Wer hat den Schneemann gebaut?
Vorlese-Fassung · 3–8 JahreAm vierten Advent wachte Gemüseland auf, und auf dem Marktplatz stand ein Schneemann.
Nicht so einer, wie Kinder ihn bauen. Dieser war riesig. Drei dicke Kugeln übereinander. Die unterste war so groß wie ein Tisch. Die oberste war der Kopf.
Auf dem Kopf saß ein Hut.
„DAS IST MEIN HUT!", rief Otto Oregano.
Es blieb nicht bei dem Hut.
Greta Gurke fehlte ihr Kochlöffel. Der steckte als Arm im Schneemann.
Rudi Rotkohl fehlte sein Schal. Der hing dem Schneemann um den Hals.
Niki fehlte ihr Stirnband. Das war um den Kopf gebunden.
Hanna fehlte ihre Sonnenbrille. Die saß auf der Nase.
Und Fridolin fehlte eine leere Obstkiste. Die stand direkt neben dem Schneemann im Schnee.
„Alles steht einfach da!", rief Greta. „Mitten auf dem Platz! Und keiner hat was gemerkt!"
Rudi stellte sich hin.
„Das ist ein Fall für die Gemüsepolizei."
Emil Erbse schrieb die Liste.
Hut — Otto. Kochlöffel — Greta. Schal — Rudi. Stirnband — Niki. Sonnenbrille — Hanna. Kiste — Fridolin.
„Sechs Sachen aus sechs Häusern", sagte Emil. „Und alle stehen hier, wo jeder hinguckt."
„Das war kein Dieb", sagte Bella Brokkoli. „Ein Dieb versteckt die Sachen. Der hier hat alles hingestellt, damit man es sieht."
Da guckte Rudi an sich herunter.
An einem Fuß hatte er einen großen gelben Gummistiefel. Am anderen Fuß hatte er nur eine Socke.
„Mein zweiter Stiefel ist auch weg!", rief er und hüpfte auf einem Bein. HOPP. HOPP. „Und Socke im Schnee ist KALT!"
„Dann suchen wir ihn mit", sagte Emil und schrieb Stiefel unter seine Liste.
Emil guckte am Schneemann hoch. Ganz weit nach oben.
Dann stellte er Otto daneben.
Der Hut saß höher als Otto.
„Höher als Otto", sagte Emil. „Und Otto ist groß."
Er ging dreimal um den Schneemann herum und guckte jede Stelle an.
„Der Stiefel ist nicht dran", sagte er. „Alles ist dran. Nur Rudis Stiefel nicht."
Hinter das Wort Stiefel malte er ein Fragezeichen. Das heißt bei Emil: Das weiß ich noch nicht.
Dann kam Rosa aus der Backstube, mit Mehl an den Händen.
„Ich backe ja nachts", sagte sie. „Und heute ganz früh habe ich draußen jemanden kichern hören. Ich dachte, ich träume."
„Kichern ist kein Hinweis", sagte Emil.
Er schrieb es aber trotzdem auf.
„Das war ein Großer", sagte Emil. „Ein Kind kommt da oben nicht ran."
Und er fragte alle Großen. Der Reihe nach.
„Warst du das?"
„Nein."
„Warst du das?"
„Nein."
Dann stand er vor Otto.
„Warst du das?"
„Ich nehme meinen Hut nicht von meinem eigenen Kopf", sagte Otto. Er sagte es nicht freundlich.
„Ich bin seit früh mit den Kindern am Rodelhügel", sagte Christel Chicoree. „Frag die elf."
Rudi hüpfte weiter und suchte seinen Stiefel.
Und dann fing es an zu schneien.
Erst ein bisschen. Dann richtig.
Die Spuren auf dem Platz wurden weiß. Die Wege wurden weiß. Alles wurde weiß.
Emil stand mit seinem Zettel da und ließ die Arme hängen.
„Weg", sagte er. „Alle Spuren weg."
Am Rodelhügel saßen elf Kinder auf ihren Schlitten und guckten in den Schnee.
Bella hatte sich hingesetzt. Auf die Obstkiste, weil sonst alles nass war.
Sie guckte lange auf den Schneemann.
„Emil", sagte sie. „Alles am Schneemann ist etwas. Der Hut ist ein Hut. Der Löffel ist ein Arm. Die Brille ist eine Brille."
„Ja, und?"
„Und die Kiste?" Bella klopfte auf das Holz unter sich. „Was ist die? Die ist gar nichts. Die steht nur da."
Emil guckte auf die Kiste. Dann guckte er auf den Hut. Dann guckte er wieder auf die Kiste.
„Du sitzt die ganze Zeit auf dem Hinweis", sagte er.
Bella stand auf. Emil kletterte auf die Kiste und streckte den Arm nach oben.
Er kam an den Hut.
„Von hier aus komme ich dran", sagte er. „Sogar ich."
Dann sprang er runter und drehte die Kiste um.
Darunter, wo kein Schnee hinkommt, lag ein Handschuh. Ein kleiner, blauer. Ganz trocken.
Am Rodelhügel saßen die elf Kinder noch auf ihren Schlitten.
Emil hielt den Handschuh hoch.
„Wem gehört der?"
Elf Kinder guckten auf den Handschuh.
Dann hob Lotta Lattich die Hand. Sie hatte eine blaue Bommelmütze auf und nur einen blauen Handschuh an.
„Mir."
„Ich habe die Kiste getragen", sagte Hans Haferwurzel. Er ist der Größte von den elf und hat vorne eine Zahnlücke. „Und Lotta ist auf die Kiste geklettert. Zweimal. Beim ersten Mal ist der Hut wieder runtergefallen."
Und dann redeten alle elf auf einmal.
„Wir wollten den allergrößten Schneemann bauen", sagte Lotta. „Einen für das ganze Dorf."
„Und von jedem sollte was dran sein", sagte Hans. „Dann haben alle mitgebaut. Auch die, die noch geschlafen haben."
„Und ihr wart ganz früh im Dunkeln draußen?", fragte Christel. „Ohne einen Großen?"
„Wir waren doch elf", sagte Lotta.
„Elf Kleine sind kein Großer", sagte Christel. Und das meinte sie ernst.
„Fall gelöst", sagte Emil und schrieb unter seine Liste: Kein Dieb. Elf Kinder. Und ein Kichern.
Hans lachte so, dass er sich am Schneemann festhalten musste.
Otto lachte nicht.
Er ging zum Schneemann und guckte hoch zu seinem Hut. Der Hut war nass. Er hing schief. Er sah gar nicht mehr aus wie ein Hut.
„Den Hut hat mir mein Papa geschenkt", sagte Otto. „Da war ich so klein wie Lotta. Und jetzt ist er nass und ganz schief."
Er stieg auf die Kiste, nahm den Hut herunter, hielt ihn mit beiden Händen und ging damit weg.
Lotta stand da und guckte auf ihre Schuhe.
„Sag doch was", flüsterte Hans.
„Später", sagte Bella. „Wenn Otto wieder da ist."
Rosa legte den Hut in der Backstube neben den Ofen, nicht zu nah. Otto setzte sich daneben und wartete.
Dann kam Emil herein und setzte sich auf die andere Seite vom Ofen.
„Ich hab dich gefragt, ob du es warst", sagte Emil. „Das tut mir leid."
Otto nickte. Dann passten die beiden zusammen auf den Hut auf, bis er trocken war. Das dauerte zwei Stunden.
In der Zeit suchte das ganze Dorf Rudis Stiefel. Sie suchten im Schnee. Sie suchten im Schneemann. Greta suchte in ihrer Küche. Da kennt sie jeden Topf.
Am Ende steckte Rudi den Kopf in die Backstube.
„Gefunden!", rief er. „Der stand die ganze Zeit neben meiner Haustür! Heute früh hab ich nur einen angezogen. Und dann hat es ihn zugeschneit."
Emil guckte auf sein Fragezeichen. Dann strich er es durch.
„Das war gar kein Hinweis", sagte er. „Das war ein Stiefel."
Da musste Otto ein bisschen lachen. Sein Schnurrbart wackelte.
Draußen ging Rudi über den Platz. Endlich wieder mit zwei gelben Stiefeln.
Die anderen fünf Sachen blieben am Schneemann. Bis Silvester.
Und als es dunkel wurde, kam Otto zurück auf den Marktplatz. Emil ging neben ihm.
Der Hut war trocken. Schief war er noch, aber trocken.
Otto stieg auf die Kiste. Er musste sich dabei festhalten, und Lotta hielt ihn am Ärmel.
„Tut mir leid mit deinem Hut", sagte Lotta. „Wir hätten fragen müssen."
„Ja", sagte Otto. „Nächstes Mal fragt ihr."
Dann setzte er seinem Schneemann den Hut wieder auf.
Er saß schief.
Otto machte ihn nicht gerade.
Ende
🤖 Diese Geschichte wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz geschrieben und von einem Menschen geprüft. Mehr dazu