von dort schauten sie auf ihren Haufen hinunter.

„Morgen springen alle mit", sagte Till. „Das ganze Dorf."

Am nächsten Morgen war der Haufen kleiner.

Nicht viel. Aber Till merkte es sofort.

„Der ging mir gestern bis hier", sagte er und hielt sich die Hand an die Brust. „Heute nur bis hier."

„Der Wind?", fragte Frida.

Sie schauten sich um. Die letzten Blätter an den Bäumen hingen ganz still.

„Kein Wind", sagte Frida.

Sie harkten neues Laub dazu. Der Haufen war wieder riesig. Sie sprangen. Es war ein guter Tag.

Und am nächsten Morgen war er wieder kleiner.

Diesmal deutlich.

Till kniff die Augen zusammen.

„Ich weiß, was wir machen", sagte er. „Wir bauen eine Mauer."

Sie sammelten Stöcke. Sie steckten sie rund um den ganzen Haufen in die Erde, dicht an dicht, wie einen kleinen Zaun.

„Da kommt keiner mehr durch", sagte Till zufrieden.

Am nächsten Morgen standen alle Stöcke noch da. Genau so, wie sie sie hingesteckt hatten. Keiner war umgefallen. Keiner stand schief.

Der Haufen war trotzdem kleiner.

Till und Frida standen davor und sagten eine ganze Weile gar nichts.

„Das ist komisch", sagte Frida schließlich.

Sie holten Emil Erbse. Emil ist von der Gemüsepolizei, und Emil hat eine Lupe.

Emil ging einmal um den Haufen herum. Emil ging zweimal um den Haufen herum. Emil legte sich sogar auf den Bauch und schaute unter den Zaun.

„Und?", fragte Till.

„Keine Fußspuren", sagte Emil. „Keine geknickten Halme. Nichts."

„Gar nichts?"

„Bei so einem Fall", sagte Emil und klappte die Lupe zu, „hat meistens keiner was Böses gemacht. Da hat sich nur einer was gedacht."

Till und Frida schauten sich an. Sie verstanden kein Wort.

Bella Brokkoli, die hinter Emil stand, lächelte bloß.

„Da klaut jemand unser Laub", sagte Till.

„Wer klaut denn Laub?", sagte Frida. „Das liegt überall herum. Man kann es einfach nehmen."

„Trotzdem." Till stemmte die Hände in die Seiten. „Wir passen auf."

„Dann fragen wir Fridolin", sagte Frida.

Fridolin lachte. „Aufpassen dürft ihr. Aber nicht allein. Und nicht die ganze Nacht."

Am Abend saßen sie zu dritt hinter der Mauer. Sie hatten eine Decke dabei, drei Becher warmen Saft und Fridolins Laterne.

Die Sterne kamen heraus. Es wurde still. Es wurde kalt. Der Saft wurde alle.

Und irgendwann kippte Tills Kopf zur Seite.

Als er die Augen wieder aufmachte, lag er in seinem Bett. Fridolin hatte die beiden nach Hause gebracht.

Am Morgen war der Laubhaufen so klein wie noch nie.

„Wir haben geschlafen", sagte Till. „Wir haben BEIDE geschlafen."

„Ich habe nur die Augen zugemacht", sagte Frida.

„Eine ganze Stunde lang!"

Sie schauten auf den traurigen Rest.

„Heute Abend nicht", sagte Frida und stand auf. Sie klopfte sich das Laub von der Hose. „Heute Abend machen wir es richtig."

„Und wie?"

„Wir setzen uns nicht hin. Wer sitzt, schläft. Und Fridolin passt mit auf."

Den ganzen Tag harkten sie. Der Haufen wurde noch größer als beim ersten Mal.

Als es dunkel wurde, stellten sie sich hinter die Mauer. Im Stehen. Fridolin stand neben ihnen und hielt die Laterne.

Die erste Stunde passierte nichts.

Die zweite Stunde passierte nichts.

In der dritten Stunde machte es RASCHEL.

Till fasste Frida am Arm. Frida hielt die Luft an.

RASCHEL. RASCHEL-RASCHEL.

Etwas bewegte sich im Laubhaufen. Etwas Kleines. Es kam von unten nach oben. Dabei rutschten die Blätter zur Seite.

„Was ist das?", flüsterte Till.

„Ich weiß es nicht", flüsterte Frida zurück.

Fridolin hob ganz langsam die Laterne.

Und da, mitten im Laub, saß eine kleine runde Kugel mit Stacheln. Sie hatte ein Blatt auf der Nase.

„Pieks", sagte Frida.

Pieks schaute in das Licht. Dann schaute er die beiden an. Dann nahm er ein Blatt in den Mund und trippelte damit los, unter die Hecke, wo es dunkel war.

„Der nimmt sich unser Laub", sagte Till.

„Er trägt es weg", sagte Frida. „Blatt für Blatt. Seit drei Nächten."

„Der war die ganze Zeit unter dem Zaun durch", flüsterte Till. „Der ist ja so klein."

Sie gingen ganz vorsichtig zur Hecke. Sie fassten nichts an — das ist die Regel bei Pieks, seit er im Herbst zu Fridolin gezogen ist. Man lässt ihn in Ruhe. Man stellt ihm höchstens Wasser hin.

Unter der Hecke war eine kleine Höhle aus Laub. Rund und dicht und ordentlich aufeinandergelegt.

Frida hockte sich davor. Dann schaute sie zur Ecke an der Hecke.

Da war die Erde nackt und braun. Kein einziges Blatt lag mehr dort.

„Till", sagte sie ganz leise. „Wir haben es weggeharkt."

Till machte den Mund auf. Dann machte er ihn wieder zu.

„Sein Winterbett", sagte Frida. „Und er holt es sich zurück. Seit drei Nächten. Blatt für Blatt."

Till stand daneben und sagte lange nichts.

Dann schaute er zurück zu ihrem großen Haufen. Der war ungefähr zwanzigmal so groß wie Pieks' kleine Höhle.

„Er hat sich immer nur das genommen, was er tragen konnte", sagte er.

„Ja."

„Und wir haben die ganze Zeit gedacht, jemand klaut." Till zog die Schultern hoch. „Dabei haben wir angefangen."

Frida schaute auf die kleine Höhle.

„Wenn wir morgen wieder alles zusammenharken", sagte sie langsam, „dann hat er heute Nacht umsonst gearbeitet."

Till schwieg.

Dann sagte er: „Dann harken wir eben zweimal."

Am nächsten Tag harkten sie noch einmal.

Aber diesmal machten sie zwei Haufen.

Den großen zum Springen, mitten auf die Wiese. Und einen zweiten, kleineren, genau dorthin an die Hecke, wo sie es hätten liegen lassen sollen. Sie legten das Laub dick und locker aufeinander. Daneben stellten sie einen flachen Napf mit Wasser.

Dann steckten sie ein Stöckchen davor in die Erde, damit jeder es sah.

„Und wenn einer da reinspringt?", fragte Till.

„Dann ist das Pieks' Haufen und nicht unserer", sagte Frida.

Sie mussten es niemandem sagen.

Am Nachmittag kam das halbe Dorf. Arvid sprang als Erster und blieb kopfüber stecken. Hanna machte einen Salto hinein. Rudi wollte auch, überlegte es sich anders und setzte sich lieber daneben.

Alle sprangen in den großen Haufen und lachten und lachten.

Und um den kleinen an der Hecke ging jeder außen herum.

Am Abend war der kleine Haufen an der Hecke schon wieder ein Stück dicker.

Till stand davor und schaute ihn lange an.

„Und nächstes Jahr?", fragte Frida.

„Nächstes Jahr fangen wir dort an", sagte Till. „Erst seiner. Dann unserer."

Frida hielt ihm die Harke hin.

„Abgemacht."

Ende

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